In die Herzen gespielt

Jede Fremdheit verloren: Andreas Schwarz und Matthias Krohn, die beiden Marimberos, mit ihren Instrumenten. Foto: lz
Jede Fremdheit verloren: Andreas Schwarz und Matthias Krohn, die beiden Marimberos, mit ihren Instrumenten. Foto: lz

Die Marimba: Ein südamerikanisches Instrument zeigte sein Talent für europäische Musik

shz.de von
02. August 2013, 03:59 Uhr

Rendsburg | Beim 6. von neun Sommerkonzerten füllten 450 Besucher am Mittwoch die Rendsburger Marienkirche in Erwartung eines Musikerlebnisses der besonderen Art. Das German Marimba Duo war mit Modest Mussorgskis "Bilder einer Ausstellung" aus dem Jahr 1874 angekündigt. Die beiden Marimbavirtuosen Matthias Krohn und Andreas Schwarz nutzen seit den 80-er Jahren dieses ursprünglich in der afro-amerikanischen Musik beheimatete und mit dem Xylophon verwandte Instrument, um darauf europäische Stücke erklingen zu lassen.

Seit 1997 beschäftigen die Künstler sich mit einer eigenen Fassung der "Bilder einer Ausstellung". Wenige Stücke der klassischen Musik haben seit ihrem Entstehen mehr Breitenwirkung erzielt, dank der leichten Zugänglichkeit durch das musikalische Konzept. Immer wieder verlieh dabei die Erschließung für neue Instrumentierung, so durch Emerson, Lake and Palmer für Rockbands oder Isao Tomita für den Computer, Tagesaktualität.

Die Zuhörer in St. Marien erlebten eitere zukunftsweisende Interpretation mit der Bearbeitung durch die Marimbas erleben. Weit entfernt vom Xylophongeklöppel in der Art Orffscher Schulwerke verschmolzen dank Handwerkskunst vom Feinsten und Schnellsten die angeschlagenen Einzeltöne zu Klangfeldern, die vor den Augen und Ohren des Publikums zu den Bildern wurden, die Mussorgski bei der Komposition nach den Vorbildern des Malers Viktor Hartmann entstehen lassen wollte. Dabei kam das hölzern gedämpfte Klangprofil der Marimba der leicht düsteren Stimmung der Ausstellungsgegenstände entgegen. Die Darbietung führte zu spontanen Standing Ovations.

Als zweites Stück wurde Jules Emile Frederic Massenets Meditation aus der Oper "Thais" erstmals in der Instrumentierung für Violine und Marimba gespielt, eine Welturaufführung. Hier allerdings übernahm die durch die US-amerikanische Geigerin Page Woodworth gespielte Melodie zärtlich und fein die Leitung und die Marimbas, komplett zurückgenommen, umschlossen sie mit ihrer Begleitung bis zur Metamorphose zu einem Ohrwurm.

Die zum Abschluss gespielte kadenzgetränkte Eigenkomposition "Popsong" von Andreas Schwarz ließ das Publikum mitswingen. Der Beifall zeigte, dass die Mischung und Bandbreite der Marimbastücke sehr gut angekommen waren. Nach dem Konzert waren alle eingeladen, die Instrumente näher zu betrachten und auszuprobieren. Die Marimbas und ihre Marimberos hatten jede Fremdheit verloren und sich in die Herzen gespielt.

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