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Kinderschutz : Jede Zahl steht für ein Schicksal

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Die Zahl vernachlässigter Kinder im Kreis Rendsburg-Eckernförde ist hoch. Dies geht aus dem Kinderschutzbericht hervor. Oft sind die Eltern mit der Erziehung und der Betreuung ihrer Kinder schlichtweg überfordert.

Wenn eine Familie oder eine Schwangere in Schwierigkeiten gerät, sind Kinder gefährdet – auch schon die ungeborenen. Sobald diese prekäre Situation bekannt wird, muss sich ein „Schutzengel“ auf den Weg machen – innerhalb von 48 Stunden. So sieht es das so benannte Hilfsprojekt vor. Im Jahr 2013 waren die segensreichen „Engel“ im Kreis Rendsburg-Eckernförde in 56 Fällen im Einsatz. Diese Zahl geht aus dem Kinderschutzbericht 2013 vor, den das Kreisjugendamt jetzt vorgestellt hat.

Das Deckblatt der 34-seitigen Veröffentlichung zeigt ein Foto mit zwei lachenden Mädchen, die ausgelassen an einem Spielgerät turnen. Doch der Inhalt des Berichts dokumentiert eine düstere Bilanz. Diplom-Pädagogin Wiebke Schmitz hat in der „Koordinierungsstelle Kinderschutz“ des Kreises alle Daten und Fakten zusammengetragen, die mit dem Schutz von Kindern und Jugendlichen zu tun haben. Bereits seit 2009 wird jährlich eine derartige Dokumentation vorgelegt. „Ziel des Berichtes ist es, Jugendamt und Politik bessere Grundlagen für ihre Entscheidungen zu liefern“, sagt Norbert Schmidt, der Leiter des Fachbereichs Jugend und Familie im Rendsburger Kreishaus. „Nur so können wir Angebote machen, die auch greifen.“

Die Analyse beleuchtet mit dem „Schutzauftrag bei Kindeswohlgefährdung“ gleich zu Beginn den wohl schwierigsten Punkt. Jeden Tag klingelt das Telefon im Jugend- und Sozialdienst. Nachbarn, Polizisten oder Ärzte berichten von Kindern, denen es nicht gut geht. Die wehrlosen Opfer werden sexuell missbraucht, vernachlässigt, geschlagen unter Druck gesetzt. Insgesamt 456 solcher Anrufe listet der Bericht auf. Im Jahr 2012 waren es 493 Hinweise. „Die Anzahl der Meldungen ist seit 2010 kontinuierlich gesunken“, weiß Norbert Schmidt. Dennoch gebe es keinen Grund zu einer positiven Bewertung. Die Zahl liege generell auf einem hohen Niveau. Und jeder Fall sei natürlich einer zu viel. „Hinter diesen Zahlen stehen Schicksale.“

In 64 Fällen bestätigte sich der Verdacht der Meldung von Kindeswohlgefährdung. Es bestand teilweise sogar akute Gefahr. Es mussten so genannte Schutzmaßnahmen eingeleitet werden, das heißt, das Kind kann auch ohne Einwilligung der Eltern aus der Familie genommen werden. Dies war bei 13 Kindern notwendig, die in Obhut gegeben werden mussten. Außerdem zeigte sich in 187 Fällen, dass zwar keine leibliche Gefährdung der Kleinen vorlag, die Familien aber Hilfe benötigen, um die Erziehung der Söhne und Töchter sicherzustellen. „Bei über der Hälfte der Anrufe war also etwas dran“, fasst Norbert Schmidt zusammen.

Der Kinderschutzbericht listet aber nicht nur statistisches Material auf. In einem zweiten Teil wird dargestellt, wie auf die Situation reagiert wird und welche Hilfen für belastete Eltern zur Vergung stehen. Als besonders wertvoll werden die drei Familienhebammen gelobt, die seit Oktober 2013 Eltern helfen, die Bedürfnisse des Säuglings zu erkennen. Der Bedarf an Hilfe besteht vor allem für sehr junge Mütter, die sich überfordert mit der neuen Situation fühlen. Auch bei einer Mehrlings- oder Frühgeburt oder einem so genannten „Schreikind“ brauchen die Eltern Entlastung. Ebenso sind Alleinerziehende auf Unterstützung und Ermutigung angewiesen. Kommen dann noch eine psychische Belastung oder Erkrankung eines Elternteils, soziale Isolation der Familie und eine finanzielle Notlage hinzu, sind die Grenzen der Kraft erreicht. In diesen Situationen geben die Familienhebammen Halt, verhindern Agressionen gegen das Baby und sorgen dafür, dass auch die Mutter einmal bemuttert wird.

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erstellt am 26.Mai.2014 | 13:03 Uhr

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