Einweihung : Hotel und Kunst im Einklang

Die Fassade des Hotels besteht aus erodierten Cortenstahl-Segmenten. Sie umhüllen den Backstein des Gebäudes. Der Neubau umfasst 20 Zimmer.  Fotos: Riebensahm (2)
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Die Fassade des Hotels besteht aus erodierten Cortenstahl-Segmenten. Sie umhüllen den Backstein des Gebäudes. Der Neubau umfasst 20 Zimmer. Fotos: Riebensahm (2)

Neubau des Boutiquehotels „ONNO“ eröffnet.

shz.de von
02. August 2018, 09:36 Uhr

Rendsburg | Claas Norman Mäder liebt die Kunst. Der gebürtige Rendsburger Hotelier bewegte sich schon als Kind wie selbstverständlich in der Welt der Künstler. Angrenzend an das Stadthotel „Neuwerk“, das Mäders Mutter seit 1987 führte, hatte Kurator und Grafiker Wolfgang Gramm lange Zeit ein Atelier. Der junge Mäder sah dort die eine oder andere Arbeit Gramms entstehen.

Schöne Künstleranekdoten kann er aus dieser Zeit erzählen, und nicht nur diese sind dem 35-jährigen Globetrotter im Gedächtnis geblieben, wenn es um Kunst geht. Dass sie zum Leben notwendigerweise dazu gehört – diese Auffassung stammt sicherlich auch aus dieser Zeit, als er als Hotelierssproß Künstler im Haus seiner Mutter ein- und ausgehen sah. Mit Sicherheit hat aber seine Tätigkeit an der norwegischen Oper, die letzte Station seiner 18-jährigen Auslandstätigkeit im Bereich des Hotelmanagements, dazu beigetragen, dass die Kunst aus seinem privaten und beruflichen Leben nicht mehr wegzudenken ist.

Folgerichtig fehlt sie auch nicht in seinem neusten Hotelprojekt. Er hat das bisherige „Hotel Neuwerk“ in der Königstraße 4 in „ONNO“ umbenannt und im Hinterhof um einen Neubau mit 20 Zimmern erweitert.

Insbesondere die NordArt im benachbarten Büdelsdorf, eine der größten Ausstellungen zeitgenössischer Kunst in Europa, hat Mäder nach eigener Aussage inspiriert. „Es ist der Hammer, was es dort gibt“, sagt er. Vergleichbares sei sonst nur in Großstädten zu sehen. Die Ausstellung hat zu der Entscheidung beigetragen, in seinem neuen Hotel auf die Verbindung von zeitgenössischer Kunst und Design zu setzen. Dazu konnte er den Architekten Hauke Mengel gewinnen, der Mäders Vision einer lebendigen Fassadengestaltung umsetzte. Die bewusst erodierten Segmente aus Cortenstahl, die dem Backstein wie ein Vorhang vorgeschaltet sind, sind Mäders Reminiszenz an die Industriegeschichte von Rendsburg und dessen Umland. Dazu gehört etwa das Hobby-Wohnwagen-Werk.

Was Mengel im Äußeren als Stilelement der Hotelansicht vorgibt, setzt der norwegische Bildhauer Marcus Mars im Hotelinneren fort. Mäder, der Mars an der Osloer Oper kennengelernt hatte, orderte für jedes der neuen Hotelzimmer eine Skulptur, deren Material Mars auf dem Schrottplatz des Hobby-Werkes eigenhändig ausgesucht hat. Der Künstler erläuterte, dass die auf den ersten Blick figurativen skulpturalen Arbeiten die jeweilige Atmosphäre des Raumes transportieren, in dem sie platziert werden.

Um ein Gefühl für das Hotel als ästhetischen Ort zu bekommen, hat Mars im Vorfeld seiner Arbeit verschiedenste Hotellobbys besucht und sich in die Atmosphäre des Kommens und Gehens, des temporären Zuhauses eingefühlt. Seine sehr filigranen schwarzen Skulpturen stehen oder hängen nun exklusiv im Hotel „ONNO“ und fügen sich in das skandinavische Interieurdesign von Storm Pedersen ein. Der Maler und Diplomingenieur Hubert Schumacher verbindet zudem mit seinem vierteiligen großformatigen Gemälde unter dem Titel „#DER WEG #STERNENSTAUB“ die vier Geschosse des Hotels im Bereich des Treppenhauses zu einem homogenen visuellen Ganzen.

Die abstrakt-expressionistische Arbeit bietet die Assoziation eines Weges „nach oben“ an, der von jedem Besucher individuell beschritten werden muss. Er endet jeweils dort, wo der Hotelgast sein Zimmer bezieht.

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