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Im Gespräch : „Ich freue mich über jeden Besucher“

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Fragen an Pastor Rainer Karstens (St. Marien) über seine Pläne für den Heiligen Abend und die Stunden zwischen Gottesdiensten und Familie.

shz.de von
erstellt am 23.Dez.2013 | 14:00 Uhr

Zu Weihnachten strömen die Menschen in die Kirchen. Pastor Rainer Karstens (52) freut sich darauf. Der Geistliche bereitet sich seit mehreren Wochen auf die Gottesdienste vor, die er in der St.-Marien-Kirche halten wird. Im Gespräch mit unserem Redaktionsmitglied Dirk Jennert schildert er seine Sicht auf Geschenke, Predigten sowie Menschen, die nur zur Weihnachten die Kirche besuchen.

Herr Pastor Karstens, wie feiern Sie Weihnachten?
Im Grunde wie viele andere Familien auch. Ich habe am Heiligen Abend und am ersten Weihnachtstag zwar Dienst. Aber das ist für mich keine Last. Der Besuch des Gottesdienstes gehört für mich zu Weihnachten einfach dazu. In den vergangenen 20 Jahren habe ich nur einmal keinen Gottesdienst am Heiligen Abend geleitet, und zwar weil ich das Pech hatte, krank geworden zu sein. Am Gottesdienst habe ich damals aber trotzdem teilgenommen – als Besucher in der Kirchenbank.

Bleibt am morgigen Heiligen Abend Zeit für die Familie?
Selbstverständlich. Ich leite am Heiligen Abend den Familiengottesdienst um 15 Uhr und die Christvesper um 16.30 Uhr. Gegen 18 Uhr werde ich zu Hause sein und mit meiner Frau und unseren beiden Kindern Weihnachten feiern. Dann ist der ganze Trubel vorbei, und es ist Zeit für ein gutes Essen und die Bescherung.

Manchen Leuten geht es zu Weihnachten ausschließlich um die Geschenke. Macht Ihnen das etwas aus, dass die christliche Botschaft bisweilen auf der Strecke bleibt?
Sie bleibt ja gar nicht auf der Strecke. Denn sich etwas zu schenken, hat eine Tradition, durch die die christliche Botschaft sehr wohl transportiert wird. Wenn man jemandem etwas schenkt, signalisiert man damit: Ich habe dich im Blick. Man hat sich Gedanken gemacht, wie man dem anderen eine Freude bereiten kann. Das korrespondiert mit der freudigen Botschaft der Engel.

Wie groß ist für Sie der Aufwand, sich auf die Weihnachtsgottesdienste vorzubereiten?
Weihnachten ist der Höhepunkt des gottesdienstlichen Jahres. Damit alles reibungslos klappt, muss man schon einigen Aufwand betreiben. Die Lieder werden sorgsam ausgewählt und mit dem Organisten abgesprochen, man muss sich mit Küstern und Lektoren abstimmen, die Gottesdienstblätter drucken lassen und natürlich an seiner Predigt feilen.

Was nimmt die meiste Zeit in Anspruch?
Die Predigt. Ich arbeite seit Anfang Dezember daran, allerdings nicht ununterbrochen, sondern immer mal wieder. Manche Gedanken müssen reifen. Am Ende wird die Predigt im Idealfall etwa zehn bis zwölf Minuten in Anspruch nehmen.

Sie könnten Versatzstücke aus alten Predigten nehmen. Würde Ihnen das die Arbeit nicht erleichtern?
Das könnte ich nicht und das will ich auch nicht. Eine gute Predigt ist zugeschnitten auf die Zeit, in der sie gehalten wird. Das heißt: Sie ist nicht beliebig auf eine andere Zeit oder ein anderes Jahr übertragbar.

Zu Weihnachten ist in den Kirchen meist kaum noch ein Platz zu bekommen – während sich die Menschen den Rest des Jahres eher selten in den Gotteshäusern blicken lassen. Ärgert Sie das?
Das ärgert mich keineswegs. Ich halte gar nichts davon, den Menschen vorzuwerfen, dass sie vielleicht nur einmal im Jahr die Kirche besuchen. Ich freue mich über jeden, der kommt – und zwar ausdrücklich auch über diejenigen, die keiner Kirche angehören.

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