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Hürden auf dem Weg zur neuen Tourist-Info

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Axel Hennecke fährt mit seinem Rollstuhl am Alten Rathaus vorbei. Vom gläsernen Anbau kommend lässt er den Torbogen rechts liegen und wird von einer flach wirkenden Erhebung gestoppt: Die Fußbretter seines Rollstuhls schaben geräuschvoll über den Boden. Zwei Meter vor der künftigen Tourist-Information ist für den 51-Jährigen Schluss.

Zum jetzigen Zeitpunkt ist der neue Standort der Tourist-Information nicht barrierefrei. Ab März wird der Anlaufpunkt für Gäste nicht mehr am Schiffbrückenplatz, sondern am Altstädter Markt zu finden sein (wir berichteten). Damit der Info-Tresen nach dem Umzug in das Alte Rathaus auch für Behinderte erreichbar ist, müssen einige Umbauten vorgenommen werden.

Axel Hennecke, seit 2003 Behindertenbeauftragter der Stadt, macht an dem historischen Gebäude mehrere Probleme deutlich: Die beiden Stufen vor der Eingangstür sind mit einem Rollstuhl oder Rollator unüberwindbar. Er geht davon aus, dass eine Rampe mit den zulässigen sechs Prozent Steigung hier sehr lang werden würde. Die nächste Hürde: Die Holztür ist mit ihren 86 Zentimetern Breite zu schmal. „90 müssten es sein“, sagt der Fachmann. „Das wäre eine riesige Umbaumaßnahme und mit großen Kosten verbunden“, lautet seine Einschätzung. Wie schwierig solche Veränderungen an dem unter Denkmalschutz stehenden Gebäude sind, weiß der Behindertenbeauftragte noch aus dem Jahr 2003: Zehn Jahre hatte es gedauert, bis der 125  000 Euro teure Aufzug im gläsernen Rathaus-Anbau – in Sichtweite von der neuen Problemzone – benutzt werden konnte.

Hennecke geht es dabei nicht allein um Rollstuhlfahrer: „Es bringt auch nichts, wenn nur ein Teil der Behinderten reinkommt“, sagt er und denkt dabei an blinde Mitbürger, für die der Eingang schwer zu finden ist. Hier könnten Leitstreifen im Boden helfen.

Welche Umbauten vorgenommen werden müssen, möchte Monika Heise, Chefin der Tourist-Info, nun ermitteln lassen. „Jeder soll uns erreichen. Wir prüfen, wie wir das hinkriegen.“ Sie will Hennecke als Experten hinzuziehen. Voraussichtlich bis Ende des Monats ist die Tourist-Info am Schiffbrückenplatz vertreten, bestenfalls ab dem 9. März dann in den neuen Räumen, erklärt Heise die Pläne. Sie hofft, gleich barrierefrei an der neuen Adresse loslegen zu können.

Deutlich pessimistischer ist Rita Ihrig, Mitglied im Arbeitskreis für Menschen mit Behinderung: „Ich sehe da ganz große Schwierigkeiten“, sagt sie und befürchtet, dass der Umbau lange dauern wird oder sogar gar nicht umsetzbar ist. „Dann bliebe behinderten Menschen der Zutritt verwehrt.“ Sie hofft, dass die Räume am Altstädter Markt nur eine Übergangslösung sind. Dass der Umzug feststeht, bevor die Barrierefreiheit durchdacht ist, überrascht Ihrig nicht – aber es enttäuscht sie. „Es ist leider keine Selbstverständlichkeit, von vornherein daran zu denken.“

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