Malermeister äußert sich : „Ich sehe keine Zukunft für diese Kirche“

Die altehrwürdige St.-Severin-Kirche in Hademarschen beschäftigt Frank Peters seit Jahrzehnten. Vor elf Jahren gab er seinen Auftrag zur Sanierung ab.
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Die altehrwürdige St.-Severin-Kirche in Hademarschen beschäftigt Frank Peters seit Jahrzehnten. Vor elf Jahren gab er seinen Auftrag zur Sanierung ab.

Streit um die Sanierung der St.-Severin-Kirche in Hanerau-Hademarschen.

shz.de von
16. April 2018, 11:24 Uhr

Hanerau-Hademarschen | Immer wenn Frank Peters aus Hanerau-Hademarschen an der St.-Severin-Kirche vorbeiläuft, gehen ihm zwei Gedanken durch den Kopf – Fassungslosigkeit und Mitleid. Der Maler- und Lackierermeister wohnt nur wenige Straßen vom bröckelnden Mauerwerk entfernt und hat seit Jahren eine ganz besondere Verbindung zu dem Gotteshaus.

2003 brannte die Kirche ab. Im Jahre 2007 war es sein Familienbetrieb „Frank Peters“, der den Auftrag bekam, die Sanierungsmaßnahmen in und an St. Severin zu übernehmen. „Für mich, der seit nahezu 45 Jahren in und an der Kirche arbeiten durfte, war dieser Auftrag seinerzeit eine Ehre“, erinnert sich Peters. Relativ schnell äußerte der 61-Jährige aber Bedenken. Grund war die damalige Auswahl der Anstrichmittel für die Außenbeschichtung. „Nach Prüfung durch das Architektenbüro, Kirchenvorstand und dem Hersteller wurden meine Bedenken bestätigt und das Material kam nicht zur Anwendung“. Es folgten nachhaltige Vorschläge des Maler- und Lackierermeisters. Immerhin sollte sein Konzept eine hohe wasserabweisende Wirkung aufweisen, um so das Mauerwerk vor Feuchtigkeit zu schützen. „Leider wurde es damals von den Verantwortlichen verworfen“, bedauert Peters. Die Kirchengemeinde schaltete schließlich einen Restaurator ein, der mehrere Probebeschichtungen mit Sumpfkalkmörtel unter Zumischung von Trasskalk anlegte. Eine wasserabweisende Wirkung sei nicht vorhanden gewesen, urteilte Peters vor elf Jahren. Daraufhin teilte er den Verantwortlichen mit, dass die Materialauswahl durch den Restaurator noch ungeeigneter sei als die ursprünglich ausgeschriebene. Der Einwand blieb ohne Erfolg. Der 61-Jährige bekam vom damaligen Architekten zu hören: „Herr Peters, machen Sie sich darüber bitte keine Gedanken, das entscheidet der Kirchenvorstand“.

Dieser Satz und weitere negative Tests veranlassten Frank Peters einige Zeit später schließlich, vom Auftrag zurückzutreten. „Das kann ich nicht verantworten. Ich habe das Bauschild vom Bauzaun mit einer Kneifzange abgekniffen und das Schild eingeladen.“

Wie im Artikel der Landeszeitung vom 30. März berichtet wurde, hat die Kirchengemeinde Hanerau-Hademarschen nun einen dreieinhalb Jahre langen Prozess gewonnen. Die Planer des Wiederaufbaus haben demnach die kompletten Kosten zu übernehmen. Die Schuld liege aber, so die Kirchengemeinde, beim falschen Mörtel. Das besagt auch ein Gutachten vom Landgericht Kiel, das der Landeszeitung vorliegt.

Frank Peters sieht die Ursache aber woanders: „Die Hauptursache für die Ablösung der Fugen vom Feldstein ist das Durchfeuchten des Mauerwerks und des Trasskalkmörtels.“ Das Urteil sorgt beim 61-Jährigen für Kopfschütteln, genauso wie der Blick ins Innere der Kirche. „Es ist alles voller Schimmel. Die holen da in der Woche mehrere 100 Liter Wasser aus der Raumluft. Der Schlagregen kommt ja von außen und wandert in das Mauerwerk.“

Das Thema „Sanierung St. Severin“ lässt Frank Peters auch nach elf Jahren nicht los. Es sei schließlich für ihn als Kirchengemeindemitglied auch sein Gotteshaus, das es zu retten gilt. Außerdem sei es immer seine Intention gewesen, Kosten für die Kirchengemeinde abzuwenden. Seinen Schritt, den Auftrag abzugeben, bereute Frank Peters zu keinem Zeitpunkt: „Wenn ich durchs Dorf laufe, klopfen mir 80 Prozent auf die Schulter, das hast du gut gemacht, sagen sie. Zehn Prozent sagen gar nix, und fünf Prozent sagen, der Peters hat einen Vogel.“

Wann die St.-Severin-Kirche wieder ihre Pforten öffnet, ist noch unklar. „Wir sagen bewusst keinen Termin“, erklärt Helge Buttkereit vom Ev.-Luth. Kirchenkreis Rendsburg-Eckernförde. Frank Peters sieht das pessimistischer: „Ich sehe keine Zukunft für diese Kirche, das ist leider so.“

Fakten zur Kirche

Im Jahr 2003 brannte die

Kirche bis auf ihre Grundmauern nieder.

Im Sommer 2007 wurde die Wiedereinweihung gefeiert.

Kurze Zeit später entstanden immer mehr Risse, das Gotteshaus bröckelte vor sich hin.

> Danach erhielt Frank Peters den Auftrag, die Kirche zu

sanieren. Er trat schließlich vom Auftrag zurück.

Das Urteil des Landgerichts Kiel besagt, dass die Planer des Wiederaufbaus sämtliche Kosten zu tragen haben, die auf den falschen Mörteleinsatz zurückzuführen sind.

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