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Kinder an die Macht : „Jerry Town“ trotzt dem Regen

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Pizzaservice, Zeitung und Handwerksbetriebe haben ihre Arbeit im Innenhof des Hohen Arsenals aufgenommen: Eine Woche lang arbeiten und regieren hier 200 Kinder in ihrer eigenen Stadt.

Trotz strömenden Regens nimmt beim Eröffnungstag von „Jerry Town“ alles seinen Lauf. „Nur ein Gewitter könnte uns stoppen“, sagt Organisationschef Matthias Gröning. Vom Wetter unbeeindruckt sind die knapp 200 Bürger in der Kinderstadt in Aktion: In der Schmuckschmiede werden Ohrringe, Armbänder und Ringe hergestellt. In der Pizzawerkstadt fertigen die Bäcker Pizzen zum Mitnehmen. Auch ein Lieferservice wurde hier auf Vorschlag eines jungen Mitarbeiters eingerichtet. Den nächsten Schritt will der fortschrittliche Betrieb mit der Installation eines Drive-In machen.

Allerdings hat nicht jeder Einwohner von „Jerry Town“ einen Job. Die Arbeitsverhältnisse sind auf einen halben Tag befristet. „Heute morgen hab ich noch beim Bauhof gearbeitet, doch aktuell bin ich arbeitslos“, bekennt ein Stadtbewohner. Aber auch für die Arbeitssuchenden gibt es eine passende Anlaufstelle: „Ich gehe zur Arbeitsagentur und bewerbe mich auf offene Stellen“, so der ehemalige Bauhof-Angestellte.

Die jungen Teilnehmer üben sich eine Woche lang in Selbstorganisation und Demokratie. So entscheiden sie, welche Waren sie in ihren Betrieben herstellen und setzen auch die Preise selbst fest. Aber nicht nur in wirtschaftlicher, sondern auch in politischer Hinsicht sind die Kinder aktiv und „bestimmen über das Wohl und Wehe der Stadt“, wie es Gröning formuliert. So entbrennt gleich am ersten Tag ein hartes Rennen um den begehrten Posten des Bürgermeisters. Wie die Erwachsenen nutzen dabei auch die jugendlichen Kandidaten alle Mittel, um die Wahl für sich zu entscheiden – von Wahlplakaten über Anzeigen in der stadteigenen Zeitung „Jerry News“ bis hin zu Fernsehwerbespots.

Der Wahlkampf bietet darüber hinaus auch Anlass für Spekulationen über einen möglichen ersten Skandal in der Kinderstadt. So sind auf den Wegen zwischen den Zelten Gerüchte über einen Bürgermeister-Kandidaten zu hören, der Wahlkampf-Spendengelder in eine Großbestellung beim Pizza-Lieferservice investiert haben soll. Doch die Polizei von „Jerry Town“ präsentiert sich auf Nachfrage zugeknöpft, so dass keine Einzelheiten über den Fall zu erfahren sind. Bekannt wurde hingegen kurz vor Redaktionsschluss, wer die Bürgermeisterwahl für sich entscheiden konnte. Nico Hinz verbuchte 85 Prozent der abgegebenen Stimmen für sich. Die Wahlbeteiligung lag bei 65 Prozent.

Ab heute sind auch externe Besucher in der Stadt willkommen. Für einen Euro können sie sich von den Bewohnern durch die Stadt mit ihren rund 30 Institutionen und Betriebe führen lassen. Der auf diese Weise bis zum Ende der Woche erwirtschaftete Erlös wird an eine soziale Einrichtung gespendet. Über den genauen Bestimmungszweck des Geldes werden – ganz der Philosophie des Projekts folgend – die Kinder entscheiden.

 

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