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Innenstadt : Immer mehr Leerstand im Stegen

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Demnächst sind fünf von elf Geschäften verwaist – und in der Nienstadtstraße um die Ecke sieht es nicht besser aus.

Nach acht Jahren wirft Nguyen Hai das Handtuch. Der Textilhändler sieht für sein Geschäft im Stegen keine Zukunft mehr. „Stadt wie tot“, sagt der Vietnamese, der vor 25 Jahren in die DDR auswanderte und sich heute nach eigenen Worten „an die Verhältnisse im Osten“ erinnert fühlt. Beim Blick in den Bereich der Fußgängerzone vor seinem Laden sagt er: „Keine Leute kommen vorbei, kein Umsatz.“ Zum Jahresende gibt er auf. Sein Geschäft in Eckernförde laufe deutlich besser.

Links und rechts neben ihm kündigt sich ebenfalls Leerstand an. Der Frisör an der Ecke zum Stegengraben öffnet am 5. Oktober zum letzten Mal. Der gelb gehaltene Telefonladen auf der anderen Seite wechselt voraussichtlich noch dieses Jahr in die Hohe Straße. Das kleine griechische Restaurant einen Eingang weiter hat schon vor Wochen das letzte Gyros aufgetischt. Der Gold-Ankauf gegenüber räumte kurz zuvor das Feld.

Von elf Geschäften im Stegen stehen demnächst fünf leer. „Sehr bedauerlich“, findet Barbara Priese von der Coburg’schen Buchhandlung diese Entwicklung. „Je mehr dunkle Augen wir hier haben, desto mehr schreckt es ab.“ Die Buchhändlerin fordert, dass der Torbogen unter dem Alten Rathaus besser ausgeleuchtet werden müsse. Durch das düster-ungepflegte Ambiente des Durchgangs würden Passanten davon abgehalten, überhaupt in die Nähe des ehemaligen Hertie-Hauses zu gehen. Enttäuscht ist sie vom bisherigen Auftritt des neuen Stadtmarketings. „Wie lange sind die jetzt schon im Gange, und es ist nicht zu erkennen, wohin das Schiff fährt. Nimmt es uns kleine Kaufmannschaft mit?“ Auch Kay Hagge, Inhaber des gleichnamigen Schuhhauses schräg gegenüber, übt Kritik an der Stadt. „Bei uns kommt nicht an, dass sich was ändert.“ Im Stadtbild müsse deutlicher für die Innenstadt geworben werden, zum Beispiel vor verkaufsoffenen Sonntagen. Da könne Rendsburg noch viel von Eckernförde lernen. „Plakatwände sind ja auch nicht teuer.“

Auf die Frage, wie die mit sieben verwaisten Geschäften ebenfalls arg gebeutelte Nienstadtstraße seiner Einschätzung nach in zwei Jahren aussehen werde, fällt Kay Hagge auf Anhieb keine Antwort ein. Langes Schweigen am anderen Ende der Leitung. Und dann doch ein Wort – ein einziges: „Tja.“

 

 

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erstellt am 25.Sep.2013 | 06:15 Uhr

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