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Landeszeitung

17. August 2017 | 19:49 Uhr

Jeden Tag im Ring mit „Rocky“

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Stefan Leonard wuchs in Schacht-Audorf auf und gehört zum Ensemble am Operettenhaus / Musical nach dem gleichnamigen Film

Die Konkurrenz ist groß. Gute Schauspieler gibt es viele. Dennoch war für Stefan Leonard klar: „Ich möchte Schauspieler werden.“ Er hat sich seinen Traum erfüllt. Mehr noch: Er ist erfolgreich. Unter den 4000 Bewerbern für die Weltpremiere des Musicals „Rocky“ in Hamburg war er unter jenen 40, die angenommen wurden, berichtet er stolz.

Es ist 17 Uhr. Ganz entspannt erscheint Stefan Leonard in der Keller-Kantine des Operettenhauses. In 90 Minuten hebt sich der Vorhang für die Vorstellung. Doch innerhalb von zweieinhalb Jahren ist vieles Routine geworden. „Nein, aufgeregt bin ich nicht“, lächelt der 41-Jährige. Bei so langem Engagement für ein Stück sei es eher wichtig, „dass alles frisch bleibt, man die Rolle nicht nur abnudelt“. Er ist für das Musical schon in zahlreiche Rollen geschlüpft. An diesem Abend ist Stefan Leonard einer der Hauptdarsteller. Er wird Paulie spielen, den Freund von Boxer Rocky.

„Seit ich denken kann, habe ich mich gerne verkleidet“, gesteht Leonard. Ganze Hörspiele hat er nachgespielt. Geboren in Rendsburg und aufgewachsen in Schacht-Audorf besuchte er dort die Grund- und Gemeinschaftsschule. Den Eltern war der Berufswunsch ihres Sohnes suspekt. Statt „brotloser Kunst“ sollte er erst einmal etwas anständiges Lernen. Er machte daher eine Ausbildung zum Großhandelskaufmann. Doch schon zu diesem Zeitpunkt wusste Leonard: „Diesen Beruf kann ich nicht mit Herz ausüben“. Er wagte den Schritt nach Hamburg („Wenn ich es nicht versuche, werde ich es ewig bereuen“), besuchte ab 1995 das Bühnenstudio der darstellenden Künste und verließ es 1998 mit einem Abschluss. Da er auch schon immer gerne gesungen hat, absolvierte er zusätzlich noch eine Gesangsausbildung.

Es wird Zeit. Stefan Leonard muss sich für den Auftritt aufwärmen. Noch spaziert kein Publikum durch die Gänge. Statt dessen trainiert ein Kollege mit dem Springseil. Leonard hat eine acht Kilo schwere Hantel mitgebracht, eine sogenannte Kettlebell, und stemmt sie beidhändig hoch. „So fit war ich noch nie“, lacht der 1,80 Meter große Mann, der auf seiner Job-Homepage auch Kenntnisse im Fechten und Badminton angibt. Schauspielern ist anstrengend. Was das Publikum im Operettenhaus selten sieht: Viele Akteure übernehmen mehrere Rollen bei teilweise zwei Shows am Tag. „Ich geh’ ab, zieh’ mich um, trete auf“, beschreibt der 41-Jährige seinen Job und grinst: „Ich bin Viele“.

Doch auch sonst demonstriert Leonard seine Wandlungsfähigkeit. Er führt Regie, arbeitet als Synchronsprecher und wird fürs Fernsehen als nordischer Typ gebucht („Die Rettungsflieger“, „Gegen den Wind“). Seit 2002 bietet Stefan Leonard zudem Schauspiel-Coaching an und freut sich, wenn ein Kollege danach einen Job erhält. Seine eigene Schauspiel-Vita beginnt 1995 mit der Rolle des Pagen in „Maria Stuart“ am Schleswig-Holsteinischen Landestheater. Es folgen Engagements, die ihn von Hamburg über Hannover und Kassel bis ans Westfälische Landestheater nach Castrop-Rauxel führen. Er tritt in vielen Kinderstücken auf – was ihn für den „Kleinen Störtebecker“ am Schmidt Theater prädestiniert, wo er über Ostern auch zu sehen ist.

Erst einmal muss er aber in den Boxring. Nach der Anfangsszene in „Rocky“ erhält er in der Maske einen kleinen Schnauzbart. Nun ist er Paulie, den er beeindruckend spielt. Seine Eltern haben das Stück natürlich gesehen, auch viele ehemalige Schulkameraden konnten sich davon überzeugen, dass der Schacht-Audorfer in seinen Traumberuf eine gute Figur macht. Ein Traumberuf – auch wenn er unangenehme Seiten hat. Das sei in erster Linie die Suche nach einem neuen Job, so der Schauspieler. Die beginnt jetzt wieder, denn im August fällt in Hamburg der Vorhang für „Rocky“. „Wer weiß, wo mich der Beruf jetzt hinführt“, sagt Stefan Leonard.

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erstellt am 01.Mär.2015 | 20:33 Uhr

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