Handball-SH-Liga : „Ich vermisse die Wertschätzung“

13 Jahre lang gab Gunnar Kociok die Richtung bei der HSG Schülp/Westerrönfeld vor. Nach der Saison 2013/14 trennte sich der Verein von seinem Coach.
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13 Jahre lang gab Gunnar Kociok die Richtung bei der HSG Schülp/Westerrönfeld vor. Nach der Saison 2013/14 trennte sich der Verein von seinem Coach.

Trainer Gunnar Kociok spricht im großen Exklusiv-Interview über seinen Rausschmiss bei der HSG Schülp/Westerrönfeld/Rendsburg und sein Engagement in Alt Duvenstedt.

shz.de von
13. Juni 2014, 06:05 Uhr

Die HSG Schülp/Westerrönfeld ohne Gunnar Kociok? Das war eigentlich undenkbar. 13 Jahre lang hatte Kociok auf der Trainerbank der HSG das Sagen, führte den Verein von der damaligen Bezirksliga bis hoch in die 3. Liga. Doch zuletzt lief es sportlich nicht mehr so ganz rund. Nach der Saison 2013/14 musste Schülp/Westerrönfeld sogar aus der Oberliga absteigen. Die Folge: Der Verein trennte sich von seinem langjährigen Coach und dessen Co-Trainer Detlef Horst. Mittlerweile haben beide einen neuen Verein gefunden. Ausgerechnet beim Nachbarschaftsrivalen und Mitabsteiger TSV Alt Duvenstedt, der wie die HSG Schülp/Westerrönfeld/Rendsburg den Wiederaufstieg in die Oberliga anstrebt, heuerten Kociok und Horst an. Die Landeszeitung sprach mit Kociok über seine Trennung von der HSG Schülp/Westerrönfeld/Rendsburg und sein Engagement beim TSV Alt Duvenstedt.

Herr Kociok, nach einer kurzen Auszeit wegen eines Bandscheibenvorfalls (die Landeszeitung berichtete) kehren Sie wieder auf die Trainerbank zurück. Warum gönnen Sie sich nach den zurückliegenden turbulenten Wochen und Ihrem Rausschmiss bei der HSG Schülp/Westerrönfeld/Rendsburg nicht mal eine Pause?

Gunnar Kociok: Ich fühle mich fit. Die Lust als Trainer zu arbeiten, ist immer noch da. Und ich wollte auch so nicht abtreten. Allerdings hatte ich nicht damit gerechnet, dass ich wieder so schnell eine Anfrage bekomme. Ich hatte mich schon darauf eingerichtet, eine längere Pause einlegen zu müssen.

Warum?

Es wurde ja von Seiten der HSG Schülp/Westerrönfeld/Rendsburg verlautbart, dass ich mindestens noch ein halbes Jahr ausfallen würde. Das stand ja auch in der Landeszeitung, so dass sich einige Vereine sicherlich gedacht haben, den brauchen wir gar nicht erst anzusprechen. Der packt es ja eh’ noch nicht. Umso erfreuter war ich über die Anfrage aus Alt Duvenstedt.

Wie groß war der Frust, nachdem Sie erfahren hatten, dass man bei der HSG Schülp/Westerrönfeld/Rendsburg für die kommende Saison nicht mehr mit Ihnen plant?

Groß. Zumal die Trennung nicht so ablief, wie man es sich nach so langer Zeit bei der HSG gewünscht hätte. Ich war sicherlich nicht irgendein Trainer bei der HSG Schülp/Westerrönfeld. Wenn man 13 Jahre irgendwo gearbeitet und über weite Strecken gute Arbeit abgeliefert hat, dann ist die Art und Weise, wie die Trennung zustande gekommen ist, recht abenteuerlich. Ich vermisse den Respekt und die Wertschätzung.

Inwiefern?

Ich habe hier vieles aufgebaut, habe Kontakte geknüpft, den Förderverein mit ins Leben gerufen, viele Spieler angeworben und mitgeholfen, die erste Herrenmannschaft über Jahre über Wasser zu halten. Dass man irgendwann einmal getrennte Wege geht, ist selbstverständlich, aber die Art und Weise ist entscheidend. Im Februar streikte mein Körper, so dass ich für den Rest der Saison ausfiel. Am Ende meiner Reha-Zeit in Damp hat man mir dann so ganz nebenbei mitgeteilt, dass man nicht weiter mit mir arbeiten möchte. Viele in dem Verein und aus dem Umfeld, auch meine Freundin, wussten aber schon lange vorher Bescheid. Das ist kein guter Stil. Da ist man dann schon menschlich schwer enttäuscht.

Zumal Sie sich bereits im Januar mit dem Verein auf ein weiteres Jahr geeinigt hatten.

Ja. Im Januar haben mein Co-Trainer Detlef Horst und ich für die neue Saison verlängert und auch schon dafür geplant. Ob das dann nur für die Oberliga gilt, ist Auslegungssache.

