Hilfe von der Erzieherin : "Ich freue mich über jeden kleinen Schritt"

DRK-Mitarbeiterin Birgit Bukatz entlastet die Familie Hornig.

Avatar_shz von
22. März 2013, 08:48 Uhr

Rendsburg | Das Baby kommt gesund zur Welt. Die Eltern freuen sich über den Erstgeborenen. Doch nur einen Tag nach der Entbindung erkrankt der Säugling an Hirnhautentzündung. Sieben Wochen lang wird das Kind auf der Intensivstation behandelt. Der Junge überlebt. Aber die Spätfolgen sind schwer. Der Kleine behält eine geistige Behinderung zurück.

"Marcel hat Orientierungsschwierigkeiten. Er ist Epileptiker und als kleineres Kind oft weggelaufen", sagt die Mutter. "Der Junge ist unruhig, lässt sich leicht ablenken und hat Erinnerungslücken." Der 15-Jährige muss intensiv betreut werden. Eine Herausforderung für die Eltern aus Rendsburg. Zur Unterstützung erhält Marcel, der die 9. Klasse der Sonderschule Hochfeld für geistig Behinderte besucht, eine Schulbegleitung.

Seit dreieinhalb Jahren haben die Eltern Sabine und Rainer Hornig weitere fachkundige Hilfe an der Seite. Zweimal in der Woche betreut die Erzieherin Birgit Bukatz für jeweils vier Stunden den Jugendlichen. Die Angestellte des Deutschen Roten Kreuzes ist Mitarbeiterin im Team des Familienentlastenden Dienstes. Dieses Angebot soll Angehörige von Kindern mit Behinderung so entlasten, dass die Eltern neue Kraft schöpfen können für ihren Alltag (siehe auch Artikel nebenan).

"Nach einem anstrengenden Vormittag in der Schule hat sich Marcel eine Aus-Zeit verdient", beschreibt Birigt Bukatz ihre Aufgabe. Es gehe in ihrem Beisammensein mit dem Jungen um Freizeitgestaltung und Alltagsbewältigung. Der Junge solle Normalität erleben. "Wir gehen einkaufen, bringen Altglas weg oder hören Musik." Marcel liebe Blasmusik und Songs von Helene Fischer. Eine Lieblingsbeschäftigung von Marcel seien außerdem Fahrten mit dem Bus. Kein Wunder: Denn der Vater arbeitet als Busfahrer im Rendsburger Stadtverkehr.

Die Mutter nutzt die freie Zeit, in der ihr Sohn von Birgit Bukatz betreut wird, vor allem für ihre zwölfjährige Tochter Sophie. "Ich kann dann bei den Hausaufgaben helfen". Oder sie genieße einen gemeinsamen Einkaufsbummel in der Stadt mit der Tochter. So komme die Hilfe durch den DRK-Service, der ihr damals von Müttern mit ebenfalls behinderten Kindern empfohlen worden sei, der gesamten Familie zu Gute. Sie sei froh, dass sie die zusätzliche Unterstützung habe.

"Marcel hat sich toll entwickelt." Auch Birgit Bukatz zieht eine positive Bilanz. Der Junge sei ein guter Sportler, habe schwimmen gelernt und wage mittlerweile sogar Sprünge vom Dreimeterbrett. Sie müsse viel Einfühlungsvermögen beweisen und Geduld haben. Denn vieles vergesse der Junge einfach wieder und stelle oft die gleichen Fragen. "Was jeder Mensch kann, das kann auch Marcel - er braucht nur etwas mehr Zeit dafür", weiß die Erzieherin. Doch ausschlaggebend sei das Ergebnis: "Ich freue mich über jeden kleinen Schritt, den wir zusammen gehen."

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen