Konzerterlebnis : Internationaler Stimmen-Mix

Dirigent Hellmuth Rilling  mit den Solisten Panajotis Iconomou (links) und  Dominik Wortig (rechts).
Dirigent Hellmuth Rilling mit den Solisten Panajotis Iconomou (links) und Dominik Wortig (rechts).

Die Chorakademie aus Lübeck gab ein Konzert in der Christkirche.

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24. März 2014, 10:57 Uhr

Die Chorakademie hat einen neuen Namen. Seit dem 8. September 2013 heißt die ehemalige „Chorakademie des Schleswig-Holstein Musikfestivals“ nun „Internationale Chorakademie Lübeck “. Damit setzt Rolf Beck, der frühere Intendant des Schleswig-Holstein Musikfestivals (SHMF), die Chorakademie unter eigener Regie fort. Ergänzt wird sie durch das Barock-Akademie-Orchester der Lübecker Musikhochschule.

Das erste offizielle Abschlusskonzert einer Arbeitsphase war die von Hellmuth Rilling geleitete „Johannespassion“ von Johann Sebastian Bach. Ein gelungener Start. Hier sang ein Chor, der seinesgleichen sucht: Mit wohlabgestimmtem Stimmenmix aus 60 Mitgliedern, unter anderem aus Brasilien, Südafrika und Israel. „Ich fühle mich hier wie zu Hause“ freute sich Beck vor dem Konzert, „ich habe hier zwölf Jahre aufgeführt.“ Nicht nur in ihre Akustik ist er verliebt, er schätzt auch die umfassende Unterstützung durch den Kirchengemeinderat und das Team um Günter Bandura mit Hans-Hinrich Blunck an der Spitze.

Hellmuth Rillings 81 Lebensjahre scheinen vergessen, wenn er inmitten von Solisten, Orchester und Chor dirigiert: Er ist der „Botschafter Bachs in der gesamten Welt“, gilt als profiliertester Bach-Repräsentant. Seine Sicherheit und Vertrautheit mit der Johannespassion übertrug sich auf Sänger und Instrumentalisten: So logisch und zielgerichtet, so konzentriert und vom Inhalt her verstanden, hat sich die Johannespassion dieses Abends sofort einen Dauerplatz in den bleibenden Erinnerungen erworben. Voller Überzeugung, unüberhörbar kraftvoll, füllte schon der Eingangschor „Herr, unser Herrscher, dessen Ruhm in allen Landen herrlich ist“ die Kirche. Präzise, klar und durchsichtig vermittelten Chor und Orchester die Botschaft.

Drei „Dauersolisten“ sangen: Dominik Wortig die überaus anstrengende Tenor-Rolle des Evangelisten; Panajotis Iconomou mit bewundernswertem Nachdruck und Glaubwürdigkeit die Bariton-Partie des Jesus. Ergreifend, diese große Stimme, die mühelos den Kirchenraum füllte. Alles auswendig! So glaubte man ihm seine Rolle noch mehr. Anstatt „Mein Reich ist nicht von dieser Welt“ würde auf ihn auch passen „Meine Stimme ist nicht von dieser Welt!“ Ebenfalls beeindruckend der raumfüllende Bariton von Tobias Berndt, der die Arien übernommen hatte.

Wie hoch das Niveau der Chorstimmen ist, zeigten sieben Solisten aus dem Chor mit kürzeren Proben ihres Könnens. In der Sopran-Arie „Ich folge Dir gleichfalls mit freudigen Schritten“ erlebte man einen glücklichen Rilling, der tief vertraut mit der Partitur und ebenso tief versunken, dennoch hellwach sich zur Solistin und dem Publikum wandte, dabei weiter mit geschlossenen Augen „dirigierte“.

So entstand ein ausdruckstarkes und tief bewegendes Oratorium-Erlebnis. Das gilt besonders für die Momente nach der Sterbeszene und zum Schluss: Eine knappe Minute (gefühlt viel länger) herrschte atemlose Stille, bis erste Hände zu applaudieren wagten.

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