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„Ich bin eine Lobbyistin für die Frauen im Kreis“

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Interview mit neuer Gleichstellungsbeauftragten Silvia Kempe-Waedt

shz.de von
erstellt am 07.Apr.2015 | 12:22 Uhr

In „große Fußstapfen“ müsse sie treten, sagt Silvia Kempe-Waedt, die neue Gleichstellungsbeauftragte im Kreis. Am 1. April löste sie Hannelore Salzmann-Tohsche ab, die diese Tätigkeit über 20 Jahre ausübte. Kempe-Waedt (37) kommt aus Kiel, ist verheiratet und hat zwei Kinder. Mit LZ-Redakteur Tilmann Post sprach sie über ihre neue Aufgabe.

Gleichstellungsbeauftragte ist kein Ausbildungsberuf – wie sind Sie dazu gekommen?
Das war Zufall. Nach meinem Studium der Politik- und Verwaltungswissenschaften habe ich bei der Volkshochschule Kiel im Projekt „Kieler Forum Weiterbildung“ gearbeitet. 2012 bin ich durch auf die Stellenausschreibung im Referat für Gleichstellung aufmerksam geworden. So kam ich von der Erwachsenenbildung zur Gleichstellung – ein Feld mit sehr interessanten Themen.

Wozu ist Gleichstellung überhaupt noch nötig?

‚Wir sind doch gleichgestellt‘, heißt es heute oft. Das ist in vielen Bereichen auch so, dafür haben die Gleichstellungsbeauftragten in den vergangenen 20 bis 30 Jahren gearbeitet. Wo Frauen benachteiligt sind, muss weiterhin nachgebessert werden. Ich sehe mich durchaus als Lobbyistin im Kreishaus für die Belange von Frauen. Gleiche Chancen zu schaffen heißt aber nicht, Frauen zu bevorteilen – das ist nicht Sinn von Gleichstellungsarbeit.

Woran haben Sie bislang gearbeitet?
Ich habe in Kiel schwerpunktmäßig an den Themen Prostitution, Alleinerziehende und Frauen in der rechtsextremen Szene gearbeitet. Außerdem ging es um Entgeltgleichheit, dazu wird jährlich im März der „Equal Pay Day“ veranstaltet, um auf die Lohnungleichheit zwischen Männern und Frauen hinzuweisen. Daran beteilige ich mich als Gleichstellungsbeauftragte weiterhin. Das ist herausfordernd, weil das Thema schwer zu vermitteln ist.

Was steht auf Ihrer Agenda für den Kreis Rendsburg-Eckernförde?
Ich denke, dass auch hier die Situation von Alleinerziehenden stark verbesserungswürdig ist. Auf dem Land ist das Betreuungsangebot für Kinder nicht so ausgeprägt wie in der Stadt. Hinzu kommen lange Fahrtzeiten, beides hindert alleinstehende Mütter häufig an der Berufstätigkeit. Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf bleibt künftig ein Thema – nicht nur für Frauen. Männern möchte ich zeigen, dass Teilzeitarbeit attraktiv sein kann, um mehr Zeit für die Familie zu haben. Die üblichen Rollenmodelle sind nicht mehr zeitgemäß.

Welche Möglichkeiten haben Sie, über die Arbeit in der Kreisverwaltung hinaus etwas zu bewirken?
Das geht nur über Netzwerke zu anderen Gleichstellungsbeauftragten, Fachberatungsstellen und zu Einrichtungen, die auch für Frauen arbeiten, etwa die Diakonie. Wenn ich weiß, wer welchen Bedarf hat, kann ich dazu beispielsweise Arbeitstreffen und Aktionen organisieren oder Broschüren herausgeben. Deshalb bestehen meine ersten Tätigkeiten darin, Anknüpfungspunkte an die Netzwerke im Kreis zu finden. Dazu bin ich jetzt erst einmal viel unterwegs. Gleichzeitig ist bekannt, dass es diese Stelle beim Kreis gibt – wer also ein Anliegen hat, ist eingeladen, zu mir zu kommen. Wenn ich helfen und mich im Rahmen dieser Stelle einsetzen kann, mache ich das. Die Tür ist offen. Moderne Gleichstellungsarbeit heißt aber auch, über die neuen Medien die Menschen zu informieren. Dies ist insbesondere für die jüngere Generation wichtig.

Setzen Sie sich auch für Asylbewerberinnen ein?
Ja, angesichts der Flüchtlingswelle ist das ein großes Thema. Auch hier gilt, dass ich mich nicht allein darum kümmern kann. Dafür brauche ich Mitstreiter, die ein Interesse an der Hilfe für Frauen aus Krisengebieten haben. Zusätzlich ist die Durchmischung mit anderen Nationalitäten und Kulturen in der Verwaltung eine Aufgabe für mich. Denn wir haben auch in der Bevölkerung gut ausgebildete Migrantinnen, die nach der Familiengründung nicht ihr eigenes Geld verdienen. Ich möchte diese Frauen motivieren, etwa eine Ausbildung in der Verwaltung zu machen.

Inwiefern führen Sie die Arbeit Ihrer Vorgängerin weiter?
Hannelore Salzmann-Tohsche hat große Fußstapfen hinterlassen. Mit dem Generationswechsel gibt es sicher einige andere Schwerpunkte. Zum Beispiel muss ich nicht mehr bei jeder Stellenausschreibung der Verwaltung darum kämpfen, beteiligt zu werden. Das ist inzwischen selbstverständlich geworden. Personalverantwortliche berücksichtigen die Bewerbungen von Frauen bei gleicher Eignung bevorzugt, das ist heute keine hohle Phrase mehr – dank der Gleichstellungsarbeit der vergangenen Jahrzehnte.

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