Exkursion im Elsdorfer Wald : Im Reich der 7000 Pilze

„Pilz-Guru“ Sönke Lettau mit dem schmackhaften Ergebnis der Wanderung. Fotos: Hermann
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„Pilz-Guru“ Sönke Lettau mit dem schmackhaften Ergebnis der Wanderung. Fotos: Hermann

Zum Beginn der Sammelsaison unterwegs mit Mykologe Sönke Lettau

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21. September 2018, 16:17 Uhr

Ob es wegen der langen Trockenheit womöglich ein schlechtes Pilzjahr ist? Nein, das könne er in Schleswig-Holstein überhaupt nicht feststellen, antwortet Sönke Lettau. Mit stabilem Schuhwerk, Korb und Messer steht Lettau auf dem Parkplatz vorm Elsdorfer Wald. „Ein tiefer Mischwald mit viel Feuchtigkeit, ein ideales Gebiet“, freut sich der Mykologe, was nichts anderes bedeutet als Pilzspezialist. Wobei Pilzfreund es besser treffen würde, was demjenigen, der Lettau auf einer Pilzwanderung begleitet, schnell klar wird.

Nicht nur Speisepilze sind es, die ihn begeistern, auch über die giftigen Exemplare, Baumpilze und andere hat er die passenden Informationen parat – bei über 7000 verschiedenen Arten ein weites Feld. „Die Mykologie ist keine leichte Kunde“, sagt Lettau. Die Begeisterung dafür hat er von seinem Großvater geerbt, mit dem er schon als kleiner Junge vor über 40 Jahren durch die Wälder streifte. Max Lettau legte seinerzeit die erste Rote Liste gefährdeter Pilze mit an und arbeitete als ehrenamtlicher Pilzberater beim Kieler Gesundheitsministerium. Nun setzt der Enkel die Tradition fort.

„Am besten ist es, zunächst einmal die Giftpilze zu kennen“, lautet Sönke Lettaus grundsätzlicher Rat. An einem Grabenrand steht mit einem Perlpilz ein schmackhafter Speisepilz. Allerdings hat dieser einen gefährlichen Doppelgänger, den Pantherpilz, was vor kurzem einer Familie zum Verhängnis wurde. „Von daher ist es wichtig, immer selbstkritisch zu sein, im Zweifelsfall den Experten zu kontaktieren und alle Bestimmungsmerkmale zu kennen, da Details entscheidend sein können“, erklärt der Pilzexperte. Und Bestimmungsmerkmale können, wie beim tödlich giftigen Grünen Knollenblätterpilz, am Waldboden versteckt sein. Zur besseren Bestimmung sollte der Pilz von daher abgedreht werden und in eine extra Dose gepackt werden – nicht, dass am Ende versehentlich ein Giftpilz im Essen landet.

Apps und Bücher zur Bestimmung findet Lettau nur bedingt sinnvoll. Neu-Pilzsammlern empfiehlt er zunächst einmal, an Pilzwanderungen mit einem Profi teilzunehmen. Und das nicht nur einmal, denn die Pilzwelt ist vielfältig. Auf einem alten Buchenstubben weckt ein eher unscheinbarer Vertreter aus dem Reich der „Fungi“ das Interesse. Der Knoblauchschwindling verströmt den Duft der Namensgebenden Knolle und kann zum Würzen der Pilzpfanne benutzt werden.

Neben den Pilzen selbst ist es auch wichtig, einen Blick für deren Biotope zu entwickeln. Die sogenannten Mykorrhiza-Pilze gehen eine Symbiose mit bestimmten Baumarten ein, und in der Nähe der Hainbuche findet sich der Hainbuchen-Röhrling, der als nächstes in den Korb wandert. Es folgen die bekannte Marone und der eher unbekannte Beringte Schleimrübling. Die dunkelgraue Totentrompete trägt einen gefährlichen Namen, ist aber mit den Pfifferlingen verwandt und gilt als ein hervorragender Speisepilz.

Nach zwei Stunden sind es rund 60 Arten, die auf der kleinen Exkursion kennengelernt wurden. „Von Ende August bis Ende Oktober könnte ich mich komplett nur mit Pilzen beschäftigen“, sagt Lettau. Sei es, was die Beratung betrifft, aber auch Führungen. Wer den Geschmack des Waldes länger konservieren will, kann Pilze bei 50 Grad und leicht geöffneter Klappe im Backofen trocknen. Am besten schmecken die gesammelten Schätze allerdings frisch zubereitet, mit etwas Speck, Zwiebeln und Kräutern. „Wobei etwas Weißwein und Sahne einer Pilzpfanne auch nicht schaden“, sagt der Pilzfreund. Und dank fundierter Beratung kann diese sorgenfrei verzehrt werden.

>Weitere Informationen gibt es bei der Mykologische Arbeitsgemeinschaft Schleswig-Holstein unter www.pilze-schleswig-holstein.de

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