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Theater mit Flüchtlingen : Integration auf offener Bühne

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Rosana Trautrims und Hamid Ariarman inszenieren ein Theaterstück mit Flüchtlingen. Für ihr Engagement wurden sie jetzt ausgezeichnet.

shz.de von
erstellt am 13.Nov.2015 | 06:00 Uhr

Bei dem Theaterprojekt „Szol Ha“ verarbeiten Flüchtlinge auf der Bühne ihre Erfahrungen und Erlebnisse. Das Dokumentationsdrama wird vom Rendsburger Verein Umwelt, Technik, Soziales (UTS) unterstützt. Am Mittwoch erhielt die Theatergruppe den Deutschen Bürgerpreis Schleswig-Holstein für herausragendes ehrenamtliches Engagement. Redaktionsmitglied Sven Raschke sprach mit Projektleiterin Rosana Trautrims und Hamid Ariarman, ein Flüchtling aus Afghanistan, der als Regisseur, Texter und Darsteller mitwirkt.

 

Frau Trautrims, Sie haben das Theaterprojekt „Szol Ha“ ins Leben gerufen. Wie kamen Sie auf die Idee?
Rosana Trautrims: Der Name kommt aus dem Afghanischen und bedeutet Frieden. Ich arbeite beim UTS seit fünf Jahren mit Flüchtlingen. Ich gehe dort sehr offen mit ihnen um und nehme sie auch mal in den Arm. Die Flüchtlinge haben angefangen zu erzählen, warum sie nach Deutschland geflohen sind und wie schwer es für sie ist, hier zurechtzukommen. Das war so traurig zu sehen. Irgendwann habe ich sie gefragt: Habt Ihr Lust, ein Theaterstück zu machen?

 

Hatten Sie denn Theater-Erfahrung?

Rosana Trautrims: Nein, und Geld hatten wir auch nicht. Aber jeder Mensch hat Talente und kann sie einbringen. Die Christian-Timm-Schule und das Kulthaus haben uns Räume zum Proben zur Verfügung gestellt. Und eine Dramaturgin vom Landestheater unterstützt uns.

Hamid Ariarman: Jeder kann bei uns mitmachen. Wir sind sechs Deutsche und zwölf Flüchtlinge. Es ist toll, dass so viele verschiedene Kulturen zusammenkommen. Alle haben hier in Deutschland die gleichen Rechte.

Wie hilft die Arbeit den Flüchtlingen?
Rosana Trautrims: Die Menschen können über die Arbeit am Stück ihre traumatischen Erlebnisse verarbeiten. Alles, was im Stück erzählt wird, ist den Darstellern wirklich passiert. Alle spielen sich selbst. Das ist sehr traurig. Oft weinen wir alle zusammen. Die Menschen bekommen durch das Darstellen ein Gesicht und eine Stimme. Und sie merken, dass Sie nicht allein sind. Sie können außerdem wieder Selbstbewusstsein aufbauen, indem sie etwas für andere tun. Und sie lernen Deutsche kennen und kommen mit Ihnen ins Gespräch.
Hamid Ariarman: Ja, es ist sehr gut für uns, unsere Erfahrungen, Sorgen und Probleme mitzuteilen. Durch den Kontakt mit den Zuschauern können wir Vorurteile abbauen. Viele Menschen wollen helfen, nachdem sie unser Stück gesehen haben. Sie geben zum Beispiel Geld für Deutschkurse oder für Fahrkarten.


Frau Trautrims, Sie sind vor zehn Jahren selbst aus Brasilien nach Deutschland gezogen.Hatten sie vergleichbare Erlebnisse?
Rosana Trautrims: Ich habe damals keine Vorurteile erfahren. Alle waren so freundlich und höflich. Trotzdem hat es zwei Jahre gedauert, zu verstehen, wie die Menschen hier ticken: Was ist Höflichkeit, was ist echte Freundschaft.

Was werden Sie mit den 3000 Euro Preisgeld machen?
Rosana Trautrims: Das Projekt läuft weiter mit einem neuen Stück. Das Thema bleibt dasselbe, aber es kommen neue Teilnehmer und damit neue Geschichten. Dafür müssen Verpflegung, Fahrten und Requisiten bezahlt werden. Außerdem wollen wir eine Internetseite und Infomaterial zum Stück herausbringen.

Wann werden Sie das nächste Mal auftreten?
Hamid Ariarman: Das steht noch nicht fest. Wir müssen zuerst das neue Stück erarbeiten. Wir werden aber auf jeden Fall zuerst im Landestheater in Rendsburg auftreten.

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