zur Navigation springen
Landeszeitung

17. Dezember 2017 | 20:48 Uhr

Irrweg

vom

shz.de von
erstellt am 17.Aug.2013 | 07:26 Uhr

Die Premiere des Senats am Donnerstag verlief harmonisch. Anders als sonst gab es keine Grabenkämpfe zwischen den Parteien. Keiner der üblichen Verdächtigen spielte sich in den Vordergrund. Der Vorsitzende Thomas Krabbes führte souverän durch die ersten Sitzung des Gremiums, das als Scharnier zwischen den Ausschüssen und der Ratsversammlung bis vor kurzem noch Hauptausschuss hieß. Doch dann - die eine Hälfte der Presse hatte den Saal bereits verlassen - zog Krabbes doch noch eine Überraschung aus dem Ärmel: Er schlage vor, dass der Senat künftig zu "Klausurtagungen" außerhalb des Alten Rathauses zusammenkomme. Er denke an Arbeitstreffen ohne Tagesordnung, verbunden mit einer Übernachtung an einem Ort nicht weit entfernt von Rendsburg. Man müsse auch mal ungestört und ohne Zeitdruck über die wichtigen Themen der Stadt beraten können.

Dass Krabbes mit genau diesem Vorstoß im Juni bereits gescheitert war, schien plötzlich vergessen. Die Gemeindeordnung schreibt schließlich vor, dass eine Sitzung des Senats öffentlich zu sein hat. Dass sich das im Alten Rathaus oft auf die Anwesenheit der lokalen Pressevertreter beschränkt, spielt keine Rolle. Öffentlich heißt, dass zuschauen könnte, wer wollte.

Der Vorsitzende des Senats begibt sich also wieder in die Nähe des Strafraums. Lädt er zu solchen Treffen ein und schließt die Öffentlichkeit aus, verstößt er klar gegen die Gemeindeordnung. Vorausgesetzt, es geht bei diesen Treffen um Themen, die für die Stadt relevant sind. Aber was sonst soll es sein, wenn man sich verabredet, "um Ziele zu definieren, strategisch zu arbeiten und Visionen zu entwickeln", wie Krabbes es formuliert. Es geht um nichts anderes als um Rendsburg. Nicht um den Austausch von Kochrezepten. Thomas Krabbes Ziele mögen ihn ehren. Aber hier ist er auf dem Irrweg. Ein Mann von seinem Format sollte das erkennen. Ganz zu schweigen von der Frage, wer denn für die Übernachtungs- und Fahrtkosten bei einem "Workshop" zum Beispiel in Damp aufkommt. Doch wohl nicht etwa die Stadt?

Die hat derzeit nun wirklich andere Sorgen. Zum Beispiel das Problem, dass drei Großveranstaltungen vor der Tür stehen und keiner genau weiß, wie die Besuchermassen bei jeweils zur Hälfte gesperrten Kanal-Querungen in die Stadt (Rendsburger Herbst, Eon-Hanse Cup) oder aufs Norla-Gelände kommen sollen. Die Entscheidung, die im Sanierung befindliche Oströhre nicht vorzeitig freizugeben, war richtig. Wichtig ist aber auch, dass die Bürger endlich klar darüber informiert werden, wie lange sie denn noch mit Staus am Kanaltunnel zu rechnen haben. Bei der Wasser- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes scheint man das nun endlich begriffen zu haben. In drei Wochen soll ein Zeitplan vorliegen. Nun denn - tausende Autofahrer und Berufskraftfahrer werden sich diese Frist im Kalender notiert haben. An jedem Stautag werden es mehr.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen