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Windkraftanlage : In „Klewian“ steckt Arbeit und Energie

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Aus der Redaktion der Landeszeitung

Vier Schüler vom Beruflichen Gymnasium „Erneuerbare Energien“ in Osterrönfeld bauten in der Projektwoche eine Windkraftanlage. Sie bringt bis zu 200 Watt Leistung.

shz.de von
erstellt am 07.Feb.2014 | 18:20 Uhr

Ein kleineres Ferienhaus könne man damit bestimmt versorgen, schätzt Felix Beck: „Zumindest wenn man dafür die Akkus damit auflädt.“ Der 19-jährige Eckernförder hat gemeinsam mit drei Mitschülern am Beruflichen Gymnasium „Erneuerbare Energien“ (BGEE) in Osterrönfeld in einer Projektwoche „Klewian“ entwickelt und gebaut. „Klewian“ steht für „Kleine Windenergieanlage“ und ist das Produkt einer echten Teamarbeit. Wie Felix Beck auch, sind Marcel Czaja (18) aus Schacht-Audorf, Malte Prahl (19) aus Groß Wittensee und Claus Jannik Höhling (20) aus Schülldorf im 13. Jahrgang am BGEE. Gestern stellte das Quartett ihr Projekt den Mitschülern vor.

Schon im elften Jahrgang hatten Höhling und Beck die Idee mit der Windkraftanlage im kleinen Stil, doch damals ließ sich das Projekt noch nicht umsetzen. Nun war es also soweit. Im Januar entwickelten die vier Schüler die Projektskizze, am Montag vergangener Woche ging es an die Arbeit. „Jeder von uns brachte sich bestmöglich ein“, erklärt Czaja. Während er und Malte Prahl sich ein wenig mehr um die 30-seitige und den formalen Anforderungen einer Bachelor-Arbeit genügende Projektbeschreibung kümmerten, legten die anderen beiden das Augenmerk verstärkt auf die physikalischen Berechnungen. „An der Anlage haben aber alle gleichermaßen mitgebaut“, betont Höhling.

Nach den komplizierten Berechnungen, aus denen sich die späteren Dimensionen ergaben, ging es an die Materialbeschaffung. Ein im Internet bestellter Fahrradmotor, der zu einem Generator umfunktioniert wurde, kam am Montagabend als erstes Bauteil an. Gebaut wurde „Klewian“ auf dem Hof der Eltern von Claus Jannik Höhling, dort gab es die besten Raum- und Werkzeugmöglichkeiten. Ein Besuch bei dem Kieler Architekten Christof Becker, der selbst viel an eigenen Ideen in Sachen autarker Energiegewinnung tüftelt, rundete die Sache ab. „Er hat uns gute Tipps mitgegeben. Am Dienstagabend wussten wir genau, wo es lang geht“, erzählt Beck. Am Wochenende bestand „Klewian“ dann die Praxis-Tests bei bis zu 20 Stundenkilometern Windgeschwindigkeit auf einem Feld. „Der Rotor drehte sich in der Spitze mit bis zu 200 km/h – bei Leerlaufspannung. Danach haben wir eine 18-Watt-Glühbirne angeschlossen.“ Zwar zerlegte es die Birne schon nach kurzer Zeit, doch der Versuch zeigte, dass die Anlage funktionierte.

Jeweils rund 70 Arbeitsstunden investierten die vier Schüler. Am Ende stellten sie die 17 Kilogramm (ohne Sockel) schwere und 1,68 Meter (Nabenhöhe) große Anlage fristgerecht fertig. Die drei Rotorblätter sind etwa 1,30 Meter lang. „Klewian“ ist ein Luv-Läufer. Über ein Leitwerk, die Windfahne, stellt die Anlage sich eigenständig in den Wind und kann bis zu 200 Watt erzeugen.

Mit rund 150 Euro Materialkosten müsse man rechnen, schätzt Marcel Czaja. Durch ein paar Schnäppchen konnten die BGEE-Schüler ihren Einsatz auf 108 Euro drücken. Was genau mit „Klewian“ nun passiert, wissen sie noch nicht. „Theoretisch könnte man die Anlage auf ein Dach montieren und sich selbst mit Strom versorgen oder ihn in das öffentliche Netz einspeisen und die Vergütung kassieren“, sagt Claus Jannik Höhling. Ein Bekannter betreibe beispielsweise eine 200-Watt-Teichpumpe, die „Klewian“ versorgen könnte. Doch um die Anlage tatsächlich in Betrieb zu nehmen, müssten etliche zum Teil kostenintensive Genehmigungen und Zulassungen eingeholt werden. Folglich bleibt das gute Stück vermutlich erst einmal als Ausstellungsstück in der Schule stehen.

Das Projekt ersetzt für die Schüler drei Klausuren – je eine in den Fächern Erneuerbare Energien, Deutsch und Spanisch. Für die Spanisch-Leistung entwarf das Quartett ein Info-Faltblatt in spanischer Sprache – inklusive einer kleinen Bauanleitung. Eine Note haben sie zwar noch nicht bekommen, sind aber allesamt guter Dinge. Malte Prahl: „Die Lehrer wirkten zumindest begeistert.“

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