Neubau : Hochbrücke: Land macht Tempo

Die Rader Hochbrücke: 2023 sollen die Arbeiten am Neubau beginnen.
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Die Rader Hochbrücke: 2023 sollen die Arbeiten am Neubau beginnen.

Fertige Pläne werden im Juni dem Bundesverkehrsministerium vorgelegt. Kiel will bestehendes Bauwerk intensiver kontrollieren.

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01. Juni 2018, 08:59 Uhr

Rendsburg | Die erste Richtungsfahrbahn der neuen Rader Hochbrücke soll 2026 für den Verkehr freigegeben werden. Um dieses Ziel zu erreichen, macht das Kieler Verkehrsministerium Tempo. Wie Staatssekretär Dr. Thilo Rohlfs gestern auf Anfrage unserer Zeitung bestätigte, will er dem Bundesverkehrsministerium den Entwurf für den fertigen Streckenabschnitt sowie den landschaftspflegerischen Begleitplan noch in diesem Monat vorlegen. Rohlfs geht davon aus, dass Berlin die Pläne bis Ende des Jahres abzeichnen wird.

Gestern war der Staatssekretär im Kreishaus zu Gast, um den Stand des Projekts zu erläutern. Seine wichtigste Botschaft: „Wir sind bestens im Zeitplan.“ Zudem wolle man noch einen intensiven Dialog mit den Gemeinden über das Thema Lärmschutz führen. Zum Hintergrund: Die Kommunen hatten das Land aufgefordert, die neue Brücke mit Lärmschutzwänden auszustatten.

Gleichzeitig arbeiten die Kieler Verkehrsexperten weiterhin daran, das bestehende Bauwerk zu sichern, deren Restlebenszeit 2026 endet. Um die Brücke zu schonen, wurden unter anderem ein Lkw-Überholverbot erlassen, die Standstreifen gesperrt und das Höchstgewicht von Schwertransporten auf maximal 84 Tonnen beschränkt. Ergänzt wird das jetzt um eine intensivere bauliche und verkehrliche Kontrolle. Für dieses Jahr war ursprünglich eine einfache Prüfung vorgesehen. Kiel hat jedoch eine Brückenhauptprüfung angesetzt, bei der auch schwer zugängliche Teile begutachtet werden. Zudem wird in die Fahrbahn vor der Brücke eine Achslast-Messstelle eingebaut. Damit sollen Transporter ermittelt werden, die die zulässige Höchstlast überschreiten. Das Ministerium kündigte an, dass die Daten über das Fahrzeuggewicht gerichtsfest erhoben werden sollen.

Im Kreishaus ging es gestern auch um die Eiderbrücke im Zuge der B 77. Wegen der Kanaltunnelbaustelle war der Baubeginn verschoben worden, um kein weiteres Nadelöhr zu schaffen. Doch jetzt drängt die Zeit. Im zweiten Halbjahr 2018 werden die Vorarbeiten beginnen. Dabei geht es um archäologische Untersuchungen, zudem sollen Leitungen verlegt werden. Gebaut wird die Brücke in den Jahren 2019 bis 2022. Der Verkehr wird in der Zwischenzeit über eine Behelfsbrücke geleitet. Land und Kreis ist wichtig, dass die Trasse Kanaltunnel-Eiderbrücke fertiggestellt ist, bevor die Bauarbeiten an der Hochbrücke (2023) beginnen.

Lobende Worte für das Vorgehen des Kieler Verkehrsministeriums gab es von Landrat Dr. Rolf-Oliver Schwemer. Noch Anfang des Jahres hatte er Bedenken geäußert, dass das erste Teilstück der neuen Rader Brücke noch nicht fertig sein könnte, wenn die bestehende für den Verkehr gesperrt werden müsste. Gestern sagte Schwemer: „Das Ministerium kümmert sich. Ich habe großes Vertrauen darin, dass die Zeitpläne eingehalten werden.“

Ruf nach einer „Radler Hochbrücke“

Das „Rad“ trägt die Rader Hochbrücke schon im Namen. Mit dem Fahrrad kommt man aber nicht hinüber. Das will die Ortsgruppe Rendsburg des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs (ADFC) ändern. Ortssprecher Bodo Schnoor wünscht sich, dass in die Planungen zum Bau einer neuen Rader Hochbrücke ein zweispuriger Fahrradweg aufgenommen wird, der einseitig neben der Autobahn 7 über den Nord-Ostsee-Kanal führt. „Das dürfte nicht viel kosten.“ Durch den Trend zum Elektro-Fahrrad würden immer mehr Leute gern damit zur Arbeit zu fahren. Wer aber per Muskelkraft von Rade nach Borgstedt gelangen will, muss einen Umweg über die Fähre Nobiskrug, die Rendsburger und die Büdelsdorfer Innenstadt nehmen. Die Brücke wäre eine Abkürzung. Die Radler würden hinter einer Leitplanke fahren und wären damit besser geschützt als im Stadtverkehr oder an Bundesstraßen. Über eine Weserbrücke im Verlauf der Autobahn 2 in Porta Westfalica (Nordrhein-Westfalen) führt bereits ein Radweg. Das Bundesverkehrsministerium beantwortete eine Anfrage zu der Idee nicht.

Dafür äußerte sich Staatssekretär Dr. Thilo Rohlfs aus dem Kieler Verkehrsministerium. Ein Radweg an einer vielbefahrenen Autobahn und – im Fall der Brücke – bei Westwind in 42 Metern Höhe dürfte kein „Highlight“ sein. Er bezeichnete den Vorstoß des Fahrradclubs als „keine gute Idee“.

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