Bamberger Haus : Ihre Großväter waren im Holocaust Opfer und Täter

Verbunden durch die Vergangenheit: Gabriela Maciejowska aus Polen und Uwe von Seltmann aus Deutschland.
Verbunden durch die Vergangenheit: Gabriela Maciejowska aus Polen und Uwe von Seltmann aus Deutschland.

Uwe von Seltmanns Liebe zu einer Polin. Heute im Jüdischen Museum auf den Spuren der Vergangenheit.

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17. März 2014, 11:05 Uhr

Die Ereignisse des Zweiten Weltkriegs haben Auswirkungen bis heute. Hautnah erfuhr dies der deutsche Journalist Uwe von Seltmann.

Polen 2006: In Krakau begegnet von Seltmann der polnischen Künstlerin Gabriela Maciejowska. Die beiden verlieben sich. Und müssen feststellen, dass die Vergangenheit sie auf tragische Weise miteinander verbindet. Es ist eine jener Geschichten, die Zuhörern und Lesern eine Gänsehaut bescheren.

Polen im Zweiten Weltkrieg: Von Seltmanns Großvater Lothar ist ein SS-Obersturmbannführer. Unter Odilo Globocnik – „einem der schlimmsten Schlächter der Nazis“, so der Enkel – ist er an der Niederschlagung des Warschauer Ghetto-Aufstandes beteiligt. 56 065 Menschen werden getötet. Wie viele durch Lothar von Seltmann, ist nicht bekannt.

Bekannt ist hingegen, dass Michal Paszdanowski, Rektor einer Schule in Zabie, zu den Opfern der Nationalsozialisten zählt. Er wird im April 1944 in Auschwitz ermordet. Seine Enkelin ist Gabriela Maciejowska.

Europa 2007: Die Polin und der Deutsche heften sich auf die manchmal nur noch spärlichen Spuren ihrer Großväter, reisen durch halb Europa, stellen unbequeme Fragen. War Lothar von Seltmann an der Ermordung von Gabrielas Großvater beteiligt?

Die Antworten kommen nur zögernd. Ein Teil von Uwe von Seltmanns Familie spricht nicht mehr mit ihm. Aber von Seltmann (Jahrgang 1964), der evangelische Theologie studiert hat, ist hartnäckig. „Ich kann nicht verstehen, wie ein intelligenter Mann, ein liebender Vater ... solch einen Hass in sich tragen konnte“, sagt er in einem Interview von seinem Großvater, der Polen und Juden vernichtete, wie man Insekten tötet.

Die Enkelin des Opfers hasst nicht. Sie liebt den Enkel des Täters. Gabriela Maciejowska und Uwe von Seltmann sind inzwischen verheiratet. Der Publizist lebt jetzt überwiegend in Krakau. Acht Bücher hat er veröffentlicht, eines davon heißt „Todleben – eine deutsch-polnische Suche nach der Vergangenheit“, das er heute im Jüdischen Museum vorstellen wird. Der Autor reist ohne seine Frau an. Aber auch alleine hat er viel zu berichten.

Lesung: Heute um 19 Uhr,

Jüdisches Museum, Eintritt acht Euro, ermäßigt sechs Euro, Reservierung empfohlen, Rufnummer 04331/25262

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