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Von Sylt bis zur Zugspitze : In Joggingschuhen durch ganz Deutschland

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Ultraläufer machten auf ihrer 1321-Kilometer-Tour in Jevenstedt Station.

shz.de von
erstellt am 19.Jul.2017 | 11:26 Uhr

Sie laufen, um zu laufen. Und um nach insgesamt 19 Etappen die Republik einmal durchquert zu haben, wenn alles gut geht. Fast keiner der 65 Ultraläufer, die beim diesjährigen Deutschlandlauf (DLL) mitmachen, ist angetreten, um Bestzeiten zu knacken oder gar zu gewinnen. Ankommen ist alles – oder das „Finishen“, wie es in Läuferkreisen heißt.

Am Sonntag sind die Sportler auf Sylt gestartet, am 3. August wollen sie auf der Zugspitze stehen. Die zweite Etappe führte am Montag unter anderem durch Groß Rheide, Kropp und Rendsburg. Und endete an der Jevenstedter Sporthalle, wo die Läufer samt Organisationsteam und Begleitern unterkommen durften. Der Herausforderung, die 1321 Kilometer lange Strecke in zweieinhalb Wochen zurücklegen zu wollen, haben sich auch Cornelia und Karl Rohwedder gestellt. Die beiden – sie aus Berlin, er aus Braunschweig – haben sich bei einer Laufveranstaltung kennengelernt und bei einer anderen geheiratet. „Das war beim Berliner Mauerweglauf vor zwei Jahren“, berichtet Cornelia Rohwedder. Beim Start hieß sie noch Balke mit Nachnamen, 34 Kilometer später war sie eine Rohwedder: Während des Laufs sind die beiden von der offiziellen Strecke abgebogen, um sich in einem Standesamt das Ja-Wort zu geben. „Ich hatte vorgewarnt, dass wir etwas verschwitzt sein würden, das hat aber niemanden gestört“, erinnert sich Karl Rohwedder. Danach ging es zurück auf die insgesamt 160,9 Kilometer lange Strecke. So lang war die Etappe am Montag zwar nicht, mit 86,3 Kilometern aber dennoch die drittlängste während der gesamten Deutschland-Durchquerung.

Distanzen, die andere noch nicht mal mit dem Fahrrad zurücklegen, können die Ultraläufer nicht schrecken. „Ich glaube, das Laufen ist eine Sucht, sonst macht man bei sowas hier ja nicht mit“, sagt Cornelia Rohwedder. Sie selbst beschreibt sich als „Gucker“ beim Laufen, während andere vor allem ihren Gedanken nachgehen oder sich unterhalten. „Ich streichle gern Tiere und halte auch mal an und esse ein Eis. Wie in Rendsburg“, so die 51-Jährige. Sie und ihr Mann sind Mitglieder im 100 Marathon Club Deutschland. Dafür haben sie, wie es der Name verrät, mehr als 100 Mal die 42,195 Kilometer lange Strecke zurücklegen müssen. Karl Rohwedder läuft je nach Zeit und Lust aktuell zwischen 70 und 90 Marathons im Jahr. Auch bei verschiedenen Etappenläufen ist er schon an den Start gegangen, beim DLL allerdings noch nicht. „Und das ist das Schöne am Laufen: Auf die Art und Weise kommt man in Gegenden von Deutschland, in die es einen sonst nicht verschlägt. Man sieht ganz viel.“ Angst hätten seine Frau und er vor dem Lauf nicht gehabt, aber Respekt. Beim Laufen trennen sie sich manchmal, aber im Ziel wollen sie gemeinsam stehen. Um das zu schaffen, wollen sie sich die Kräfte gut einteilen und während der 19 Etappen zurücknehmen.

Henry Wehder hingegen hat sich schon vor dem DLL nicht geschont. Der 55-Jährige, der in Norwegen lebt, hat seine Reise zu Fuß begonnen: Er ist am 12. Juni am Nordkap gestartet und nach Husum gelaufen, um auf Sylt beim DLL an den Start zu gehen. Von der Zugspitze will er seine Reise auf zwei Füßen fortsetzen in Richtung Gibraltar, von wo aus Wehder Athen anvisiert. Abschließend will der Wahl-Norweger den Spartathlon von Athen nach Sparta bestreiten. Das Ziel hinter allem: 10  000 Kilometer in nur 111 Tagen zurücklegen. „Nach dem Deutschlandlauf hat er sich dann warmgelaufen“, scherzt Co-Organisator Joachim Barthelmann.

Doch bei all den Superlativen sollten sich Hobbyläufer – und jene, die es noch werden wollen – nicht entmutigen lassen: Auch ein Ultraläufer hat mal klein – und vermutlich langsam – angefangen. „Wer mit dem Laufen anfangen möchte, sollte langsam hochfahren. Am Anfang macht es zum Beispiel Sinn, abwechselnd zu gehen und zu laufen“, raten Cornelia und Karl Rohwedder, „und die Umfänge nicht so schnell steigern.“ Sie können in jedem Fall nicht mehr ohne – in diesem Jahr verbringen sie ihren Haupturlaub beim Lauf zwischen Sylt und Zugspitze.

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