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Zeitplan gefährdet : Insel unter der Rader Hochbrücke: Bald rollen Abriss-Bagger

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Illegal errichtete Wochenendhäuser müssen noch im September weichen. Verkehrsministerium lässt sich im Streit um die Bauten nicht erpressen.

shz.de von
erstellt am 17.Aug.2016 | 12:35 Uhr

Rendsburg | Die Tragweite des Streits um Schwarzbauten auf der Rader Insel kommt allmählich auch in Kiel an. Die Landesregierung erkennt offenbar, dass der Zeitplan für den Ersatzbau der Rader Hochbrücke wegen des Widerstands eines einzigen Ehepaars ins Wanken geraten könnte. Deshalb hat sich nun auch das Verkehrsministerium eingeschaltet. Unterdessen will der Kreis schon bald Abriss-Bagger auf die Insel rollen lassen, um die illegal errichteten Wochenendhäuser zu beseitigen.

Auch Harro Dieckmann (77) besitzt eine solche Hütte. Sie liegt direkt an der Nordwest-Seite des Eilands im Nord-Ostsee-Kanal mit Uferzugang zur Borgstedter Enge. Vor 25 Jahren hat er die Hütte gekauft und seitdem mit viel Herzblut in Eigenarbeit ausgebaut. Doch wenn die Bagger kommen, kann sich Dieckmann entspannt zurücklehnen. Sein kleines Freizeit-Idyll ist nicht in Gefahr. Er besitzt einen Generationen-Vertrag, der vor acht Jahren als Kompromiss allen Hausbesitzern angeboten wurde, die älter als 60 Jahre waren. Sie dürfen ihre Hütten bis zu ihrem Tod nutzen, erst danach müssen die Häuschen abgerissen werden.

Idylle: Harro Dieckmann vor seinem Wochenendhäuschen. Obwohl es ein Schwarzbau ist, darf es stehen bleiben. Viele andere werden in den nächsten Wochen abgerissen.
Idylle: Harro Dieckmann vor seinem Wochenendhäuschen. Obwohl es ein Schwarzbau ist, darf es stehen bleiben. Viele andere werden in den nächsten Wochen abgerissen. Foto: Tillmann Post
 

Um alle anderen Schwarzbauten und ihre eigene „Blaue Hütte“ zu retten, haben der Unternehmer Friedrich Schreiber und seine Ehefrau Uta ihre Position immer wieder deutlich gemacht: Wenn der Kreis als Baubehörde die Häuschen auf ihren Insel-Grundstücken im Nord-Ostsee-Kanal nicht nachträglich genehmigt, wehrt sich das Paar vehement dagegen, dass sein Grund und Boden für den Bau der neuen Rader Hochbrücke genutzt wird. Diese unverblümte Erpressung hat Uta Schreiber mehrmals ausgesprochen, auch direkt Landrat Dr. Rolf-Oliver Schwemer gegenüber.

Dem Ehepaar gehören Flächen links und rechts der Brücke. Den Schreibers ist klar, dass sie den Bau der neuen Querung der A7 über Kanal und darin liegender Insel nicht verhindern können, aber zumindest verzögern. „Das ist kritisch, weil der Zeitplan eng getaktet ist, deshalb laufen ja auch so viele Gespräche“, sagte die Sprecherin des Verkehrsministeriums, Dr. Birte Pusback, auf Nachfrage der Landeszeitung. Gemeint ist ein Treffen zwischen Kreis, Staatskanzlei, Verkehrs- und Innenministerium Anfang dieser Woche. Zudem wollen sich Regierungsvertreter noch mit dem Ehepaar treffen. Doch Pusback stellt klar: „Das Land lässt sich nicht erpressen.“ Eine Lösung könnte ihr zufolge sein, dass möglichst wenig von Schreibers Besitz für den Brückenneubau genutzt wird. Noch sei keine Bauverzögerung absehbar, dazu sei es noch viel zu früh. Die Bauarbeiten sollen in sieben Jahren beginnen. Das müssen sie auch, weil die derzeitige Brücke nicht mehr länger hält.

 

Das Land stütze die Sicht des Kreises, dass die nachträgliche Legalisierung der Schwarzbauten nicht möglich ist. Laut Dr. Britta Siefken vom Bauamt dauert es nicht mehr lange, bis alle illegalen Bauten ohne Ü60-Vertrag auf der Insel zwangsabgerissen werden. „Es ist vorgesehen, in den kommenden Wochen tätig zu werden“, sagte sie gestern. Nur die Kostenvoranschläge der Abbruchunternehmen müssten noch eingeholt werden. Die Kosten müssen die Eigentümer oder deren Erben tragen.

Harro Dieckmann findet das schade. „Die Hütten stören doch niemanden“, sagte er. Etliche seien schon gar nicht mehr bewohnt, es sei nicht mehr viel los auf der Insel. Der Ruheständler hat deshalb zumindest Verständnis für die Haltung seiner Verpächter. „Das Ansinnen der Schreibers finde ich gut“, sagte Dieckmann.

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