Begehrte Alben : Im Museum geht das Sammelfieber um

Illustration: Typisches Sammelbildchen, das zum Märchen „Der Wolf und die sieben Geißlein“ eingeklebt wurde.
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Illustration: Typisches Sammelbildchen, das zum Märchen „Der Wolf und die sieben Geißlein“ eingeklebt wurde.

Sonderausstellung über die Geschichte der Klebebilder

shz.de von
13. März 2018, 09:47 Uhr

Menschen sind bekanntlich seit jeher Sammler. Und es gibt kaum etwas, was nicht gesammelt wird. Das deutsche Bürgertum konnte seiner Sammelleidenschaft seit Ende des 19.  Jahrhunderts mit Sammelbildern frönen, die in verschiedenen Verpackungen mit Schokolade, Haferflocken, Kaffee, Margarine und bis 1955 gar in Zigarettenschachteln zu finden waren. Wer kennt sie also nicht? Die Sammelwut dauert bis heute an mit Stickern von Fußballhelden und Einhörnern.

Nun hat die wissenschaftliche Volontärin in den Museen im Kulturzentrum Rendsburg, Marina Kröckel, eine liebevoll ausgestattete Sonderausstellung unter dem Titel „Sammelfieber – stecken – kleben – tauschen“ fertig gestellt, die seit dem Wochenende geöffnet ist. Museumsleiter Dr. Martin Westphal, der als Jugendlicher selbst solch ein Album besaß, lobte seine junge Volontärin, weil sie sich auf die „wesentlichen Punkte konzentriert hat, was die Sammelbildchen-Alben hergeben können und was das Besondere daran ist.“

Die Ausstellung führt durch acht Stationen, die Sammelbilder zur deutschen, europäischen und internationalen Geschichte zeigen. Sportereignisse, Märchen, Flora, Fauna und Fußball sind nur einige Themen im Laufe der Zeit. Eine Tast- und eine Klebestation sowie die Suche nach Sammelbildern auf der gesamten Sonderausstellungsfläche runden den Museumsbesuch ab.

Viele Alben stammen aus den 1930er-Jahren, die auch demonstrieren, wie die Nazis die Alben zu Propagandazwecken mit sehr viel Text missbrauchten. „Gerade zu dieser Zeit“, so Marina Kröckel, „sind sie zu einem Massenprodukt geworden und trotz echter Fotos billig produziert worden. So kostete beispielsweise ein Album nur eine Reichsmark.“

In einer anderen Ecke sind Bildchen aus der Nachkriegszeit zu sehen. Weitere Alben zeigen herzig bemalte Märchenmotive oder friedliche Feld-Wald-Wiesen-Motive in blumig gehaltener Sprache. Und in einer der Vitrinen sind Alben mit Bildern von anderen Völkern ausgestellt, so wie sie damals mit all den gängigen Klischees gesehen wurden. Außerdem dürfen Sportbildchen ebenso wenig fehlen wie eine Ecke, wo der Besucher selbst solche Bildchen in ein Album kleben kann. Eine „Chill-Out-Lounge“ lädt ein, Entspannungsmusik zu hören, dazu in einem der Sammelalben zu blättern. Die Sonderausstellung in den Museen im Kulturzentrum ist bis zum 15.  April zu sehen. Öffnungszeiten: Dienstags bis freitags 10 bis 18 Uhr, sonnabends und sonntags 10 bis 17 Uhr.



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