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Oldenbüttel : Jetzt müssen nur noch Boote kommen

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Gieselauschleuse seit vergangenem Freitag wieder in Betrieb, aber unter Schiffseignern hat sich das noch nicht herumgesprochen.

Noch liegt sie oft still da, die Gieselauschleuse in Oldenbüttel. Und das, obwohl sie seit vergangenem Freitag wieder in Betrieb ist. „Viele haben noch nicht mitbekommen, dass sie wieder genutzt werden kann“, erzählt Wolfgang Jens, einer von zwei Schleusenaufsehern. Seit Anfang November war das Bauwerk, das Nord-Ostsee-Kanal und Eider miteinander verbindet, geschlossen. Schon bei einer Bauwerksinspektion im Jahr 2008 waren einige Schäden festgestellt worden, die nun beseitigt wurden. Dabei handelte es sich unter anderem um Korrosionsschäden im Wechselwasserbereich an den Spundwänden und den beiden Schleusentoren. „Die Schäden sind repariert und wir haben den sogenannten‚Brücken-TÜV‘ bekommen“, freut sich Wolfgang Jens, dass es nun wieder losgehen kann. Einige Zeit stand das in Frage – es war sogar eine dauerhafte Schließung der Schleuse im Gespräch.

Das ist nun erst einmal vom Tisch – und die Bootseigner finden allmählich wieder den Weg in den Gieselaukanal. „Am vergangenen Wochenende haben viele angerufen und nachgefragt, ob die Schleuse wieder in Betrieb ist“, erzählt Michael Jens, ebenfalls Schleusenaufseher und Bruder von Wolfgang Jens. „Bevor sie sich auf den Weg machen, wollen sie eben sichergehen, dass sie hier auch durchkommen.“ Pro Jahr haben die beiden Brüder durchschnittlich zwischen 1100 und 1200 Schleusungen. Dabei passieren rund 1800 Schiffe die knapp 70 Meter lange und neun Meter breite Schleuse. „In der Ferienzeit im Sommer kommen die meisten“, erzählt Wolfgang Jens. „Dann sind auch viele internationale Boote dabei, beispielsweise aus den Niederlanden, Gibraltar oder den USA.“ Den gebürtigen Oldenbütteler überrascht das nicht: Für ihn ist die Eider mit ihren vielen Windungen und der schönen Natur rundherum ein echter Geheimtipp. „Der Nord-Ostsee-Kanal hingegen geht doch nur geradeaus“, sagt er und zwinkert.

An seinem Job mag Jens vor allem, dass er sich viel in der freien Natur aufhalten kann – rund um die Schleuse ist sie besonders idyllisch. Und doch kann so ein Arbeitstag auch sehr anstrengend werden. So müssen die Aufseher bei ihrer Arbeit auch den Schiffsverkehr im Nord-Ostsee-Kanal im Blick behalten. „Wenn im Kanal ein dicker Pott die Einmündung des Gieselaukanals passiert, kann ich hier nicht einfach die Schleusen öffnen, weil uns durch die großen Schiffe so viel Wasser aus dem Gieselaukanal gezogen wird, dass der Pegel um ein bis 1,50 Meter sinkt.“ Auf einem Bildschirm hat die jeweilige Aufsicht deshalb auch das Geschehen auf dem Nord-Ostsee-Kanal im Blick.

„Und das ist ja noch lange nicht alles“, sagt Wolfgang Jens, der bei den Begegnungen mit den vielen Menschen eine Menge erlebt. „Es gibt Leute, die ganz blauäugig einfach lossegeln. Die wundern sich dann, wenn ihnen plötzlich der Diesel ausgeht oder sie nichts mehr zu essen haben.“ Brötchen oder Treibstoff werden an der Schleuse aber nicht verkauft. „Und manchmal ist man auch Seelsorger. So bat mich einmal ein Herr bei einem Problem um Hilfe. Als ich ihm zu seinem Boot gefolgt war, sagte er, dass seine Frau ihn von Bord geschmissen hat. Er fragte, ob ich für ihn ein gutes Wort einlegen kann. Da bin ich dann unverrichteter Dinge umgedreht. Ich bin ja kein Eheberater“, sagt Wolfgang Jens lachend. Und doch freut er sich darauf, dass er nun nach sieben Monaten Pause bald wieder mehr Trubel an der Schleuse hat.

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erstellt am 09.Jun.2016 | 09:57 Uhr

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