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Neue Serie : In luftiger Höhe darf man sich nicht hängen lassen

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Die Landeszeitung testet: Beim Sportklettern wird der ganze Körper beansprucht.

von
erstellt am 07.Feb.2014 | 06:00 Uhr

Fußball ist in Deutschland der Sport Nummer eins. Schleswig-Holstein ist ein Land der Handballer, Segler sowie Pferde und Reiter. Die Basketballer sind das Aushängeschild der Stadt Rendsburg. Abseits davon aber gibt es eine Reihe von Möglichkeiten, sich sportlich zu betätigen. Die Landeszeitung legt fortan den Fokus auch auf die Randsportarten und stellt sie vor. Und es wird noch besser. Die Redakteure selbst mutieren zu Testpersonen und probieren die Sportarten aus, die kaum oder noch gar nicht bekannt sind.

Zum Auftakt unserer Serie war Sportredakteur Tobias Stegemann in der Kletterwand. Unter der fachmännischen Anleitung von Gerhard Rodigast vom Rendsburger TSV erklomm er luftige Höhen. Hier ist sein Erfahrungsbericht:

Als ich in der Umkleidekabine sitze, höre ich bereits das Wummern der Bässe. Aus der Musikanlage in der Halle tönen die Klänge der Country-Rockband The Boss Hoss. Mit Reit- oder Pferdesport aber hat mein Test nichts zu tun. Es geht in die Kletterwand. Meine Vorfreude steigt. Die Schuhe sind schön fest zugebunden – auf geht’s in die Halle. Und der erste Anblick ist durchaus beeindruckend. „Alles klar? Dann können wir ja“, sagt Gerhard Rodigast vom Rendsburger TSV. Er ist verantwortlich für die Kletterwand in der Sporthalle der Schule Altstadt. Zwar ist die Wand „nur“ sechs Meter hoch und zehn Meter breit, dennoch ringt mir die Konstruktion einigen Respekt ab. ,Erst einmal sehen, wie man besten an die Sache rangeht’, denke ich mir und schaue mir zunächst einmal an, wie die erfahreneren Kletterer sich in der künstlichen Felswand bewegen. In die Höhe geht es zu Beginn noch nicht. „Wir werden uns erst einmal nur quer an der Wand bewegen. Das nennt man bouldern“, erklärt Rodigast. ,Klingt ja einfacher, als in die Höhe zu klettern’, sind meine Gedanken bei dieser Ankündigung. Aber diese Illusion nimmt mir Rodigast sogleich wieder. Das seitliche Klettern ist für Anfänger wie mich sogar schwieriger, denn der Kraftaufwand für die Arme ist wesentlich höher als beim Klettern nach oben, weil man dabei dann viel mehr aus den Beinen arbeitet. Ich fasse in den Sack mit dem Magnesium: ,Okay, dann mal los.’ Die Haltegriffe sind verschiedenfarbig und stehen für die unterschiedlichen Routen. Ich als Einsteiger benutze aber alle Griffe und das ist schon schwer genug, wie ich schnell merke. „Du musst die Hüfte immer nahe an die Wand schieben, sonst geht es zu sehr in die Arme“, ruft mir Rodigast zu. Die bevorzugte Fußstellung erinnert an die des Komikers Charlie Chaplin. Mit den Innenseiten an der Wand kommt man am besten weiter. „So, nun suchst du dir nach und nach den nächsten Griff“, fordert mein Trainer. ,Der hat gut reden. Ich bin froh, dass ich mich überhaupt halten kann’, denke ich. Aber es geht dann doch ganz gut, auch wenn ich die physischen Auswirkungen bereits nach dem zweiten Durchgang spüre. Die Hände brennen, meine Unterarme sind bretthart und die Fußballen schmerzen etwas, weil die Auflagefläche der Griffe an der Wand bisweilen doch sehr klein ist, und sie sich so in den Fuß zu bohren scheint. Aber trotz all der Widrigkeiten macht es Spaß und ich ertappe mich dabei, wie mich der Ehrgeiz packt. ,Mindestens die Hälfte der zehn Meter breiten Wand muss ich doch schaffen.’ Nach zwei weiteren erfolglosen Versuchen, hat auch Rodigast schließlich ein Einsehen mir mir: „Wir machen mal etwas anderes“, sagt er. „Wir klettern nach oben.“ Dazu aber benötigen wir die Sicherungsausrüstung. „Ab zwei Meter Höhe müssen wir uns sichern“, erklärt er.

Im Mai 2011 wurde die Kletterwand in Rendsburg freigegeben. Seitdem versucht Rodigast andere mit seiner Begeisterung für diese Randsportart anzustecken. „Leider wissen noch viel zu wenige, dass es in unserer Stadt so etwas gibt“, rührt er die Werbetrommel. Jeden Dienstag und Sonnabend bietet er ein jeweils zweistündiges Training an. Darüber hinaus stellt er im Rahmen des Sportunterrichts an der Schule Altstadt seine Dienste zur Verfügung. „Es ist ein faszinierender Sport, der den ganzen Körper beansprucht und sowohl Kraft, aber noch mehr Koordination erfordert“, erklärt Rodigast, während wir uns die Sicherungsgurte anlegen. Und dann startet Runde zwei. Nach einer kurzen Einweisung in die Sicherungsvorkehrungen mache ich mich auf den Weg nach oben. Und wie vorhergesagt, ist es tatsächlich etwas einfacher als die Seitwärtsbewegung. So komme ich schließlich doch noch zu meinem Erfolgserlebnis und erklimme den Gipfel. Auch wenn es die vermeintlich leichteste der sechs Routen war, ich bin für das erste Mal zufrieden mit mir. Ebenso wie mein Trainer. „Das war doch schon ganz gut und bestimmt eine neue Erfahrung für dich“, so Rodigast.

Er hat Recht, es war etwas völlig Neues für mich. Und trotz der Anstrengungen hat es großen Spaß gemacht. Ein Gefühl, das sich einen Tag später dann noch verstärkt hat. Denn die angekündigten Nachwirkungen, blieben aus. Nur die Handflächen brennen auch tags darauf noch.

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