Gross Wittensee : Immer auf dem neuesten Stand

Moderne Hotelanlage: Der „Schützenhof“ in Groß Wittensee.
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Moderne Hotelanlage: Der „Schützenhof“ in Groß Wittensee.

Der „Schützenhof“ am Wittensee ist seit mehr als 120 Jahren im Familienbesitz. Er bietet Mittagstisch, Hotelbetrieb und einen großen Festsaal.

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06. Juli 2015, 17:00 Uhr

Vom Gastraum aus hat man den Wittensee gut im Blick. Große Windräder dominieren den Horizont, ansonsten ist die Südseite ist weitgehend unbebaut. „Darum betonen wir jetzt unsere Lage am See“, erklärt Bernd Schmidt. Am Telefon meldet er sich mit „Hotel Wittensee“. Denn: „Schützenhöfe gibt es viele.“ Aber die wenigsten davon bestehen seit über 120 Jahren und sind in der fünften Generation im Familienbesitz, so wie das Haus in den Hüttener Bergen. Etliche historische Aufnahmen am Eingang und im Gastraum zeugen von der Tradition des Gasthofes. Vom Ursprungshaus ist kaum noch etwas zu erkennen, so oft ist an- und umgebaut worden. Aber genau das hat dem Gasthof das Überleben gesichert. „Wir haben den Betrieb immer den Bedürfnissen der Gäste angepasst“, erklärt Wiebke Schmidt, die das Haus seit Anfang 2014 gemeinsam mit ihrem Mann Bernd führt.

Es waren Arbeiter, Händler, Bürstenmacher, die sich in den Anfangsjahren des Gasthofes in das „Fremdenbuch“ eintrugen. Zwei Exemplare existieren noch. Die Übernachtungsgäste mussten angeben, wann sie anreisten, welches ihr Geburtsort war, welchen Beruf sie hatten und wie ihr Reiseziel lautete. Die meisten von ihnen waren Preußen, unterwegs zum Beispiel nach Haby, Osterby oder Damendorf. Auch ein Schwede auf dem Weg nach Eckernförde war unter den Gästen. Schließlich lag und liegt die Herberge verkehrsgünstig zwischen Rendsburg und der Stadt an der Ostsee.

Sie liegt aber auch günstig mitten in Schleswig-Holstein. Ein Grund, warum heute Busunternehmen aus ganz Deutschland ihre Kunden am Wittensee einquartieren, um von dort aus Tagesfahrten nach Sylt, Lübeck oder Fehmarn zu unternehmen. Von Mitte April bis Mitte Oktober füllen diese Gäste den größten Teil der inzwischen 85 Zimmer. Doch nach wie vor steigen auch viele Geschäftsreisende am Wittensee ab.

Das Personal ist daher schon um 6.30 Uhr auf den Beinen, damit das Frühstück serviert werden kann. Um 10.30 Uhr herrscht wieder Ruhe im Gastraum. Wiebke Schmidt nippt an ihrem Kaffee. Die Kinder sind im Kindergarten. Auch ihre Eltern unterstützen sie bei der Betreuung des Nachwuchses, der fünf Jahre alten Zwillinge und des zwei Jahre alten Kleinkindes. Das Haus von Silke und Johannes Schmidt liegt gegenüber vom Hotel, daneben wohnt die junge Familie. Das hat Vorteile bei der Gestaltung des Alltags. Und das ihre Eltern noch im Betrieb mithelfen, sorgt dafür, „dass immer einer von der Familie anwesend ist“. Wiebke Schmidt weiß: „Die Gäste wollen den persönlichen Kontakt.“

Sie selbst war immer mit dabei, hat geholfen, kennt den Betrieb von klein auf. Dass sie ihn einmal übernehmen würde, war nicht geplant. Dennoch absolvierte sie mit 16 Jahren eine Ausbildung in der Gastronomie, verbrachte kurze Zeit in Amerika, ging in die Schweiz, arbeitete im „Waldschlösschen“ in Schleswig an der Rezeption und besuchte die Hotelfachschule. Als staatlich geprüfte Hotelbetriebswirtin kehrte Wiebke Schmidt in den Norden zurück – und blieb. Peu a peu übernahm sie immer mehr Aufgaben im elterlichen Unternehmen. „Es war ein fließender Übergang“, sagt sie. Das sei gut gewesen für sie, aber auch für die Stammgäste.

Veränderungen, nur mit Fingerspitzengefühl, sind notwendig, um den Betrieb in die Zukunft zu führen. Das erkannte schon Wiebke Schmidts Vater Johannes. Er machte aus der „Gaststätte mit sieben Fremdenzimmern“ ein Haus mit Gästezimmern. Später wichen die Etagenbäder der Dusche im Zimmer, dann wurde ein Telefonanschluss nachgefragt, heute ist es das Internet. Und seit Mai gibt es einen modernen Anbau mit Fahrstuhl für Gäste im Rollstuhl oder mit Rollator.

Auf der Karte stehen Cocktails und ebenso Sauerfleisch oder Aal in Gelee (nach dem Rezept der Urgroßmutter). Und da das Hotel an sieben Tagen die Woche den ganzen Tag geöffnet ist, bieten die Schmidts auch einen Mittagstisch. Nur am Donnerstag nachmittag ist geschlossen.

Ob Schützenverein, DRK oder Landjugend – „das ganze Dorf kam zum Feiern ins Gasthaus“, erinnert sich Wiebke Schmidt. Auch heute noch werden Hochzeiten, Geburtstage und andere Feste hier gefeiert. Die Gemeindevertreter tagen ebenfalls im „Schützenhof“.

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