Ankerplatz Rendsburg : Hochbetrieb im Hafen ohne Meer

Hafenmeisterin Silke Bothmann vertäut den einlaufenden Motorsegler „Osprey“ am Steg des Jachthafens.  Fotos: Leptin
1 von 2
Hafenmeisterin Silke Bothmann vertäut den einlaufenden Motorsegler „Osprey“ am Steg des Jachthafens. Fotos: Leptin

Warum die Obereider bei Seglern so beliebt ist.

shz.de von
22. Juli 2018, 18:10 Uhr

Mit schnellen Schritten läuft Silke Bothmann auf dem Steg der Marina an der Obereider. Die Hafenmeisterin versucht, stets auf Höhe des Bootes mit der britischen Flagge zu bleiben. Bis jetzt war der rot-weiße Motorsegler zu weit weg, um eine Leine ans Ufer zu werfen. Jetzt stimmt der Abstand. Robert Harnwell wirft Bothmann ein Seil zu. Mit geübter Hand fängt sie es auf und befestigt es am Steg.

Der Stammsitz des Regatta-Vereins Rendsburg (RVR) ist ein Hafen ohne Meer. Trotzdem sind rund 170 der 200 Liegeplätze besetzt – ein sehr guter Wert, so Bothmann: „Der Wind trägt uns die Gäste hier rein.“ Die Urlauber würden „eher noch eine Nacht länger“ in Rendsburg bleiben und Stadturlaub machen, wenn es ordentlich bläst.

Bothmann arbeitet seit neun Jahren im Jachthafen. Sie weist ankommenden Booten Liegeplätze zu, hilft beim Auftanken und sorgt dafür, dass am Morgen frische Brötchen bereitstehen. Unter den zahlreichen Touristen sind – wie der Brite Robert Harnwell – viele Ausländer. Besonders häufig begrüßt Bothmann Gäste aus den Niederlanden und den skandinavischen Ländern. Gezahlt wird in dem kleinen Häuschen der Hafenmeisterin. Eine Nacht kostet je nach Bootslänge zwischen zehn und 50 Euro.

Was macht die Marina für Touristen so attraktiv? „Es ist ein cooler Hafen, alle sind sehr freundlich hier“, meint Thomas Nagel aus Hamburg. Er segelt regelmäßig durch den Kanal an die Ostsee. „Rendsburg ist dabei immer ein fester Anlaufpunkt.“ Der Ankerplatz liege ideal, um die Kanaldurchfahrt für einen Tag zu unterbrechen und neue Energie zu tanken. Auch die Stadt gefällt dem Mann aus der Hansestadt: „Man kann hier gut bummeln und Shoppen gehen.“ Zum Einkaufen machen auch Helga und Uwe Schäfer auf ihren Touren durch den Kanal regelmäßig Halt in Rendsburg: Vom Liegeplatz aus lassen sich bequem Läden erreichen, um die Vorräte an Bord wieder aufzufüllen, so Helga Schäfer. Auch der dritte Passagier des Motorboots fiebert dem Festmachen am Jachthafen jedes Mal entgegen: Der Jack-Russell-Terrier „Klaus Jürgen“. Er verkneift sich nämlich immer den Toilettengang, wenn er auf Wasser ist: „Er ist nicht nur stubenrein, sondern auch bootsrein“, freut sich sein Frauchen.

Nachdem Silke Bothmann die „Osprey“ festgemacht hat, betankt Robert Harnwell seinen Motorsegler erst einmal. Im Mai war er erstmals in Rendsburg. Jetzt befindet sich der Tourist aus Leicester auf der Reise von Schweden nach Holland. Weil ihm sein erster Aufenthalt gut gefallen hat, macht er auf dem Weg erneut Station am Obereiderhafen: „Es ist wunderschön hier. Die Gebäude in der Stadt gefallen mir sehr.“ Am nächsten Tag soll es für ihn bereits weitergehen. Doch am Abend will er sich erstmal noch einen Drink auf der direkt am Wasser gelegenen Terrasse im Jachthafen genehmigen und „das Leben genießen“.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen