Integrationskonzept steht – aber wie geht es weiter?

Kooperationspartner enttäuscht über Ende des Förderzeitraumes / Konzept fasst Erfahrungen zusammen

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27. Januar 2015, 11:45 Uhr

Mehr als jeder fünfte Rendsburger hat familiäre Wurzeln im Ausland (22 Prozent). Damit liegt Rendsburg nicht nur über dem Landes-(12 Prozent), sondern auch über dem Bundesdurchschnitt (19,2 Prozent). Umso wichtiger sei hier die Integration, damit die Rendsburger – die aus insgesamt 95 Nationen stammen – „aus ihrer Vielfalt eine Einheit schaffen“.

Diese Worte stammen von Bürgermeister Pierre Gilgenast und Städtpräsidentin Karin Wiemer-Hinz und stehen im Vorwort eines Integrationskonzeptes für die Stadt, das nun dem Sozialausschuss vorgestellt wurde. Darin geht es um die Erfahrungen, die seit 2012 bei EU-geförderten Integrationsprojekten gesammelt wurden.

Eines davon war das Familienzentrum A4 der Kirchengemeinde St. Jürgen, welches sich dank der Förderung für mehrere Generationen öffnen konnte und zu einem Stadtteilzentrum für Rotenhof entwickelte. „Die Kinder haben uns überrannt“, so Leiter Martin Glüsing, der mit seinem Team teilweise bis zu 70 Kinder im Haus betreute. Er machte die Erfahrung, dass Integration nicht nur für Familien mit Migrationshintergrund wichtig ist: „Ebenso viele deutschstämmige Familien haben einen Bedarf an Integration und Teilhabe.“ Das zu fördern fällt ihm nun, nach Ende des Projektes, deutlich schwerer, weil weniger Mitarbeiter finanziert werden können. Auf die Frage von SPD-Ratsfrau Elke Endres, welche drei Wünsche er gern erfüllt hätte, kam die klare Antwort: „Personal, Personal, Personal.“

Auch die Mitarbeiter der Volkshochschule waren enttäuscht über das Ende des Projektes. Eine Zusammenarbeit mit Christian-Timm- und Altstadtschule hatte gezeigt: „Es steckt sehr viel Potenzial in den Jugendlichen“, so Gabriele Schuchardt. Statt geplanter 180 Schüler nahmen 328 an dem Projekt teil, 43 Prozent davon mit Migrationshintergrund. Unter anderem bot die VHS ein Coaching zum Übergang von Schule zu Beruf an. Im Rahmen dessen wurden gemeinsam Bewerbungsmappen erstellt, und eine Fotografin war zu Besuch, um nicht nur Bewerbungsfotos aufzunehmen, sondern auch Fotos von selbstbewussten Jugendlichen für eine Collage (Bild oben). Diese Stärkung der Persönlichkeit habe den Jugendlichen gut getan, resümmierte Schuchardt und VHS-Leiter Rainer Nordmann ergänzte: „Integration braucht Verlässlichkeit. Es ist irre schade, dass das Projekt jetzt ausläuft. Bestimmte Dinge braucht man verfestigt, und einige Standards würden dieser Stadt guttun.“

Die frühe Alphabetisierung, Sprachförderprogramme, Berufscoachings, eine „Fachstelle für Integration und Migration“ im Rathaus, mehr Mitarbeiter mit Migrationshintergrund in der Kinderbetreuung – Empfehlungen wie diese werden im Integrationskonzept zu Hauf genannt. Aber angesichts des 65-Seiten-Dokumentes, dass zu keinem konkreten Fazit kommt, scheint der Einwand von Elke Endres berechtigt: „Das Konzept ist absolut toll, aber aus Sicht der Politik fehlt uns ein Masterplan, eine Prioritätenliste für die Umsetzung.“

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