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Zensus in Rendsburg : Im Namen der Stadt: „Zahlen Sie Hundesteuer?“

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Zensus-Mitarbeiter dürfen Wohnungen nicht betreten – auch nicht auf Einladung.

Rendsburg Pierre Gilgenast hat es gut. Für seinen Hund zahlt Rendsburgs Bürgermeister bloß 60 Euro Steuern im Jahr. 40 Euro weniger als die Bürgerinnen und Bürger der Stadt, für die er verantwortlich zeichnet. Und der Chef der Verwaltung hat demnächst auch keinen Hausbesuch in dieser Angelegenheit zu erwarten. Weil Gilgenast in Fockbek und nicht in Rendsburg wohnt, gehört er nicht zu jenen 13.000 Haushalten, die Mitarbeiter der Springer Kommunale Dienste GmbH in den kommenden sieben Wochen persönlich aufsuchen werden. Wichtigstes Ziel der dritten „Hundebestandsaufnahme“ nach 1998 und 2004, so die offizielle Bezeichnung im Rathaus, ist es, zahlungsmüde Hundehalter ausfindig zu machen und für mehr Steuergerechtigkeit zu sorgen. 

Bereits die Ankündigung der Wauwau-Inventur trägt erste Früchte. Seit Ankündigung der Zählung vor drei Wochen unter anderem in der Landeszeitung haben 85 Hundebesitzer ihr Tier freiwillig bei der Stadt angemeldet. Ein Wert deutlich oberhalb des Normalen. Üblicherweise lassen sich die neu vergebenen Hundemarken pro Woche an einer Hand abzählen. „Mit 85 hatten wir nicht gerechnet“, sagt Alexander Söbbing aus dem Fachdienst Finanzen im Rathaus. Man erwarte durch die Hundebestandsaufnahme insgesamt 200 Neuanmeldungen und kalkuliere dadurch mit rund 20.000 Euro Mehreinnahmen für die Stadtkasse im Jahr.

Das könnte klappen. Das beauftragte Unternehmen verfügt nach eigenen Angaben über 20-jährige Erfahrung. Zahlreiche Städte des Landes, unter anderem Kiel, Heide und Bad Segeberg, vertrauten bereits auf die Dienste der Firma aus Düren in Nordrhein-Westfalen.

Projektleiterin Gaby Kulartz berichtet von einer Erfolgsquote, die durchschnittlich „15 bis 25 Prozent der gemeldeten Hunde“ entspricht. Den Mitarbeitern des privaten Dienstleisters sind bei ihren Hausbesuchen enge Grenzen gesetzt. Wichtigste Regel: Sie dürfen vor Ort keine Steuern und keine Gebühren erheben. An der Türschwelle ist Schluss. „Die Mehrheit der Bürger reagiert sehr freundlich, einige bitten uns sogar zu sich in die Wohnung“, sagt Zensus-Mitarbeiter Alexander Lauschat. „Das lehnen wir jedoch ab – grundsätzlich.“ Mit Kaffeepausen wäre das Pensum von 13000 Adressen in sieben Wochen auch nicht zu schaffen. Jeder der drei Mitarbeiter muss rechnerisch gut 100 Haushalte am Tag aufsuchen. Öffnet der Hausbewohner oder Wohnungsmieter nicht, hinterlassen die Helfer der Verwaltung ein Info-Schreiben der Stadt, das unter anderem auf die Anmeldepflicht hinweist. Nur bei einem begründeten Verdacht, dass sich Hunde in dem Haushalt befinden (Bellen, Fressnapf vor Tür, Achtung-Hund-Schild), kommen die Hundezähler ein zweites Mal.

Auf Diskussionen – auch eine Verhaltensregel – lassen sich die externen Mitarbeiter nicht ein. Doch dazu kommt es ohnehin selten, wie Gaby Kulartz aus Erfahrung weiß. „Viele Hundehalter sagen uns, wir sollen mal lieber Katzen zählen. Oder Pferde – die würden doch viel größeren Mist machen.“

 

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erstellt am 28.Okt.2014 | 11:35 Uhr

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