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Flüchtlinge besorgt : „Islam bedeutet Freiheit und nicht Terrorismus“

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Muslimischer Asylbewerber bezeichnet Anschläge in Paris als „grauenhaft“ und „unmenschlich“.

Mit großer Sorge verfolgt der 25-jährige Ramez Sarwary aus Afghanistan die Nachrichten über die Terroranschläge in Paris. Seit mehr als einem Jahr lebt der studierte Jurist in Deutschland. Vor kurzem wurde sein Asylantrag genehmigt, er hat bereits eine Wohnung in Rendsburg gefunden. Bei den Bürgern der Stadt ist Sarwary auf offene Türen gestoßen. Jetzt hofft er, dass die Rendsburger ihre Einstellung gegenüber Flüchtlingen beibehalten und sich nicht von den Ereignissen verunsichern lassen. Im Gespräch mit LZ-Mitarbeiterin Jana Walther spricht der gläubige Muslim über den Freiheitsgedanken seiner Religion und die Angst, vorschnell als Terrorist zu gelten.

 

Herr Sarwary, was ging Ihnen durch den Kopf, als Sie von den Ereignissen in Paris gehört haben?
Ich verfolge täglich die Nachrichten im Internet. Ich lese von den Anschlägen in meinem Heimatland Afghanistan, von den grauenhaften Taten der Terroristen überall auf der Welt. Dass auf einmal von Paris die Rede war, hat mich sehr verwundert. Ich war geschockt, wie viele unschuldige Menschen gestorben sind. Es ist grauenhaft und macht mich sehr sehr traurig.

Sie sind gläubiger Muslim. Was bedeutet dieses Ereignis für Sie persönlich – auch in Bezug auf Ihre Religion?
Die Männer, die für die Anschläge von Paris verantwortlich sind – das sind keine Muslime. Das sind Terroristen. Islam bedeutet Freiheit, nicht Terrorismus, und hat mit der Lebensweise dieser Männer überhaupt nichts zu tun. Unser Prophet Muhammad (s.) sagt, niemand hat das Recht, Menschen zu töten.

Augenzeugen berichten, dass einer der Attentäter angeblich „Allahu Akbar“ (Gott ist groß) gerufen hat, bevor er sich in die Luft sprengte. Haben Sie Sorge, dass die Menschen den Terrorismus in Verbindung mit dem Islam bringen?
Als ich von den Anschlägen gehört habe, habe ich gebetet, dass es nicht wieder vermeintliche Muslime sind. Ich möchte nicht, dass die Menschen denken, dass alle Muslime so sind. Ich möchte nicht, dass sie Angst vor uns haben. Aber es ist schwierig, man wird sehr schnell in eine Ecke gedrängt. Wir sind aber keine Terroristen. Ich merke aber schon, dass die Menschen anders mit einem umgehen – auch vor Paris. Am Flughafen wird man als Muslim zum Beispiel ganz anders behandelt.

Medienberichten zufolge könnten zwei der Attentäter als Flüchtlinge nach Europa gekommen sein. Haben Sie Angst, dass sich nun die Einstellung der Rendsburger gegenüber Flüchtlingen ändern könnte?
Ich hoffe, die Menschen lassen sich nicht beeinflussen. Ich hoffe sie sehen, dass wir genau vor solchen schrecklichen Menschen wie diesen Terroristen geflohen sind. Aber ja, ich glaube, dass die Leute nun anders mit mir umgehen werden – vielleicht misstrauisch und ängstlicher. Den Bürgern muss aber klar sein: Das war eine große Gruppe von Terroristen, sehr gut vernetzt. Wahrscheinlich haben sie das mehr als ein Jahr lang geplant. Und sie hätten so oder so einen Weg gefunden, um nach Europa zu kommen.

Was würden Sie den Menschen sagen, die sich ängstlich gegenüber dem Islam zeigen?
Für mich ist es immer schwierig, darauf zu reagieren, weil mein Deutsch noch nicht so gut ist. Es macht mich aber traurig, wenn ich es ihnen anmerke. Ich würde ihnen gerne sagen, dass es auch im Islam verboten ist, Menschen zu töten. Es ist auch verboten, Selbstmord zu begehen. Wir wollen in Frieden leben, genauso wie sie.

 

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erstellt am 17.Nov.2015 | 06:00 Uhr

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