Rendsburg : Jüdisches Museum: Neuer Leiter wirbt für Toleranz

Ein besonderes Ensemble: Das Jüdische Museum besteht aus drei Häusern.
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Ein besonderes Ensemble: Das Jüdische Museum besteht aus drei Häusern.

Dr. Carsten Fleischhauer (47) sieht nach dem Terror in Paris keine unmittelbare Bedrohung für sein Haus.

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13. Januar 2015, 09:25 Uhr

Es ist eine schwere Zeit, in der Dr. Carsten Fleischhauer (47) seine neue Stelle als Leiter des Jüdischen Museums antritt. Die Betroffenheit über die jüngsten Ereignisse in Paris ist überall zu spüren, die ganze Welt trauert um die Opfer der Anschläge. Auch ein jüdischer Supermarkt wurde zum Ziel der Attentäter. „Theoretisch gibt es auch bei uns die Möglichkeit einer Gefährdung“, sagt Fleischhauer. „Doch wir fühlen uns nicht unmittelbar bedroht.“

Die Sicherheitsvorkehrungen in der Prinzessinstraße seien nach den Ereignissen in Frankreich nicht verschärft worden. Sie gingen schon vorher über die normalen Standards in Museen hinaus. „Wir haben hier sehr hohe Sicherheitsvorkehrungen und arbeiten eng mit der Polizei zusammen“, so der neue Museumsleiter. Die Anschläge seien seiner Ansicht nach ein Problem der Intoleranz, die sich in Paris auf „schreckliche Weise“ entladen habe. „Es zeigt uns einmal mehr, wie wichtig unsere Arbeit im Museum ist, nämlich Toleranz und Offenheit zu fördern.“

Dies geschieht zum Beispiel durch die Ausstellung zur Geschichte der Juden in Schleswig-Holstein. Dauerausstellungen wie diese liegen dem 47-Jährigen besonders am Herzen. „Sie sind die Visitenkarte eines Museums“, sagt er. Deshalb möchte der neue Leiter auch die Schau zur Geschichte der Juden überarbeiten – weg von der bisher textlastigen Ausstellung hin zu einer Sammlung mit mehr Bildern und Grafiken.

Seit dem 1. Januar hat der gebürtige Pinneberger die Leitung des Museums in der Prinzessinstraße übernommen. Er löst damit Dr. Christian Walda ab, der diese Position sechseinhalb Jahre inne hatte. Walda wechselt nach Schleswig auf die Schlossinsel und ist dort künftig für die Gemäldesammlung und das Kloster Cismar zuständig. Fleischhauer hat zuletzt das Volkskundemuseum in Schleswig geleitet. Dort hat er in einem viel größeren Team gearbeitet, doch er weiß die familiäre Atmosphäre in Rendsburg schon jetzt zu schätzen.

Fleischhauers großes Interesse an der geschichtlichen Dauerausstellung des Museums komme von seiner Arbeit in der sogenannten Provenienzforschung – so wird die Suche nach der Herkunft von Kunst genannt. „Seit 2013 habe ich diesen Bereich betreut.“ Dabei ging es auch um Raubkunst in den 30er- und 40er-Jahren. „Die Geschichte der NS-Zeit ist natürlich etwas, das hier im Museum immer mitschwingt.“ Die Studienzeit verbrachte Fleischhauer in Freiburg und Köln. Dort hat er seinen Magister in Kunstgeschichte, Philosophie und Geschichte gemacht. Seit zwölf Jahren arbeitet er bei der Stiftung Landesmuseum. Neben seiner Funktion als Museumsleiter ist er stellvertretender Direktor des Landesmuseums für Kunst- und Kulturgeschichte.

Das Jüdische Museum kennt der Kunsthistoriker sehr gut, die Stadt Rendsburg dagegen bisher nur wenig. Sein erster Eindruck: „Der Stadtteil Neuwerk ist wirklich toll.“ Noch wohnt der Museumsleiter mit seiner Frau in Schleswig, doch er könne sich vorstellen, irgendwann nach Rendsburg zu ziehen. Regelmäßiger Gast ist er im Landestheater, denn er ist ein großer Opernfan. In seiner Freizeit zieht es ihn auch oft an die Westküste. „Ich liebe das Wattenmeer“, sagt er.

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