Hundesteuer : Hundezählung lässt die Rendsburger Stadtkassen klingeln

Für Rendsburg lohnte sich der Hundezensus. 207 Vierbeiner waren nicht angemeldet. Auch in anderen Städten in SH gibt es viele säumige Halter.

shz.de von
07. Januar 2015, 10:22 Uhr

Rensburg | Durchschnittlich rund 100 Euro kostet in Schleswig-Holstein ein Hund jährlich an Steuern – mit großen regionalen Unterschieden. Doch nicht bei allen Besitzern scheint sich die Steuerpflicht für ihre Vierbeiner herumgesprochen zu haben, wie jetzt das Ergebnis einer Bestandsaufnahme in Rendsburg zeigt: 1400 Hunde sind dort nun registriert, davon wurden 207 Hunde neu angemeldet.

Rund 13.000 Haushalte waren zur vollständigen Erfassung aller Hunde in Rendsburg von Oktober bis Dezember befragt worden. Wer an seiner Haustür als Steuerpreller ertappt wurde, musste seinen Vierbeiner unverzüglich anmelden und die Gebühr nachträglich bezahlen.

Die Rechnung der Stadt ist einfach: rund 20.000 Euro kostet sie der Aufwand für den Zensus, doch jeder Hund bringt Rendsburg Steuern in die klamme Kasse. Somit sind die Kosten bereits im Jahr der Zählung wieder hereingeholt. Rendsburg zählt schon zum dritten Mal – und ist in Sachen Hundezensus kein Einzelfall. Auch in vielen anderen Städten Schleswig-Holsteins wurden auf diese Art säumige Steuerzahler entdeckt.

„Wir haben 2001 eine erste Hundezählung durchgeführt, 600 Hunde wurden damals angemeldet“, berichtet etwa Hans-Günter Szislo, Fachbereichsleiter für Finanzen in Neumünster. „Bei der zweiten Zählung 2011 wurden bei einem vorherigen Bestand von 3550 Hunden 615 neu angemeldet.“ Einmaligen Kosten von 92.000 Euro für die jüngste Bestandsaufnahme stünden jährliche Mehreinnahmen von mehr als 60.000 Euro gegenüber. „Ab dem zweiten Jahr lohnt es sich. Wir werden das auf jeden Fall wieder machen.“

Ähnlich sieht es in Lübeck aus. „Schon durch die mediale Ankündigung einer geplanten Zählung 2012 gab es plötzlich ganz viele neue Anmeldungen“, berichtet Sprecher Marc Langentepe. Bei einem registrierten Bestand von 8200 Hunden kamen kurz darauf 800 hinzu. Bei einer ersten Aktion im Jahr 1998 waren es sogar über 1300, so Langentepe.

Die Landeshauptstadt Kiel hat im Jahre 2000 eine Hundezählung durchgeführt. Zuvor waren nach Angaben eines Sprechers 5842 Hunde im Stadtgebiet registriert. Die Zählung habe ergeben, dass es tatsächlich 7429 Hunde waren, 1587 Tiere mehr als angegeben. Das Plus an Einnahmen war damals auf 330.000 DM im Jahr berechnet worden.

Ganz anders sieht es an der dänischen Grenze aus. „Eine Hundezählung haben wir bei uns noch nie gemacht und machen sie auch zukünftig nicht“, erklärt Flensburgs Stadtsprecher Clemens Teschendorf. Wenn es einen Verdacht oder Hinweise auf Steuerhinterziehung bei Hundehaltern gebe, würde die Polizei der Sache nachgehen. „Man muss immer überlegen, ob sich solch ein Aufwand an Personal und Finanzen lohnt. Wir sind der Meinung, dass wir ohne Zählung gut klar kommen.“

Auch in Norderstedt will man keine Hundezählung in Angriff nehmen: „Wir haben rund 3500 angemeldete Hunde“, sagt Sprecher Bernd-Olaf Struppek. „Es ist zu befürchten, dass es eine gewisse Quote nicht angemeldeter Hunde gibt, aber es gibt keine Hinweise, dass es viele sind. Unsere Politik geht diesen Weg nicht.“

Vielleicht sei das Verfahren an sich ja auch überhaupt nicht nötig – allein die Drohung der Maßnahme reiche doch aus, wie ein Stadtsprecher scherzhaft vorschlägt.  

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