Hatte die Trennung nur rein sportliche Gründe? Oder haben sich auch einige an der Person Gunnar Kociok gerieben?

Woran es letztlich lag, kann ich nicht beurteilen. Vielleicht hatte Lutz Bünger (Leiter der HSG Schülp/Westerrönfeld/Rendsburg, Anm. d. Red.) ja andere Ideen. Es hieß ja auch, der Trainerwechsel wäre der Wunsch der Mannschaft gewesen. Ich habe allerdings mit einigen Spielern gesprochen und das hat mich ziemlich nachdenklich gestimmt, denn das wich doch deutlich von dem ab, was ich von Lutz erfahren habe. Bis heute kenne ich die wahren Gründe der Trennung nicht. Ob es wirklich aus der Mannschaft kam oder ob es ein Alleingang von Lutz war – ich weiß es nicht. Da ist immer noch ein Vakuum bei mir. Wenn man den Trainer wechseln will – kein Problem. Aber dann soll man mit offenen Karten spielen.

Viele Argumente für eine Vertragsverlängerung hatten Sie zuletzt allerdings auch nicht auf Ihrer Seite.

Fakt ist, dass wir bis auf die letzten drei Jahre durch die Bank erfolgreich waren. Zuletzt standen mir aber immer weniger gute Spieler zur Verfügung, da ist dann auch die Leistung stetig bergab gegangen. Ob das nun letztendlich nur an mir liegt, sei dahingestellt. Aber ich bin in den letzten drei Jahren quasi nur noch Bewegungstherapeut mit Ball gewesen und konnte nicht mehr richtig als Trainer arbeiten. Es kamen zwar einige Spieler, doch viele von denen konnten sich nicht anpassen und passten nicht ins Team. Es war zuletzt keine echte Mannschaft mehr. Zudem hatten wir mit vielen Verletzungen zu kämpfen. Da kam am Ende irgendwie alles zusammen. Das gipfelte dann auch noch in meiner Abwesenheit.

Wegen eines Bandscheibenvorfalls fielen Sie für das letzte Saisondrittel aus. Glauben Sie, dass mit Ihnen auf der Trainerbank in den entscheidenden Spielen der Abstieg hätte vermieden werden können?

Darüber kann man nur spekulieren. Detlef Horst hat alles, was ihm zur Verfügung stand, in die Arbeit reingeschmissen. Letztlich müssen sich die Spieler hinterfragen, warum es nicht zum Klassenerhalt gereicht hat.

Auch für den TSV Alt Duvenstedt hat es nicht zum Klassenerhalt gereicht. Der Verein musste absteigen, hat Trainer Thomas Carstensen entlassen und setzt seine Hoffnungen nun in Gunnar Kociok. Ist der sofortige Wiederaufstieg das erklärte Ziel?

Als Absteiger zählen wir sicherlich zum Kreis der Titelanwärter. Alt Duvenstedt ist vor zwei Jahren ja schon mal abgestiegen und hat den sofortigen Wiederaufstieg geschafft. Es spricht für den Charakter der Mannschaft, dass die Spieler damals nicht auseinander gelaufen sind, und auch diesmal bis auf wenige Ausnahmen alle Spieler dem Verein treu gelieben sind. Das zeigt mir, dass sie an sich und an die Zukunft der Mannschaft glauben. Wer mich kennt, weiß, dass ich immer den maximalen Erfolg will. Ich gebe mich nicht mit Platz fünf zufrieden. Wenn man nur im Mittelfeld mitspielen will, hätte man mich nicht verpflichten müssen. Wir wollen schon versuchen, bei der Vergabe der Meisterschaft ein Wörtchen mitzureden. Wenn es denn klappt, werden wir nicht ablehnen. Der Erfolg einer Saison hängt aber auch immer von vielen Faktoren ab, nicht zuletzt davon, ob alle Spieler gesund bleiben. Der Kader umfasst derzeit 17 Akteure. Wenn wir von Verletzungen weitestgehend verschont bleiben, sehe ich gute Chancen.

Kennen Sie denn die Schleswig-Holstein-Liga?

Nicht genau. Gegen viele Mannschaften haben wir mit Schülp/Westerrönfeld aber in der Vergangenheit schon gespielt. Ich schätze das Niveau in der SH-Liga sehr hoch ein, sicherlich stärker als letztes Jahr. Ich bin gespannt, was uns erwartet und freue mich auf die Saison.

Einer der Gegner und Mitkonkurrenten um den Titel wird dann auch HSG Schülp/Westerrönfeld/Rendsburg heißen.

Ja. Und es ist unbestritten, dass ich mich auf die Duelle mit der HSG Schülp/Westerrönfeld/Rendsburg freue. Das werden sicherlich ganz besondere Spiele.

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