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Landeszeitung

21. Oktober 2017 | 12:06 Uhr

„Ich würde ihm nicht nachweinen“

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Der „Landsknecht“ ist kein erhaltenswertes Gebäude, meint Stadthistoriker Alfred Gudd – und fordert andere Schwerpunkte in der Denkmalpflege

shz.de von
erstellt am 02.Jun.2016 | 11:25 Uhr

Ob er nun historisch ist oder nicht, der „Landsknecht“ soll vor dem Verkauf stehen. Grund genug für LZ-Redaktionsmitglied Ulrich Hoeck, um mit dem Stadthistoriker Alfred Gudd über Denkmalschutz und den Umgang der Rendsburger mit ihrem alten Gemäuern zu sprechen.

Haben Sie den Eindruck, dass in der Stadt immer verantwortungsvoll mit den historischen Gebäudeensemblen umgegangen wird?
Verglichen mit vielen anderen Städten im norddeutschen Raum ist Rendsburg ein Kleinod. Aber zu viele Gebäude sind zu Denkmalen erklärt worden – und das ist teuer. Man kann ja keinen Hausbesitzer dazu zwingen, Geld zu haben und damit sein Denkmal so zu erhalten, wie es die Denkmalpflege gerne hätte. Auch deshalb verfallen viele Gebäude.

Viele Gebäude warten mit zu genagelten Fenstern darauf, einzustürzen. Beispielsweise an der Denkerstraße. Ist das so hinnehmbar?
Jedes Haus hat eine begrenzte Lebenszeit. Dazu kommt, wer will dort an der Tangente wohnen? Die Leute, die es sich leisten könnten, so ein Haus zu sanieren, sicher nicht. Und wenn man dort mit einem Haus Geld verdienen will, muss man vorher sehr viel investieren.

Heißt das, dass diese Häuser dem Verfall preis gegeben sind?
Viele sind aufgrund ihrer Lage auf Dauer wohl nicht rettbar. Aber solche Ecken gibt es in jeder Stadt.

1,3 Millionen Euro stehen für die Sanierung der nördlichen Innenstadt zur Verfügung. Das Angebot wird nur schleppend angenommen. Greift das Konzept überhaupt?
Ich denke schon. Neuwerk war einmal ein sozialer Brennpunkt, und die Sanierung ließ sich hier sehr, sehr schleppend an. Die Leute mussten richtig angefüttert werden, um hierher zu ziehen oder ihre Häuser zu sanieren. Aber die Sanierung ist gelungen, und auch die Bevölkerungsmischung ist deutlich besser geworden, als früher.

Sind die Rendsburger sich ihres architektonischen Erbes eigentlich richtig bewusst?
Ja, aber manchmal werden die Prioritäten falsch gesetzt. Nehmen sie Pelli, dessen Name ist in der Stadt allgegenwärtig, dabei war er in Rendsburg nur ein Unternehmer, der die Ideen von Henrik Ruse und Jobst Scholten umgesetzt hat. An die beiden geistigen Väter der heutigen Stadt wird aber nicht mal ansatzweise erinnert. Oder nehmen sie das Beispiel Landsknecht. Er wird immer als das älteste Bürgerhaus der Stadt bezeichnet. Das ist nicht wahr, das Ding ist ein Bau aus den 1950er Jahren. Von der alten Fassade sind nur noch ein paar Balken und die paar Figuren auf ihr original.

Ist er ihrer Meinung nach kein erhaltenswertes Gebäude?
In meinen Augen nicht. Natürlich bin auch ich der Meinung, dass man die Fassade irgendwie sinnvoll erhalten soll. Ich würde dem Haus allerdings auch keine Träne nachweinen, wenn es einstürzen würde, denn ich gehöre zu den Leuten, die mit der Endlichkeit von Gebäuden leben können. Nichts ist ewig.

Was halten sie von der energetischen Sanierung alter Gebäude. Inzwischen sieht man Häuser mit wärmedämmenden Fassaden, in denen die alten Reliefs nur noch aus Aussparungen hervorschauen.
Ich halte das für ein Konjunkturprogramm der Bauindustrie. Es zerstört die Ästhetik der Gebäude, diese Häuser könnten sonst wo stehen. Wenn man sich vorstellt, dass alle Häuser so umgebaut werden, graust es mir. Wenn ich meine alten Fassaden hinter solchen Dämmwänden aus Kunststoff verstecken muss, kann ich auch gleich abreißen und neu bauen.
Sie haben eingangs gesagt, Rendsburg ist ein Kleinod. Sehen sie die Gefahr, dass es sein Gesicht verliert?
Nein. Ich höre immer die Rendsburger über ihre Stadt maulen, dabei wird Rendsburg allgemein für eine schmucke Stadt gehalten. Allerdings hauptsächlich von Touristen. Die leerstehenden Geschäfte in der Innenstadt sind natürlich bitter. Aber nennen sie mir eine Stadt, die diese Probleme heute nicht hat.

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