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Nortorf : In der Natur sind Kinder glücklicher

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Expertinnen informierten Eltern und Politiker über Vor- und Nachteile eines Naturkindergartens. Verwaltung soll den Weg ebnen.

Rund 30 Eltern sowie etliche Kommunalpolitiker versammelten sich am Mittwochabend im Nortorfer Rathaus, um sich über den sogenannten Naturkindergarten zu informieren. Marine Paustian, Leiterin des Naturkindergartens in Langwedel, und Maret Brunnert, im Vorstand des Bundesverbandes der Natur- und Waldkindergärten in Deutschland, berichteten umfangreich über eine solche Einrichtung und betonten: „Etwas Besseres können Sie Ihrem Kind gar nicht antun.“

Mit einem kurzen Film wurden Einblicke in den Alltag eines Natur- oder Waldkindergartens gezeigt. In der Natur sind keine Klettergerüste nötig, keine Wippe, keine Schaukel – die Kinder bauen ihre eigenen Spielgeräte, haben einen unendlich weiten Spielraum, testen ihre körperlichen Grenzen aus, sammeln eigene Erfahrungen. „Studien zeigen, dass die Kinder gesünder sind, mehr Selbstbewusstsein haben und genauso gut auf die Schule vorbereitet sind wie andere Kinder“, erklärte Maret Brunnert.

2006 wurde der Waldkindergarten in Langwedel gegründet. „Wir haben mit wenig angefangen“, berichtete Marine Paustian. „Mittlerweile haben wir zwei Gruppen und die Nachfrage ist sehr groß.“ Auch einen Einblick in den Alltag lieferte die Leiterin. In Rucksäcken hätten die Kinder alles dabei, Essen, Getränke und ein Sitzkissen. Die Erzieher sind mit allem Wichtigen ausgestattet: Vom Erste-Hilfe-Set über den Wasserkanister bis hin zu Büchern und Schnitzzeug für die Kinder. Der Weg hinein in den Wald und die Natur sei dabei oft schon Abenteuer genug. Am Ziel angekommen wird gespielt, getobt, gelesen, gesungen – „wie in jedem anderen Kindergarten eben auch“, so die Leiterin weiter. Die Vorteile in der Natur seien, so Brunnert und Paustian, dass die Kinder höhere Ruhephasen haben, ausgeglichener sind, dadurch, dass sie viel an der frischen Luft körperlich ausgelastet sind.

Aber auch auf die Nachteile gingen die Pädagogen ein. Sowohl die Kinder, als auch vor allem die Erzieher müssten für die Natur geschaffen sein. Dies finge allein schon da an, dass man keine Toilette habe. „Das Personal muss sich voll auf das Konzept einlassen. Nicht jeder mag in der freien Natur, wenn womöglich noch ein Spaziergänger mit seinem Hund vorbeikommt, auf die Toilette gehen“, berichtete Brunnert offen. Auch das Wetter könne halt nicht beeinflusst werden. „Bei extrem schlechter Witterung bleiben wir im Bauwagen“, sagte Marine Paustian. „Aber das sind vielleicht fünf Tage im Jahr.“

Nicht nur die Fragen der Eltern wurden von den beiden Fachfrauen beantwortet, auch den Politikern wurden wichtige Ratschläge mit auf den Weg gegeben. „Zu empfehlen ist es, den Naturkindergarten an eine bereits bestehende Einrichtung anzuschließen“, sagte Brunnert. Die Betreuungszeiten sollten ausreichend sein, Mittagessen angeboten werden können und eine Springkraft und/oder eine FSJlerin seien nötig. Denn: Der Personalschlüssel sieht zwei Kräfte vor. „Wenn sich beispielsweise ein Kind verletzt oder erkrankt und ein Erzieher aus dem Wald geht, muss eine Kraft ja dableiben“, erklärte Brunnert. Im Kreis Rendsburg-Eckernförde dürfen in einer neu gegründeten Waldkindergartengruppe 16 Kinder untergebracht werden.

Eltern, die sich noch nicht sicher seien oder sich einen eigenen Einblick verschaffen möchten, gab Marine Paustian noch einen wichtigen Hinweis mit auf den Weg: „Sie sind alle herzlich eingeladen in Langwedel mal vorbeizuschauen und sich selbst ein Bild von unserer Einrichtung zu machen.“

In der anschließenden Sitzung des Ausschusses beschäftigten sich die Kommunalpolitiker mit den Fragen: Was ist in Nortorf möglich? Wie hoch sind die Kosten? Wo könnte man den Kindergarten anschließen? Wo kann Essen angeboten werden? Die CDU und FDP hatten einen entsprechenden Antrag gestellt. Bis zur nächsten Sitzung sollen diese Fragen von der Verwaltung geklärt werden.

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erstellt am 20.Feb.2015 | 06:00 Uhr

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