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Krankenhaus : Imland-Klinik ringt um Pflegekräfte

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Betriebsrat warnt vor Überlastung der Kollegen / Markt ist leergefegt / Zahl der Absolventen der eigenen Schule reicht nicht aus

von
erstellt am 19.Mai.2017 | 12:24 Uhr

Der bundesweit beklagte Fachkräftemangel in der Pflege ist auch in Rendsburg spürbar. In der Imland-Klinik sind von 671 Stellen im sogenannten Pflege- und Funktionsdienst nach Aussage des Geschäftsführers Hans-Markus Johannsen zwar nur sechs unbesetzt (Stand Ende April). Allerdings berichtete der Betriebsratsvorsitzende Jörg Zimmermann, dass Pflegekräfte zum Teil Überstunden in dreistelliger Höhe angesammelt hätten. „So halten wir den Dienst aufrecht. Das ist auf Messers Schneide“, sagte er. Johannsen wies auf die dünne Personaldecke hin: „Es kann an einem Tag sein, dass fünf Leute nicht zum Dienst erscheinen. Dann wird es eng.“

Patienten bekommen diese Engpässe zu spüren. Wie berichtet, wartete Heike Storm (63) aus Schülp nach einem Sturz vom Fahrrad mit gebrochener Kniescheibe sechs Stunden lang in der Notaufnahme, bevor sie versorgt wurde. Johannsen begründete diesen Umstand: „Wir hatten an dem Tag ein hohes Patientenaufkommen. Die diensthabenden Ärzte waren in OPs gebunden.“ Wenn jemand in lebensbedrohlichem Zustand eingeliefert werde, erhalte er Vorrang.

Ein Besucher der Station 44 berichtete, dass an zwei Tagen in Folge Patienten in Betten auf dem Flur gelegen hätten. Johannsen führte aus: „Das lag an der Tagesbelegung. Die Infektionslage war deutlich stärker ausgeprägt als sonst.“ In diesem Jahr seien viele Patienten mit dem Norovirus eingeliefert worden. Deshalb mussten Bereiche gesperrt werden. Wenn Pflegekräfte Zimmer ausräumen und desinfizieren, müssten Patienten ausgelagert werden.

Der genannte Besucher hatte sich zudem über schmutzige Gänge beklagt. Der Geschäftsführer wies darauf hin, dass das Personal einen festgelegten Reinigungsplan zu erfüllen habe. „Der Stationsleitung lagen zu dem Zeitpunkt keine Beschwerden vor“, sagte er.

Die Klinik hielt 2016 insgesamt 563 Betten vor. Sie versorgte mehr als 42  500 Patienten voll-, teil-, vor- und nachstationär sowie ambulant. Gegenüber dem Vorjahr steigerte sie die Zahl der stationären Behandlungen um drei Prozent auf 79  000 Fälle, berichtete der Geschäftsführer. Bundesweit habe die Zunahme nur bei 0,5 Prozent gelegen.

Gleichzeitig stockte Johannsen das Personal im Pflege- und Funktionsdienst um 3,5 Prozent oder 18,5 Stellen auf. Von Januar bis zum Ende der Pflegeausbildung im April schuf er zusätzlich elf Stellen. „Im Oktober sind weitere Einstellungen zu erwarten“, kündigte er an. Zimmermann wies aber auf die Grenzen dieses Vorgehens hin: „Ich würde mir wünschen, dass wir mehr Personal vom Markt nehmen könnten, aber der Markt gibt nicht mehr her.“

Auch die Imland-Pflegeschule kann den Personalbedarf nicht decken. Der Leiter Hans-Joachim Carlsen berichtete, dass pro Jahr etwa 45 Pflegekräfte das Examen bestehen. Etwa 35 der Absolventen würden sich bei der Imland-Klinik bewerben, davon würden ungefähr 30 übernommen werden. „Wir müssen damit leben, dass nicht 100 Prozent hier bleiben wollen“, sagte er.

Während sich die Absolventenzahl seit Jahren auf konstantem Niveau bewegt, bereitet die Seite der Einsteiger zunehmend Sorgen. Vor zehn Jahren bewarben sich etwa 700 Interessenten, inzwischen aber nur noch 200 bis 250 auf die 50 Schulplätze. „Man muss bei der Auswahl unkritischer werden“, so Carlsen. Die Abbrecherquote liegt im Durchschnitt bei 25 Prozent. Die Einrichtung hat sich das Ziel gesteckt, dass 90 Prozent der Schüler das Examen auf Anhieb bestehen. „Wir haben Mühe, das zu halten“, räumte Carlsen ein.

Betriebsrat Zimmermann wies darauf hin, dass der Personalschlüssel der Klinik zwar besser als die Empfehlungen der Deutschen Krankenhausgesellschaft aussehe. Trotzdem warnte er davor, dass Kollegen wegen Überlastung kündigen könnten. „Man schneidet sich ins eigene Fleisch“, sagte er. Es sei eine Aufgabe der Politik, die Personalstärke abhängig vom Schwierigkeitsgrad der Pflege festzulegen.

Entspannter sieht die Personalsituation in der Augenklinik Rendsburg aus. Dort arbeiten etwa 15 Pfleger. Gesucht wird zurzeit nur eine Nachtschwester in Teilzeit. Allerdings sind ungefähr acht von 60 Stellen für medizinische Fachangestellte offen.

Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe will Untergrenzen für Pflegepersonal in Krankenhausbereichen einführen, in denen dies für die Patientensicherheit besonders wichtig ist. Das Bundeskabinett beschloss im April eine Formulierungshilfe für Änderungsanträge der Koalitionsfraktionen zu einem Gesetzesentwurf. Demnach sollen die Deutsche Krankenhausgesellschaft und der Bund der Krankenkassen die Pflegebereiche, etwa die Intensivstationen oder den Nachtdienst, und die Grenzen bis zum 30. Juni 2018 festlegen. Sollten sie dieser Aufforderung nicht nachkommen, würde das Ministerium die Vorgaben zum 1. Januar 2019 erlassen. Wer die Grenzen nicht einhält, soll unter anderem durch Vergütungsabschläge bestraft werden. Imland-Geschäftsführer Hans-Markus Johannsen steht diesem Vorstoß kritisch gegenüber. Das Gesetz könne dazu führen, dass Pflegekräften zwar geholfen werde, Patienten aber unversorgt bleiben. Wenn die Nichteinhaltung der Untergrenze auf einer Intensivstation bestraft werde, müsse eine Klinik bei Personalmangel Intensivpflegeplätze streichen. Allerdings gebe es in diesem Bereich in Schleswig-Holstein bereits einen Mangel. Johannsens Wunsch: „Wir brauchen Ausnahmetatbestände mit Augenmaß für unvorhergesehene Situationen, damit es nicht durch rigide Grenzen zu Pflegeengpässen kommt.“

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