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Nach Feuer in Schleswig : Ist Hertie eine Gefahr für die Rendsburger Innenstadt?

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Nach der Brandstiftung in Schleswig tauchen auch in Rendsburg Fragen auf: Wie sicher ist das ehemalige Kaufhaus am Altstädter Markt? Hier gibt es keinen Strom, die Sprinkleranlage funktioniert nicht und an eine automatische Alarmierung ist nicht zu denken.

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erstellt am 08.Okt.2013 | 12:55 Uhr

Rendsburg | Der Schrecken reicht bis nach Rendsburg. Gestern richteten Brandstifter in der Schleswiger Innenstadt immensen Schaden an. Sie zündelten im Schleicenter, fackelten auf einem Sparkassen-Parkplatz acht Fahrzeuge ab und steckten das verlassene Hertie-Gebäude in Brand. Das Feuer wurde nach den bisherigen Erkenntnissen gegen 6 Uhr im Gebäude gelegt.

Kann so etwas auch in der Rendsburger Innenstadt passieren? Wie gut ist das leerstehende Gebäude am Altstädter Markt eigentlich gesichert? Gibt es Sprinkler, Rauchmelder, eine direkte Verbindung zur Feuerwehr? Sebastian Mogos-Lindemann, von den Eigentümern mit der Vermarktung der Immobilien beauftragt, verweist für diese Detailfragen auf das in Düsseldorf ansässige Unternehmen CBGA Management, das alle Hertie-Immobilien betreut. Die Antwort dort ist ebenso eindeutig wie kurz: Es gibt keine öffentlichen Auskünfte. Und auch keine Erklärung für das Schweigen.

Eine gute Nachricht kommt immerhin von den Rendsburger Stadtwerken. „Das Gebäude bezieht keinen Strom mehr. Deshalb kommt ein Schaden wegen eines Defekts in der Elektrik auch nicht in Frage“, sagt Kenneth Clausen, zuständig für Vertrieb und Marketing. Diese Botschaft hört sich zunächst ganz positiv an, hat aber auch einen Haken. „Ohne Strom keine Sprinkleranlage und keine Alarmaufschaltung direkt in der Feuerwache“, sagt Sönke Brandstädter von der Rendsburger Feuerwehr. Es gebe zwar noch ein Brandschutzkonzept, wie es für jedes Haus mit Publikumsverkehr Vorschrift sei – das aber stamme aus der Zeit, als das Kaufhaus noch geöffnet war. An der Rückseite des Gebäudes gibt es noch eine Tür mit der Aufschrift „Sprinklerzentrale.“ Dahinter verberge sich auch die Meldeanlage, weiß Brandstädter. Dass beide aber noch in Betrieb sind, ist schon wegen der fehlenden Stromversorgung ausgeschlossen. „Abgesehen davon müssen die Systeme regelmäßig gewartet werden“, sagte Brandstädter. „Und das kostet Geld.“

Mit anderen Worten: Wenn es in dem großen Gebäudekomplex einmal brennen sollte, wäre die Feuerwehr darauf angewiesen, von Anwohnern und Passanten alarmiert zu werden. Dass Sprinkler und direkte Alarme nicht mehr gepflegt und abgeschaltet werden, ist übrigens legal. Das Haus steht leer und wird nicht mehr benutzt. Für die Eigentümer bestehen in dieser Hinsicht keine Pflichten mehr.

Angesichts der dichten Bebauung in der Altstadt bezeichnete Bauamtsleiter Frank Thomsen die Situation als „unglücklich“. Man habe sich im Rathaus bereits mit dem Thema beschäftigt. Das Baurecht gebe der Stadt allerdings keine Handhabe, Forderungen zu stellen. „Wenn von der Immobilie selbst Gefahr ausginge, könnten wir eingreifen. Das aber ist nicht der Fall. Gegen Vandalismus und Brandstiftung gibt es keinen wirksamen Schutz.“

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