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Ungewöhnliche Pflanzen : In Gnutz wird Spitzentabak geerntet

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Aus der Redaktion der Landeszeitung

Henning Mehrens ist einer von drei Landwirten im Land, die sich auf die ungewöhnliche Pflanze spezialisiert haben. Er baut auf zehn Hektar seines Betriebes Tabak an.

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erstellt am 01.Aug.2015 | 17:00 Uhr

Die Ernte ist in vollem Gang. Zehn Hektar der maishohen Pflanze, die am Rande von Gnutz in voller Pracht blüht, gilt es in den nächsten Monaten abzubauen. „Eine schöne Arbeit, wenn das Wetter mitspielt“, sagt Henning Mehrens aus Gnutz. Er ist einer von drei Tabak-Bauern in ganz Schleswig-Holstein.

Doch das Wetter macht ihm und seinen Helfern derzeit einen dicken Strich durch die Rechnung. Die Erntemaschine hat sich durch den vielen Regen und dem aufgeweichten Boden mal wieder festgefahren. „Aber ich will nicht jammern, mit dem Wetter hat jeder Landwirt zu kämpfen.“ Und auch seinen seltenen Pflanzen geht es noch gut. „Einige neigen sich zwar durch den starken Wind bereits zu einer Seite, aber noch ist alles im grünen Bereich.“

Seit 1987 beschäftigt sich Familie Mehrens mit dem Tabak-Anbau. „Ich hatte schon immer eine eher pflanzenbauliche Neigung“, berichtet der Hausherr. „Und wir waren auf der Suche nach einer Kultur, die einen möglichst hohen Hektarertrag hat.“ Nachdem mit zwei Hektar Tabak vor 28 Jahren begonnen worden ist, stehen mittlerweile zehn zur Verfügung. Trotz der Beteiligung an einer Biogasanlage und der Haltung von Mastrindern, ist der Tabakanbau das Kerngeschäft des Landwirts.

Im Mai wird der Tabak im Gewächshaus ausgesät, zwei Monate später dann auf dem Feld ausgepflanzt. Die Ernte beginnt dann wiederum zwei Monate später und dauert bis in den Oktober hinein. Der Ertrag liegt bei rund 1,8 bis zwei Tonnen pro Hektar. „Trotz des schlechten Sommers gehe ich auch in diesem Jahr von einer durchschnittlichen Ernte aus“, sagt Henning Mehrens der selbst nicht mehr zur Zigarette greift. Pflegeleicht sei der Tabak nicht. Zu viel Wasser oder Wind schaden der Pflanze. Bei der Ernte brechen Blätter auch mal ab. Der in den Blüten befindliche Honig kann schädlich für die sensible Kultur sein. In dreier Schritten wird der Tabak geerntet. Per Hand. Dabei werden die ersten drei Blätter abgeschnitten. Die anderen nicht. „Nur die unteren sind reif. In 14 Tagen kommen wir dann wieder und die nächsten drei unteren Blätter werden geerntet.“ Die abgeschnittenen Blätter werden in Rahmen befestigt und anschließend in eine der sechs Trockungsanlagen auf dem Hof befestigt. Sechs Tage dauert die Trocknung bei rund 50 Grad. Anschließend werden die Blätter befeuchtet, damit sie beim Anfassen nicht sofort zerbröseln. Danach gehen die Tabakblätter nach Karlsruhe, wo sie weiter verarbeitet werden.

Mit den beiden weiteren Tabakbauern in Schleswig-Holstein steht Mehrens in engem Kontakt. „Wir kaufen viele Dinge, wie Düngemittel oder Saatgut gemeinsam ein und bieten unseren Tabak auch gemeinsam den Abnehmern an.“ Käufer gebe es nur zwei in Deutschland. „Mehr ist nicht nötig, wenn es nur rund 100 Tabakbauern deutschlandweit gibt.“

Wer raucht, sollte sich seinen Tabak mal genauer ansehen. Rund 30 verschiedene Sorten befinden sich in einer Mischung. „Da ist ganz sicher auch Gnutzer Tabak mit drin,“ sagt Mehrens. Zu erkennen ist dieser an der gelblichen Färbung: „Das ist dann der Virgin-Tabak.“ Die Abrenngeschwindigkeit sei relativ langsam. Ein geringer Nikotin- und Teergehalt zeichnet den Gnutzer Tabak aus. „Das liegt unter anderem an der wenigen Sonne, die wir hier haben“, sagt der 55-Jährige. Deshalb könne man auch sagen, dass es sich hier „um einen echten Spitzentabak handelt.“

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