Jahrmarkt statt „Maritimes Viertel“

Ein 30 Meter hohes Riesenrad ist die Hauptattraktion des Sommerjahrmarktes am Obereiderhafen. Eigentlich sollten hier seit Ende Juni Bauarbeiter am neuen maritimen Viertel werkeln.
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Ein 30 Meter hohes Riesenrad ist die Hauptattraktion des Sommerjahrmarktes am Obereiderhafen. Eigentlich sollten hier seit Ende Juni Bauarbeiter am neuen maritimen Viertel werkeln.

Obereiderhafen-Investor wollte bis Ende Juni mit Bauarbeiten beginnen / Bürgermeister mahnt Fortschritte bis zum Ende der Sommerferien an

shz.de von
03. Juli 2015, 11:15 Uhr

Die selbst gesetzte Frist ist vor drei Tagen verstrichen. Bis Ende Juni sollten die Bauarbeiten für das maritime Viertel am Obereiderhafen beginnen. Das hatte der Investor Antan Recona aus Bad Nauheim in einer Presseerklärung vom 2. September 2014 verkündet. Doch statt zahlreicher Bagger stehen Karussells und Imbissbuden des Sommerjahrmarktes auf dem Gelände. Hinter den Kulissen diskutieren Anwälte über die Zukunft des Obereiderhafens – und in der Politik wächst die Unzufriedenheit über die Situation.

Denn derzeit ist nicht erkennbar, wie es weitergehen soll. Das letzte offiziell bestätigte Treffen zwischen Vertretern der Stadt und den Firmen Antan Recona und ACO gab es am 18. April in Kiel. Es soll konstruktiv verlaufen sein, doch in den vergangenen zwei Monaten hat man nichts mehr von den Investoren gehört. „Wir sind unglücklich darüber, dass es seitdem keinen Fortschritt gibt“, sagt Guido Schwartze, bei ACO zuständig für das Immobilienmanagement. Von Antan Recona gab es auf die Fragen unserer Zeitung keine Reaktion.

ACO ist ein bedeutender Akteur in der Debatte, weil sich die Fabrikationsanlagen des Unternehmens unweit des Obereiderhafens befinden. Der Knackpunkt in den Verhandlungen sind weiterhin die Wohnungen, die Antan Revona schaffen will. Nach Auffassung von ACO geht von ihnen eine Gefahr für die Fabrikation aus. Die Überlegung: Die neuen Bewohner könnten sich vom Fabriklärm gestört fühlen und dagegen klagen. Sollten sie Recht bekommen, könnte das für ACO mit Einschränkungen für den Geschäftsbetrieb verbunden sein. Das will die Firma mit Hinweis auf den Erhalt der Arbeitsplätze verhindern. Doch für Antan Recona hat – neben der Errichtung eines Gesundheitszentrums – der Bau der Wohnungen Vorrang. Das wäre eine Erfolg versprechende Möglichkeit, um einen Teil der über 30-Millionen Euro-Investition zügig refinanzieren zu können. Doch eine Lösung gegen ACO dürfte kompliziert werden. Sollte die Stadt Rendsburg den Bau von Wohnungen im großen Stil genehmigen, könnte ACO möglicherweise klagen. Das Verwaltungsgerichtsverfahren dürfte mindestens ein Jahr dauern. Dennoch: In der Rendsburger Politik mehren sich die Stimmen, dass man das notfalls in Kauf nehmen müsste, um überhaupt einen Fortschritt zu erzielen. Ein einflussreicher Kommunalpolitiker gegenüber der Landeszeitung: „Theoretisch könnten wir im zweiten Halbjahr Baurecht schaffen. Wer dann klagen will, soll klagen.“

Es gibt noch eine andere Möglichkeit, quasi einen „Plan B“. Nach Informationen von Insidern sondiert man im Rathaus, ob möglicherweise andere Investoren zum Zuge kommen könnten. Bürgermeister Pierre Gilgenast bezeichnet das zwar als „spekulativ“ und hält an Antan Recona fest, nicht zuletzt wegen eines entsprechenden Ratsbeschlusses. Dennoch können sich die Bad Nauheimer nicht auf Dauer auf die Unterstützung des Verwaltungschefs verlassen. Gilgenast: „Unsere Geduld hat Grenzen, weil es sich hier um ein für uns sehr wichtiges städtisches Entwicklungsprojekt handelt.“ Bis zum Ende der Sommerferien wolle er im weiteren Verfahren „erkennbare Fortschritte sehen“.

Bisher gibt es nicht einmal einen unterschriebenen Kaufvertrag. Und das dürfte noch dauern, was nicht verwunderlich wäre. In der Politik ist man sicher, dass Antan Recona die 1,8 Millionen Euro für das Areal erst bezahlen wird, wenn die Firma sicher sein kann, was auf dem Grundstück gebaut werden darf.

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