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Kunst aus Stoff : Jeder Quilt hat seine eigene Geschichte

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Kropper Gruppe näht in jeder freien Sekunde - ganz unter dem Motto „Ich hänge an der Nadel und brauche ständig neuen Stoff“.

Mit bunten Steppdecken, die aus alten Stoffresten zusammengenäht wurden, haben die Handarbeiten der Kropper Quiltlinge wenig gemein. Es sind vielmehr kleine Kunstwerke, die die acht Frauen über Stunden, ja manchmal sogar Monate mithilfe von Nadel und Faden erschaffen. Die 2006 gegründete Patchwork-Gruppe, deren Name sich vom englischen Begriff für „steppen“ – to „quilt“ – ableitet, kommt an jedem zweiten Dienstag im Monat von 15 bis 18 Uhr im Forum zusammen, um sich gegenseitig zu inspirieren und mit Tipps und Tricks zu helfen. Dort hängt übrigens einer ihrer Wandteppiche, den sie in gemeinsamer „Fließbandarbeit“ fertig gestellt hätten, wie Karin Schulze scherzhaft sagt. Auch im Trauzimmer der Gemeinde hingen mehrere ihrer Kunstwerke aus Spitze und Satin. Doch nachdem das Zimmer Büros weichen musste, „habe ich sie vorerst zu mir nach Hause genommen“, erklärt Karin Schulze. Dort werden sie solange gelagert, bis das Trauzimmer im neuen Rathaus fertig ist.

Auf ihren Treffen geht es lebhaft und gesellig zu. Beim jüngsten gibt es zudem etwas zu feiern: Ingrid Schönke-Derner ist gerade 70 Jahre alt geworden und gibt eine Runde Kuchen aus – im Gegenzug darf sie sich zu ihrem runden Geburtstag traditionell einen Wandteppich von den anderen Frauen wünschen. Das Motiv darf sie sich aussuchen: Häuser sollen es sein. Den Hintergrundstoff besorgt sie, die restliche Gestaltung übernehmen die sieben Mitstreiter – jede für sich. „So entstehen ganz individuelle Dinge, die sonst keiner hat“, erklärt Karin Schulze. Dabei sei es immer vom Stoff abhängig, was herauskäme, fährt sie fort. Denn ein Quilt besteht meist aus drei zusammengenähten Stofflagen. „Wir haben alle unsere eigene Stoffsammlung, tauschen aber auch untereinander“, erklärt sie. Dazu passend haben sie sich das Motto ausgesucht: „Ich hänge an der Nadel und brauche ständig neuen Stoff.“ Zwar werfen sie kaum Jeanshosen weg, sondern machen daraus Taschen oder Stofftiere, dennoch bestehen moderne Quilts selten aus Resten alter oder kaputter Kleidungsstücke. „Heute gibt es eine ganze Patchwork-Industrie und mehrmals im Jahr gibt es neue Stoffe“, erklärt Schulze. In letzter Zeit seien diese relativ teuer geworden, „denn die Baumwollpreise sind gestiegen“. Zudem färben sie Stoffe selber, bemalen sie oder lassen sogar Fotos darauf drucken. Daraus entstehen dann Wandteppiche, Bett-Quilts, Babydecken, Taschen, Kuscheltiere. Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt. Karin Schulze mag es besonders kreativ, probiert gern Neues aus und verwendet unterschiedlichste Stoffe, Applikationen, Perlen und Pailletten. Dabei hat jedes Muster einen eigenen Namen – hinter dem Namen „Windmill“ verbergen sich etwa vier Stoffdreiecke, die wie Flügel einer Windmühle aussehen. Ideen sammelt jede für sich in einem Notizbuch, das in Stoff eingeschlagen ist.

Die acht Frauen nähen nicht nur für Familie und Freunde, sondern auch für den guten Zweck. So haben sie schon Quilts verlost und die Einnahmen gespendet. Neuerdings haben sie sich Schnittmuster für Elefanten und Giraffen rausgesucht, um kleine Kuscheltiere zu nähen, die kranken Kindern bei der Genesung helfen sollen. Die Bandbreite der Arbeiten ist sehr groß. Die eine mag es traditionell, die andere tobt sich gern aus. Manche nähen per Hand, andere an der Nähmaschine. „Dabei schiebt man den Stoff frei herum, so dass die Stiche nicht immer gleich lang sind“, erklärt Schulze. Wer es gleichmäßig haben möchte, dem hilft entweder Erfahrung und eine ruhige Hand – oder ein Sensor, der auf die Bewegung des Stoffes reagiert und automatisch die Geschwindigkeit der Nadelbewegung anpasst. Man muss also kein Profi sein, um Quilten zu können. „Wer eine gerade Naht hinkriegt, kann gern kommen.“


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erstellt am 16.Feb.2017 | 11:12 Uhr

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