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Embühren im Naturpark Aukrug : Igel-Retter schwören auf Rührei vor dem Winterschlaf

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Damit Igel den Winter gut überstehen, sollte man sie füttern. Caroline und Ingolf Müller aus Embühren päppeln schwache und kranke Tiere auf.

shz.de von
erstellt am 28.Okt.2015 | 06:00 Uhr

Embühren | Igel haben es nicht leicht in diesen Zeiten: Bevor sie in den Winterschlaf fallen, müssen sie sich noch ausreichend Speck anfuttern, um nicht zu verhungern. Das Nahrungsangebot ist allerdings nicht sehr reichlich. Queren sie Straßen, droht ihnen der Tod – kein Tier wird hierzulande häufiger überfahren. Und haben sie ein Winterquartier gefunden, etwa unter aufgestapeltem Holz oder Laubhaufen in Gärten, sind sie auch da oft nicht sicher – viele Igel werden aus Versehen verbrannt oder mit Forken aufgespießt. Wer den Tieren, denen man derzeit abends oder nachts noch oft begegnen kann, helfen möchte, kann zwar viel falsch machen, aber eben auch ein kleines Leben retten, wenn er ein paar Dinge beachtet.

„Igel sind reine Fleischfresser. In der Natur ernähren sie sich von Würmern, Insekten, Larven und aus der Not heraus auch von Schnecken“, weiß Caroline Müller. Die 53-Jährige aus Embühren kümmert sich gemeinsam mit ihrem Ehemann Ingolf seit 2007 um verwaiste, kranke und abgemagerte Igel. Wer den Tieren etwas Gutes tun möchte, sollte ihnen also kein Obst, sondern Katzennassfutter, Mehlwürmer oder auch in Öl gebratenes, ungewürztes Rührei hinstellen. „Außerdem ist Wasser wichtig. Milch vertragen Igel nicht. Davon kriegen sie Durchfall – bei kleinen Igeln kann das sogar zum Tod führen“, so Müller. Und kleine Igel gebe es in diesem Jahr sehr viele: „2015 war für die Tiere eine Katastrophe. Der Sommer war zu nass und kühl, deshalb sind die Jungen zu spät geboren worden, so dass jetzt viele noch sehr klein und viel zu leicht sind, um den Winterschlaf zu überleben.“ Währenddessen verlieren sie nämlich etwa ein Drittel ihres Körpergewichts.

Wer solch ein Leichtgewicht unter 400 Gramm findet, das generell aber fit und munter wirkt, sollte es ins Warme holen und dort aufpäppeln. Hat sich das Tier genug Winterspeck angefuttert, kann man es nach und nach von der Wärme an die Kälte gewöhnen und ihm schließlich einen Schlafplatz etwa in einem Hasenstall in einer Scheune oder Garage anbieten. „Da die Igel zwischendrin immer mal wach werden, sollte man auch dann Wasser und ein bisschen Igeltrockenfutter hinstellen“, empfiehlt Caroline Müller.

Sie pflegt derzeit 21 Igel, die ihr aus ganz Schleswig-Holstein und Hamburg gebracht werden. Viele ihrer Schützlinge sind invalide: So fehlt einem Tier ein Hinterbein, ein anderes ist blind und einem dritten Igel fehlt ein Teil seiner Schnauze. „Diese Tiere dürfen bleiben. Alle anderen vermitteln wir im Frühjahr an Leute mit Garten, die sie weiter füttern und ihnen einen sicheren Unterschlupf bieten. Aber immer erst nach den Osterfeuern.“ Ihr ältester Schützling ist neun Jahre alt geworden.

Im Laufe der Jahre sind Caroline und Ingolf Müller wahre Experten in puncto Igel geworden, so haben sie bereits eine eigene Aufzuchtmilch für die kleinsten Tiere entwickelt. Während der vergangenen Jahre haben sie viele Erkenntnisse gewonnen: „Igel sind keine Einzelgänger. Sie suchen sogar Gesellschaft“, ist ihre Erfahrung. Außerdem sind sie sehr ortstreu und brauchen kein weitläufiges Revier. „Und es ist auch nicht jeder Igel voller Flöhe. Wenn man ihn aber gleich dagegen behandelt, kann man ihm damit sehr schaden. Flohmittel enthalten nämlich ein Nervengift.“

Zu Spitzenzeiten haben Müllers zwischen 60 und 70 Igel gepflegt – seinerzeit noch in Westerrönfeld, wo das Paar bis Anfang 2014 lebte. Hin und wieder bekämen sie eine kleine Spende. „Das meiste finanzieren wir aber selbst. Das Elend der Igel ist menschengemacht. Wir fühlen uns verpflichtet, es wenigstens ein bisschen wieder gutzumachen.“ Wer helfen möchte, kann eine Spende auf das Konto mit der Iban DE81214400450842391500 überweisen.

> Weitere Informationen und Bauanleitungen für Igelhütten unter www.igel-hilfe-westerroenfeld.de.

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