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Nach Neuordnung : In Rendsburg drohen längere Wege zur Notapotheke

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Notdienst-Apotheken sollen nach neuen Kriterien bestimmt werden. Ärzte befürchten durch die Neuordnung eine schlechtere Medikamenten-Versorgung.

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erstellt am 19.Sep.2014 | 06:00 Uhr

Rendsburg | Kunden von Apotheken müssen sich im Kreis Rendsburg-Eckernförde im kommenden Jahr mit einer Neuerung anfreunden. Durch eine Neuordnung der Notdienste kann es dazu kommen, dass bei Bedarf mehr Kilometer bis zur nächsten Notdienst-Apotheke in Kauf genommen werden müssen. Vor allem für Kunden aus dem Großraum Rendsburg kann die Neuordnung eine Umstellung bedeuten. Ärzte im Kreis befürchten eine Gefährdung der Versorgung ihrer teilweise nur wenig mobilen Patienten mit verschreibungspflichtigen Medikamenten. Doch auch einigen Apothekern bereitet die neue Form der Organisation Bauchschmerzen.

Landesweit werden die Apotheken-Notdienste, die bisher in 50 einzelnen Notdienst-Ringen lokal organisiert wurden, ab dem 1. Januar 2015 mithilfe einer Software nach bestimmten Kriterien verteilt. In das Computer-Programm fließen unter anderem Parameter wie die maximal zumutbaren Straßenkilometer vom jeweiligen Ortsmittelpunkt zur nächsten Notdienst-Apotheke ein. Diese Zahl wiederum ist abhängig von der Größe der Stadt oder Gemeinde. So gelten bei einer Mittelstadt (20.000 bis 70.000 Einwohner) 16 Kilometer als zumutbar, in einer Kleinstadt (5000 bis 20.000) sind es 23, in einer ländlichen Gemeinde (500 bis 5000) sogar 38 Kilometer.

„Die größte Gefahr ist, dass an bestimmten Tagen die Versorgung umständlich bis nicht ausreichend ist“, befürchtet beispielsweise Andreas Klauder von der Sonnen-Apotheke in Rendsburg. „Bestimmte Tage“, das seien in diesem Fall solche, an denen keine einzige Apotheke aus dem Raum Rendsburg für einen Notdienst eingeteilt ist. Gleich der 1. Januar 2015 ist so ein Tag. Vom Ortskern Rendsburgs aus gesehen ist sind die nächsten Notdienst-Apotheken die Elsdorfer Apotheke in Elsdorf-Westermühlen und die Linden-Apotheke in Fleckeby. In den ländlicheren Gebieten des Kreises sei die Umstellung nicht ganz so drastisch, da die dortige Bevölkerung „schon eher daran gewöhnt ist und bei einem Leben auf dem Dorf wissen, dass man zu einem gewissen Grad mobil sein muss“.

Nicht ganz so kritisch sieht Henning Lilienthal von der Altstädter Apotheke in Rendsburg die Neuerung. „Ich kann die Problematik verstehen. Aber es ist ein Probeballon, dem man erst einmal eine Chance geben sollte“, sagt er. Zudem gehe es nicht um das Gros der Tage, sondern eher um Einzelfälle, in denen beispielsweise eine Apotheke in Owschlag, Groß Wittensee oder Fleckeby für den Raum Rendsburg zuständig ist.

Ziel der Umstellung ist eine gleichmäßigere und gerechtere Verteilung der Notdienste auf die Apotheken. Gleichzeitig soll insgesamt gesehen die Versorgung für die Bevölkerung optimiert werden. Da dann keine Teildienste mehr möglich sind, können die Bürger in klar definierten Entfernungen eine dienstbereite Apotheke finden, die stets einen 24-Stunden-Dienst (8 bis 8 Uhr) leistet. Einfach abzurufen ist eine Übersicht im Internet unter www.aksh-notdienst.de. Schleswig-Holstein ist bundesweit der dritte Bezirk der Apothekenkammer, nach Westfalen-Lippe und Nordrhein, der seine Notdienste auf diese Weise organisiert. Nach einem Jahr soll die computerbasierte Verteilung der Notdienste bewertet und gegebenenfalls nachgebessert werden.

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