Kreis erhöht Stundensätze : Höhere Sätze: „Das bringt uns nichts“

Viele Eltern vereinbaren für die Betreuung ihres Nachwuchses spezielle Stundensätze mit den Tagesmüttern.
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Viele Eltern vereinbaren für die Betreuung ihres Nachwuchses spezielle Stundensätze mit den Tagesmüttern.

Tagesmütter befürchten, nicht von der Erhöhung der Stundensätze in der Kindertagespflege des Kreises zu profitieren.

shz.de von
27. Juni 2014, 06:00 Uhr

Um die Erhöhung der Stundensätze in der Kindertagespflege gibt es Verwirrung: Die Tagesmütter kritisieren, dass sie davon nicht profitieren. Sie stellen den Sinn der Reform in Frage. Ihnen zufolge bleiben die Beträge gleich, werden jedoch nur anders aufgeteilt.

Im Mai hatte der Jugendhilfeausschuss entschieden, die Förderung für Kinder unter drei Jahren pro Stunde ab dem 1. August von 3,10 Euro auf 3,50 Euro zu erhöhen (wir berichteten). Der Beschluss ging auf einen Vorstoß der CDU zurück. Beate Nielsen, stellvertretende Vorsitzende des Ausschusses, sprach damals von einem positiven Signal an die Familien.

„Das bringt uns nichts“, sagte Insa Grimm jetzt zur Landeszeitung. Sie ist Tagesmutter in Fockbek. Die meisten der rund 40 im Tagesmütterverein Rendsburg-Eckernförde organisierten Kolleginnen haben ihr zufolge ohnehin einen individuellen Stundensatz mit den Eltern vereinbart. Der liege zwischen vier und fünf Euro. Den vom Kreis bestimmten Anteil von künftig 3,50 Euro zahlen die Eltern an das Jugendamt, das wiederum leitet das Geld an die Tagesmütter weiter. In 134 der 165 Gemeinden des Kreises verringert sich der Betrag für die Eltern um zwei Euro, weil sowohl Kreis als auch Gemeinde jeweils einen Euro zur Förderung der Kindertagespflege hinzugeben. Auf diese Weise bleiben noch 1,50 Euro übrig, die die Eltern über den Kreis an die Tagesmütter bezahlen müssen.

Die Kritik der Tagesmütter bezieht sich jedoch darauf, dass am Ende nicht mehr Geld als vor der Erhöhung bei ihnen ankommt. Hat eine Tagesmutter beispielsweise einen Satz von 4,50 Euro pro Kind und Stunde vereinbart, bekommt sie zurzeit 3,10 Euro über das Jugendamt und 1,40 Euro direkt von den Eltern. Ab August verschieben sich die Beträge lediglich, so Insa Grimm: Dann bekommt sie 3,50 Euro vom Jugendamt und einen Euro von den Eltern. Es ändere sich also lediglich der Differenzbetrag, denn in beiden Fällen müssen die Eltern nach Abzug der Förderung von Kreis und Gemeinde insgesamt 2,50 Euro bezahlen.

Die Vorsitzende des Tagesmütter-Vereins, Heike Benn, bestätigt: „Letztendlich haben wir nicht mehr von der Erhöhung.“ Das vom Kreis festgelegte Entgelt sei ohnehin kaum auskömmlich. Sie selbst berechne für die Tagespflege zu Hause in Ostenfeld 3,50 Euro pro Kind und Stunde. Das sei jedoch nur möglich, weil ihr Ehemann den Hauptteil des Familieneinkommens verdiene. Laut Insa Grimm sei ein ausreichender Stundenlohn nur zu erreichen, wenn eine Tagesmutter über die acht Stunden Arbeitszeit durchgehend fünf Kinder betreue. Das komme aber durch das flexible Angebot der Tagesmütter so gut wie nie vor.

Beate Nielsen, die den Beschluss maßgeblich vorangetrieben hat, ist weiterhin überzeugt: „Die Tagesmütter haben durchaus einen Lohnzuwachs ab August“, sagte sie zur Landeszeitung. Norbert Schmidt, Leiter des Fachbereichs Jugend und Familie beim Kreis, sagte: „Was die Tagesmütter parallel zu unserer Verpflichtung, ein Entgelt an sie zu bezahlen, mit den Eltern vereinbaren, liegt außerhalb unseres Einflusses.“ Die Tagesmütter arbeiteten selbstständig in einem nicht normierten Markt. „Die Tagesmütter können ihre Stundensätze ja auch erhöhen.“

Das wiederum hält Heike Benn für unmöglich, weil die meisten Eltern dann abspringen würden. „2,50 Euro ist ein Betrag, der für viele gerade noch geht, weil das annähernd den Kosten für eine Krippe entspricht“, sagte sie. Eigentlich sei der Kreis dafür zuständig, dass die Tagesmütter auskömmlich bezahlt werden. „Wenn das in der Praxis so wäre, müssten wir mit den Eltern keine individuellen Beträge vereinbaren.“ Denn ursprünglich sei die Kindertagespflege als gleichwertiges Angebot zu den Krippen gedacht gewesen.

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