Leergut wird knapp : Hohe Nachfrage und Vorratskäufe: Durstlöscher sind Mangelware

Mineralwasser ist ein beliebter Durstlöscher. Andere Getränke werden zum Teil knapp.
Mineralwasser ist ein beliebter Durstlöscher. Andere Getränke werden zum Teil knapp.

Anhaltende Hitze sorgt für Lieferengpässe. Vor allem Mineralwasser ist stark betroffen. Entwarnung gibt es für Biertrinker.

shz.de von
12. Juli 2018, 00:00 Uhr

Rendsburg | Auch wenn der Sonnenschein eine kleine Verschnaufpause einlegt – schon seit April herrschen im Norden teilweise hochsommerliche Temperaturen. Dass bei Hitze viel getrunken werden soll, ist ein Ratschlag, an den sich auch die Menschen im Kreis Rendsburg-Eckernförde halten. Doch die Auswahl, womit der Durst gelöscht werden kann, wird kleiner. In Supermärkten und bei Getränkehändlern sind statt Wasserkisten immer häufiger nur Hinweisschilder zu finden, welche die Kunden vertrösten.

Den derzeitigen Engpass kann auch Jörg Johannsen, Vertriebsleiter bei der Wittenseer Quelle, bestätigen. „Wasser ist noch genug da“, sagt Johannsen, „uns fehlen primär die Flaschen und die Kisten. Was das Leergut betrifft, leben wir quasi von der Hand in den Mund“. Dabei geht es zum einen um den tatsächlichen Konsum, zum anderen aber vor allem darum, dass, je wärmer es werde, deutlich mehr Getränke auf Vorrat gekauft würden. Und die „Kisten im Keller“ fehlen dem Unternehmen dann in der Produktion.

Ein zweites Problem ist laut Johannsen die Logistik. Mit dem gleichen Fuhrpark muss die doppelte Menge an Ware ausgeliefert und Leergut zurückgeholt werden. „Als regionales Produkt sind die Wege zwar kurz, dennoch bleibt es schwierig.“ Auch stoße die Produktionsanlage irgendwann an ihre Kapazitätsgrenzen, obwohl bereits im Schichtbetrieb gearbeitet werde.

Zu wenig Flaschen für Limonade und Schorle

Die Folgen sind für den Verbraucher spürbar. Da wo Getränkepaletten stehen sollten, herrscht teilweise Leere. Dies gilt vor allem für Mineralwasser. Hier lag der Pro-Kopf-Verbrauch im vergangenen Jahr bei 144,3 Litern in Deutschland (ein europäischer Spitzenwert), ein Wert, der aufgrund der anhaltenden Wärmephase in diesem Jahr noch deutlich übertroffen werden dürfte.

Das bestätigt auch Andrea Kröbel, die bei Getränke Rönnfeldt in Rendsburg für den Einkauf zuständig ist: „Dieses Jahr ist es extrem. Wir kämpfen ganz schön, um Ware zu bekommen“. Die deutlich höhere Nachfrage beim Mineralwasser führe auch dazu, dass einige Getränkehersteller „Randprodukte“ wie Limonaden oder auch Apfelschorle gar nicht mehr abfüllen würden, da hierfür aus den genannten Gründen schlichtweg die Kapazitäten fehlen. „Fassbrausen und Radler werden von einigen Brauereien derzeit nicht angeboten“, sagt Kröbel, „viele Verbraucher können das gar nicht glauben.“

Eine positive Nachricht gibt es zum Schluss immerhin für alle Biertrinker. Ein Gerstensaft-Engpass, wie er derzeit in England droht, ist zwischen Nord- und Ostsee nicht zu befürchten. Hannes Frank von der Taarstedter „Weltbrauerei“ versichert: „Um das deutsche Bier braucht man sich keine Sorgen zu machen.“ Nachdem der Bierkonsum 2017 im Vergleich zum Vorjahr um 2,5 Prozent auf 93,5 Millionen Hektoliter abgesackt war, könnten die Brauereien durch die Hitzewelle vielleicht zu Gewinnern werden.

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