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Wehrmachtstradition in der Bundeswehr : Hugo-Junkers-Kaserne: Der Namensgeber mit weißer Weste

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Der Name der Kaserne in Alt Duvenstedt geht nicht auf Wehrmachtstradition zurück – eine Umbenennung ist nicht zu erwarten.

shz.de von
erstellt am 17.Mai.2017 | 19:36 Uhr

Alt Duvenstedt | Wehrmachtstradition in der Bundeswehr? Beim Lufttransportgeschwader (LTG) 63 Fehlanzeige. Mit Hugo Junkers hat die Kaserne in Alt Duvenstedt (Kreis Rendsburg-Eckernförde) einen Namensgeber, der keinesfalls in einen Zusammenhang mit Nationalsozialisten gebracht werden kann. Im Gegenteil, der Flugzeugpionier wurde während der Nazi-Herrschaft drangsaliert und verlor alles, was er sich aufgebaut hatte. Damit dürfte der Standort nicht ins Visier von Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen geraten. Sie will Kasernen, die Namen von Kriegshelden aus der Nazi-Zeit tragen, umbenennen.

Hintergrund ist der Fall des terrorverdächtigen Offiziers Franco A., der im elsässischen Illkirch stationiert war. Bereits lange bevor er ins Visier der Ermittler geriet, soll er rechtsextreme Theorien offen vertreten haben, ohne dass das Konsequenzen hatte. Von der Leyen tritt nun dafür ein, dass die Bundeswehr ihre eigene Geschichte in den Vordergrund stellt. „Wehrmachtshelden“ müssten aus der Namensgebung verschwinden. Das könnte etwa den Standort Appen betreffen, der nach dem Flieger Hans-Joachim Marseille benannt wurde oder die General-Thomsen-Kaserne im nordfriesischen Stadum.

Die Verbände des Lufttransports sind hingegen völlig frei von Wehrmachtstraditionen, versichert Oberst Hartmut Zitzewitz, Kommodore des LTG 63. „Es gibt keine Bezugspunkte ins ‚Dritte Reich‘ und damit auch keine Grundlage, nationalsozialistisches Gedankengut zu entwickeln, geschweige denn zu pflegen“, sagte er zum sh:z. Stattdessen stehe der Lufttransport für Hilfeleistung in der ganzen Welt. „Deshalb wird die Transall auch ‚Engel der Lüfte‘ genannt. Ich bin stolz auf die Geschichte des LTG 63. Sie fußt auf der humanitären Hilfsfliegerei der 1970er- und 1980er-Jahre“, so Zitzewitz. Die Kaserne in Alt Duvenstedt habe mit Hugo Junkers zudem einen Namensgeber mit „weißer Weste“. Seit 1989 ist der Standort nach dem Flugzeugkonstrukteur benannt. Vorher lautete die Bezeichnung schlicht „Kaserne Krummenort“.

Eine Büste des Flugzeugpioniers Hugo Junkers steht vor einer „Ju 52“ im Technikmuseum in Dessau. Junkers ist der Namensgeber der Alt Duvenstedter Kaserne.
Eine Büste des Flugzeugpioniers Hugo Junkers steht vor einer „Ju 52“ im Technikmuseum in Dessau. Junkers ist der Namensgeber der Alt Duvenstedter Kaserne. Foto: dpa

Damit sollte der Ingenieurleistung Junkers’ ein ehrenvolles Andenken gesetzt werden. Er lebte von 1859 bis 1935 und hatte eines der wichtigsten Flugzeuge in der Geschichte der Luftfahrt konstruiert – die Ju 52. Die dreimotorige Maschine startete 1932 zu ihrem Jungfernflug. „Ein rein ziviles Modell“, so Zitzewitz. Nach der Machtergreifung der Nazis im Jahr 1933 forderte das Reichskommissariat Luftfahrt jedoch, dass Junkers alle seine Patente ohne Gegenleistung auf den Staat überträgt. Denn er galt als politisch unzuverlässig, bewegte sich in liberalen Kreisen, verkehrte etwa mit Walter Gropius und Max Liebermann. Um ihn gefügig zu machen, nahmen die Nazis auch Familienangehörige und enge Mitarbeiter in Schutzhaft. Schließlich wurde er gezwungen, aus seinen Betrieben in Dessau auszuscheiden. 51 Prozent seiner Aktien gingen an das Reichsluftfahrtministerium. Hugo Junkers starb kurze Zeit später am 3. Februar 1935, an seinem 76. Geburtstag.

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