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Innerstädtisches Filetstück : Investoren-Karussell an der Obereider

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Nach einjährigem Stillstand auf der Freifläche am Bahndamm trennt sich die Stadt von Antan Recona. Ein Unternehmer aus Bayern hat Interesse.

shz.de von
erstellt am 27.Aug.2015 | 17:27 Uhr

Nach einer langen Hängepartie ist die Geduld der Stadt zu Ende. Bürgermeister Pierre Gilgenast bestätigte gestern gegenüber der Landeszeitung, dass man die im Juni 2014 begonnene Zusammenarbeit mit dem Obereiderhafen-Investor Antan Recona beenden werde. Die Firma aus Bad Nauheim wollte auf der 12,4 Hektar großen Fläche ein maritimes Viertel verwirklichen, doch das Projekt kam nicht voran. Rendsburg steht nach Gilgenasts Entscheidung jedoch nicht mit leeren Händen da. An die Stelle von Antan Recona soll ein Investor aus Bayern treten, der bereits in der Region Rendsburg tätig ist.

Dabei handelt es sich um das Unternehmen Systema aus Starnberg, das in Büdelsdorf derzeit ein genossenschaftliches Wohnbauprojekt im Volumen von acht Millionen Euro verwirklicht. Geschäftsführer Stefan Blau sagte auf Anfrage, dass er sich für die Fläche zwischen Eisenbahndamm und Obereider ein gewerbliches Mischgebiet vorstellen kann. Die Planungen seien noch am Anfang. Das finanzielle Gesamtvolumen bezifferte er auf 20 bis 30 Millionen Euro. Wohnungen will er nicht bauen.

Letzteres dürfte der Stadt eine Fülle an Problemen vom Leib halten. Denn in den vergangenen Monaten hatten sich die von Antan Recona geplanten „60 hochwertigen Eigentumswohnungen“ als Knackpunkt erwiesen. Nicht nur der Bebauungsplan hätte dafür geändert werden müssen. Weitaus schwerwiegender war die Drohung der Firma ACO, gegen den Wohnungsbau juristische Schritte einzuleiten. ACO fürchtete Einschränkungen für seinen Geschäftsbetrieb, wenn künftige Obereiderhafen-Bewohner möglicherweise gegen den Fabriklärm klagen sollten.

Diese Befürchtungen konnte die Stadt in Gesprächen mit ACO nicht entkräften. Antan Recona wiederum soll nicht bereit gewesen sein, auf den lukrativen Wohnungsbau zu verzichten (eine LZ-Anfrage an die Firma Antan Recona blieb jedoch unbeantwortet). Der Gordische Knoten ließ sich nicht durchschlagen, so dass kurz vor den Sommerferien im Rathaus und in der Politik über Alternativen zu Antan Recona nachgedacht wurde, zumal man einen Rechtsstreit mit ACO vermeiden wollte. Das Verwaltungsgerichtsverfahren hätte vermutlich Jahre gedauert – Ausgang offen. In der Zeit, in der sich die Juristen gestritten hätten, wäre auf dem Grundstück an der Obereider nichts passiert.

Stefan Blau, Chef von Systema, will einen anderen Weg gehen. Seine Prämisse: Konsens statt Konfrontation. „Es macht überhaupt keinen Sinn, sich wegen ein paar Wohnungen mit einem Unternehmen anzulegen, das in der Region viele Arbeitsplätze schafft und als großer Mäzen sehr bemerkenswerte Projekte wie die NordArt ermöglicht“, sagte er mit Blick auf ACO. Stattdessen wolle er eine Lösung finden, die von der Wirtschaft, der Politik, den Verbänden und den Bürgern getragen werde. Er habe zwar bereits Ideen, im Detail wolle er diese jedoch erst mit den Beteiligten erörtern. Eines jedoch ist sowohl für Blau als auch für Gilgenast gesetzt: Der Obereiderhafen soll mit einem sogenannten „Leuchtturm“-Projekt aufwarten. Das könnte beispielsweise ein Boardinghaus sein – eine Herberge, die insbesondere für Geschäftsreisende oder Arbeiter interessant ist.

Das Gelände am Rande der Innenstadt bezeichnete Stefan Blau als „wunderschön“. Es werde allerdings eine besondere Herausforderung werden, angesichts der angrenzenden Bahnstrecke das Thema Lärmschutz in das Konzept zu integrieren. Zudem sei es für ihn kein Muss, jeden einzelnen Quadratmeter wirtschaftlich zu verwerten. „Gewinnmaximierung hat nicht immer eine Projektoptimierung zur Folge.“ Blau ist davon überzeugt, einen gemeinsamen Weg zu finden. Sein Optimismus ist auch eine Folge der ersten Gespräche, die er in Rendsburg und Büdelsdorf geführt hat. „Diese verliefen sehr vertrauensvoll und angenehm.“ Anfang September will er nach Rendsburg kommen.

Bürgermeister Gilgenast hat sich unterdessen im Innenministerium vergewissert, dass eine Trennung vom bisherigen Obereiderhafen-Partner problemlos möglich ist. Ohnehin scheint Antan Recona einem Rückzug aus Rendsburg nicht ablehnend gegenüber zu stehen. Dieses Signal jedenfalls hat Gilgenast aus Bad Nauheim erhalten.

Sollte die Ratsversammlung grünes Licht geben, wäre ein Verkauf des Grundstücks an Blau nur noch Formsache. Im September sollen die Gremien im Detail informiert werden. Das wäre gut für Blau: Im ersten Halbjahr 2016 will er die Bagger anrollen lassen.

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