zur Navigation springen

Kreis Rendburg-Eckernförde : Initiative warnt vor Personalnot in der Altenpflege

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Kreis soll einen Plan über künftige Nachfragestrukturen entwickeln.

shz.de von
erstellt am 12.Mär.2015 | 06:00 Uhr

Die „Pflegeinitiative Region Rendsburg“ sieht einen „prekären Trend“: Die Zahl der pflegebedürftigen Menschen nimmt zu, während die Zahl der Pflegekräfte immer weniger mithält. Deshalb fordert die Initiative den Kreis Rendsburg-Eckernförde auf, einen Pflegeplan zu entwickeln. Doch die Verwaltung hat dafür wenig Verständnis.

Der Kreis müsse auf der Basis der demografischen Entwicklung in der Region Nachfrage- und Angebotsstrukturen identifizieren, sagte Pastor Hans-Joachim Haeger, Sprecher der Pflegeinitiative. Ohne einen Plan für die zukünftige Krankenpflege und Altenhilfe drohten entsprechende Angebote zu einem zusammenhanglosen Stückwerk zu werden. Bereits jetzt bestehen ihm zufolge „weiße Flecken“ auf der Versorgungslandkarte, beispielsweise im ambulanten Bereich oder bei der Versorgung älterer Menschen mit Behinderungen. Die Unterversorgung werde ohne genaue Erfassung und gezieltes Gegensteuern noch größer.

Die Pflegeinitiative ist en Zusammenschluss von Pflegeanbietern der Region Rendsburg. Sie existiert seit 2013. Die Angebote der teilnehmenden Einrichtungen umfassen alle Bereiche der Pflege, unter anderem stationäre Pflege, Tagespflege, Kurzzeitpflege und ambulante Pflege. Auch Vertreter von Seniorenbeiräten sowie des Arbeitskreises für bürgerschaftliches Engagement beteiligen sich. „Die Brücke Rendsburg-Eckernförde, die Seniorenwohnanlage am See in Fockbek, das Alten- und Pflegeheim St. Vincenz in Rendsburg, die Pflege Lebensnah in Rendsburg, die Seniorenwohnanlage Neue Heimat in Rendsburg, das Seniorenheim Küster in Fockbek, die Amtsschwesternstation Fockbek sowie die Seniorenbeiräte Rendsburg und Nortorf gehören dazu.

Jenseits des Wettbewerbs ziele die Pflegeinitiative darauf ab, die Krankenpflege- und Altenhilfe-Infrastruktur in der gesamten Region zu verbessern, betonte Haeger. Es zeichne sich ein Notstand ab. Nicht nur im ländlichen Bereich, sondern auch in Rendsburg sei die Betreuung von hilfsbedürftigen Menschen nicht immer gewährleistet, machte Norbert Schmelter von der Pflege Lebensnah deutlich. „Zwischen 7 und 9.30 Uhr am Morgen und zwischen 17.30 und 21 Uhr abends gibt es Engpässe, weil das Personal fehlt.“ Fünf bis zehn Anfragen pro Woche müsse die „Brücke“ ablehnen, erklärte deren Geschäftsführer Andreas Straub.

Um dem Hauptproblem Personalmangel zu begegnen, müsse sowohl die öffentliche Anerkennung der Pflegeberufe gesteigert als auch die Vergütung erhöht werden, forderte Haeger. Eine höhere Entlohnung scheitere aber bisher an den Krankenkassen. „Die Kassen wollen nicht mehr geben“, sagte Haeger. Der geringe Lohn werde bei vielen Beschäftigten in die Altersarmut führen. „Das ist ein Skandal“, kritisierte Haeger diesen Zustand scharf.

Auf den Personalnotstand habe die Verwaltung keinen Einfluss, sagte Uwe Randant, Leiter des Fachdienstes Soziale Sicherung, auf Nachfrage der Landeszeitung. Darüber hinaus könne er nicht nachvollziehen, weshalb die Pflegeinitiative vor Unterversorgung und „weißen Flecken“ warnt. „Das Kreisgebiet ist durch ambulante Pflegedienste abgedeckt“, so Radant. Wenn die ihre Einzugsgebiete nicht mehr bedienen könnten, verstießen sie gegen ihre Versorgungsverträge mit den Pflegekassen. Solche Fälle seien ihm jedoch nicht bekannt. In der stationären Pflege gebe es sogar eine Überversorgung. „Die Auslastungsquote der Pflegeeinrichtungen erreicht nicht einmal 90 Prozent.“ Der Pflegebedarfsplan des Kreises stamme zwar aus dem Jahr 2001, die Entwicklung werde aber beobachtet. Zudem erstelle die Verwaltung unter anderem eine „sozialräumliche Infrastrukturplanung“, um auch die künftigen Herausforderungen des demografischen Wandels zu erkennen.

zur Startseite
Karte

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen