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Landeszeitung

23. September 2017 | 02:30 Uhr

Jobsuche mit vielen Hürden

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Flüchtlinge dürfen erst nach drei Monaten ab Einreise arbeiten – brauchen aber eine Genehmigung / Was Unternehmen beachten müssen

shz.de von
erstellt am 19.Mai.2016 | 11:59 Uhr

Von der Flüchtlingswelle der vergangenen zwei Jahre versprechen sich viele eine Linderung des Fachkräftemangels auf dem Arbeitsmarkt. Tatsächlich besteht bei den Unternehmen das Interesse, Zuwanderer einzustellen. Was dabei zu beachten ist, erklärt die Mitarbeiterin im Büro des Landrats, Cora von der Heide, im Gespräch mit dem LZ-Redaktionsmitglied Tilmann Post.

Kann sich nicht jeder Flüchtling einfach einen Job suchen?

Nein. Ob ein Asylbewerber arbeiten darf, ist immer an seinen Aufenthaltsstatus geknüpft. In den ersten drei Monaten nach der Einreise ist es Flüchtlingen gar nicht erlaubt zu arbeiten. In den meisten Fällen befinden sich die Menschen in dieser Zeit noch in der Erstaufnahmeeinrichtung.

Gibt es keine Ausnahmen?

Doch, eine: Möglich sind Ein-Euro-Jobs im öffentlichen Sektor. Das betrifft zum Beispiel die Reinigung der eigenen Unterkunft. Diese Arbeit muss gemacht und eben auch mit einem Obolus wertgeschätzt werden.

Mit einem Rundbrief informiert der Kreis alle Ämter und Gemeinden über die Möglichkeiten, Asylbewerber sowie anerkannte und geduldete Flüchtlinge in den Arbeitsmarkt zu integrieren. Weshalb?

Landrat Dr. Rolf-Oliver Schwemer wird von Bürgermeistern und Amtsvorstehern immer wieder gefragt, wie Flüchtlinge in Arbeit gebracht werden können. Vor Ort ist das offenbar ein akutes Problem. Hintergrund ist das Interesse von Unternehmen an diesen Arbeitskräften. In den Gemeinden wird aber auch deutlich, dass es viele Flüchtlinge gibt, die nicht wissen, was sie tun sollen.

Unter welchen Voraussetzungen können Zuwanderer denn arbeiten?

Nach den ersten drei Monaten ist eine reguläre Erwerbstätigkeit ohne Wenn und Aber möglich – wenn die Ausländerbehörde zustimmt. Wenn ein Asylbewerber eine Stelle gefunden hat, setzen sich die Kollegen mit der Arbeitsagentur in Verbindung. Die prüft dann zunächst, ob es „arbeitsmarkt- und integrationspolitisch verantwortbar“ ist, dass gerade derjenige diese Stelle besetzt. Ob der Bewerber also auch wirklich in das Umfeld des Arbeitgebers passt. Dann folgt die Vorrangprüfung. Darin wird geklärt, ob es andere Bewerber gibt, die bereits länger auf eine entsprechende Stelle warten. Wenn die Agentur ihr Okay gibt, genehmigt in der Regel auch die Ausländerbehörde.

Müssen Arbeitgeber auch etwas tun?

Ja. Wenn der Kontakt zwischen Unternehmen und Asylbewerber zustande gekommen ist, muss der Arbeitgeber eine genaue Beschreibung der Stelle per Formblatt bei der Ausländerbehörde beim Kreis einreichen. Dann werden die Prüfungen angestoßen, die ich beschrieben habe. Das Formular gibt es beim Kreis und auf der Internetseite der Arbeitsagentur.

Wer Flüchtlinge beschäftigen möchte, muss sich also in jedem Fall an die Ausländerbehörde wenden?

Das ist immer sinnvoll. Die Vorrangprüfung fällt übrigens ab dem 16. Monat nach Einreise weg. Und wer eine Aufenthaltserlaubnis durch Bewilligung des Asylantrags erhält, darf ohne Einschränkungen arbeiten, das heißt auf eigene Faust nach freien Stellen suchen und diese annehmen.

Und wer hat keine Chance auf Beschäftigung?

Das betrifft Menschen aus sicheren Herkunftsländern, also aus EU-Mitgliedstaaten, vom Balkan, Ghana und Senegal. Sie haben keine Bleibeperspektive und erhalten deshalb keinen Zugang zum Arbeitsmarkt. Das gilt auch, wenn sie zeitweise zum Beispiel aus Krankheitsgründen geduldet werden.

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