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Nienlanden : Jeden Tag blitzt es an anderer Stelle

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Der Messtrupp des Kreises Rendsburg-Eckernförde kontrollierte gestern in Nienlanden: 30 000 Fahrer gehen jährlich ins Netz.

shz.de von
erstellt am 11.Jun.2015 | 12:00 Uhr

Überraschung für Autofahrer in Nienlanden: Rund 70 von ihnen wurden gestern am Ortseingang mit einem roten Blitz begrüßt. Sie waren zu schnell gefahren und wurden prompt vom Messtrupp des Kreises dabei erwischt. Der „Spitzenreiter“ hatte 78 statt der erlaubten 50 Kilometer pro Stunde auf dem Tacho. Das wird den Fahrer 80 Euro kosten – dazu gibt es noch einen Punkt in der Verkehrssünderkartei in Flensburg.

Für die beiden Mitarbeiter Klaus Wannemacher und Dirk Möller war der Einsatz gestern eher beschaulich – die Radar-Anlage zählte insgesamt 480 Autos, Laster und Motorräder, die zwischen 7.30 und 13 Uhr den südlichen Ortseingang in beide Richtungen passierten. Einen Tag zuvor waren es an der Bundesstraße 76 in Eckernförde mehr als 2000 Fahrzeuge. Jeden Werktag blitzt ein Team der Kreisverwaltung an einer Bundes-, Landes-, Kreis- oder Gemeindestraße. Dafür steht ein Auto zur Verfügung, ein zweites wird gemeinsam mit der Polizei betrieben.

Damit waren Wannemacher und Möller gestern unterwegs. Am Nienlandener Ortseingang haben sie zuletzt vor zwei Jahren die Messanlage aufgestellt. „Wir blitzen an Gefahrenpunkten und an Stellen mit viel Verkehr“, sagte Wannemacher. Die Kreisstraße 66 in der Gemeinde Jevenstedt stand gestern auf dem Plan, weil dort häufig zu schnell gefahren werde, direkt an einer Siedlung. Erst letzte Woche habe ein Lastwagen eine Vollbremsung machen müssen, um ein Kind nicht zu überfahren, so Wannemacher.

Die beiden Kreisbediensteten haben ihr Blitzgerät 100 Meter hinter dem Ortseingang aufgestellt. „Die Distanz müssen wir einhalten, wenn die Geschwindigkeitsbegrenzung von 100 auf 50 Kilometer pro Stunde gesenkt wird. Innerorts, wenn Autos zum Beispiel von 50 auf 30 Kilometer pro Stunde abbremsen müssen, sind es nur 20 Meter“, erklärt Dirk Möller. Fünf Laserstrahlen erfassen bei dem Gerät die Geschwindigkeit, eine Digitalkamera löst bei Überschreitung aus. Das andere Modell macht Bilder mit einer Infrarotkamera – „die blitzt gar nicht“, so Klaus Wannemacher. An der gegenüberliegenden Straßenseite stand gestern ein zweites Gerät für den Verkehr in Richtung Nienkattbek. Beide Kameras übernehmen aber auch die Funktion, Temposünder von hinten zu fotografieren – auf diese Weise werden ebenfalls die Kennzeichen von Motorrädern erfasst.

Den größten „Fang“ hat das eingespielte Team einmal in Bovenau gemacht – ein Porsche war damals mit 114 Kilometern pro Stunde im Ort unterwegs. Wannemacher und Möller sehen sich aber nicht als Jäger. „Wir stellen uns auf, wo es nötig ist“, sind sich die beiden einig. Wie viele Fahrer dann geblitzt werden, sei zweitrangig. Es liege bei jedem selbst, sich an die Geschwindigkeitsbegrenzung zu halten. Deshalb haben sie auch nichts dagegen, wenn im Radio und in sozialen Netzwerken vor ihnen gewarnt wird. Schließlich gehe es letztlich um die Verkehrssicherheit. In manchen Fällen sei er „aber schon angenagt“, räumt Klaus Wannemacher ein, weil Schnellfahrer aus dem Ausland nicht belangt werden können. „Zum Beispiel, wenn so ein Lastwagen mit 70 durch eine Tempo-30-Zone fährt – und wir können nichts machen.“

Im Gegensatz zur Polizei sind die Messtrupps vom Kreis immer zu zweit unterwegs. Denn viele Autofahrer halten an, wenn es geblitzt hat. Manche haben schon der Kamera einen Tritt versetzt oder sind den Mitarbeitern gegenüber ausfällig geworden. „Die meisten sind aber freundlich und wollen wissen, ob sie eine Strafe erwartet“, sagte Wannemacher. Eine Fahrerin, erzählte er, sei einmal völlig aufgelöst zu ihnen gekommen. Als er ihr erklärt habe, dass sie nur eine geringe Verwarnung zu erwarten habe, sei sie sehr erleichtert gewesen.

Im vergangenen Jahr hat der Kreis bei 377 Einsätzen das Tempo von mehr als 248  000 Fahrzeugen kontrolliert. In fast 30  000 Fällen war es zu hoch. Damit nahm der Kreis rund zwei Millionen Euro ein.

Klaus Wannemacher und Dirk Möller werden nach Nienlanden zurück kehren. Orte, in denen mehr als zehn Prozent der Fahrer zu schnell sind, bleiben auf der Liste. Es kann aber dauern, bis sie dort wieder die Messgeräte aufstellen. Denn sie müssen viele Straßen im Kreis im Blick behalten.

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