„Jeder kann sich entscheiden – immer“

Erst Freundinnen, dann Gegnerinnen: Sophie Scholl (Nina Mohr, li.) und Traudl Junge (Katrin Schlomm).
Erst Freundinnen, dann Gegnerinnen: Sophie Scholl (Nina Mohr, li.) und Traudl Junge (Katrin Schlomm).

Mit Gänsehaut-Effekt: Widerstandskämpferin Sophie Scholl und Hitler-Sekretärin Traudl Junge begegnen sich auf der Bühne

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05. November 2013, 12:00 Uhr

Sie haben sich nicht gekannt. Aber möglich wäre es gewesen. Denn Sophie Scholl (geboren 1921) und Traudl Junge (geboren 1920) wachsen beide mit Hitler-Parolen in Süddeutschland auf. Aber unterschiedlicher hätten zwei Lebenswege kaum verlaufen können. Warum wird die eine Widerstandskämpferin und die andere Privatsekretärin von Hitler? Fragen von Schuld und Verantwortung thematisiert „Sophie und ich“, das in der Reihe „Junges Theater“ jetzt an den Rendsburger Kammerspielen Premiere hatte.

Eine Stehlampe, Schreibmaschinen und Papierberge sind die wenigen Requisiten. Mehr braucht es auch nicht, denn Nina Mohr (Sophie) und Katrin Schlomm (Traudl) lachen und streiten lebensecht und packend. Anfangs sind sie 16 Jahre alt, turnen beim BDM (Bund deutscher Mädchen) und träumen von einer Zukunft in Freiheit und von unbegrenzten Möglichkeiten. Aber mit dem Krieg holt sie eine frustrierende Realität ein. Traudl darf nicht Tänzerin werden, sondern muss weiter Briefe tippen. Sophie muss arbeiten statt zu studieren.

Auf die Frage, warum sie Flugblätter verteilt, antwortetet Sophie: „Man muss etwas tun, um keine Schuld auf sich zu laden.“ Traudl versteht sie nicht, fühlt sich geborgen beim Führer. Was von diesen beiden Personen der Zeitgeschichte bekannt ist, wurde hier in knappen Sätzen auf eine Stunde verdichtet. Einige der Szenen auf der Landestheater-Bühne gehen unter die Haut. Andere – wie die rockigen Rhythmen mit der Luftgitarre – wirken deplatziert, sind wohl ein Zugeständnis an die junge Zielgruppe. Doch vielleicht irritieren sie auch nur ältere Semester. Unter dem Strich bleibt jedenfalls: Gute Inszenierung, tolle Schauspielerinnen. Und eine nachdenkliche Botschaft: „Jeder kann sich entscheiden – immer.“

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„Sophie und ich“ von Ursula Kohlert

> Als mobile Produktion buchbar unter

Telefon 04621/9670-38.

> Weitere Termine jeweils 19.30 Uhr:

8. und 28. Nov. in Schleswig, TraumInsel

20. Nov. Rendsburg, Kammerspiele.

> Infos: www.sh-landestheater.de

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