Nortorf : Hitler und Lohse bald keine Ehrenbürger mehr?

Thema steht erstmals auf der Tagesordnung einer Stadtverordnetenversammlung. Ob ein formaler Beschluss zustande kommt, ist weiter offen

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30. März 2013, 08:52 Uhr

Nortorf | Nach rund drei Jahren Auseinandersetzung zeichnet sich bei den umstrittenen Ehrenbürgerschaften von Adolf Hitler und Hinrich Lohse in Nortorf (wir berichteten mehrfach) eine Entscheidung ab: Am Dienstag, 23. April, steht das Thema erstmals auf der Tagesordnung einer Nortorfer Stadtverordnetenversammlung. Ob es zu einer förmlichen Aberkennung per Beschluss kommen oder ein Beschluss für überflüssig erachtet wird, bleibt unsicher. Bis auf die CDU sprachen sich gestern gegenüber der Landeszeitung SPD und Grüne für die Aberkennung aus. Die Christdemokraten lehnen eine öffentliche Stellungnahme vor dem 23. April kategorisch ab. Die FDP will sich möglicherweise enthalten.

In der letzten Versammlung am 28. Februar hatte Erich Mory, Sprecher vom Bürgerforum Nortorf, in der Einwohnerfragestunde das Thema vorgetragen. "Die Berichte der Landeszeitung haben dafür gesorgt, dass ziemlich viel Staub aufgewühlt wurde", sagt Dieter Schlüter, Mitglied des Bürgerforums. Die Politiker hätten nicht anders gekonnt, als endlich einen Schlussstrich zu ziehen.

Seit der Gründung des Bürgerforums haben sich die acht Mitglieder mit der Thematik auseinandergesetzt und die Politiker immer wieder zum Handeln aufgefordert. Dass das Thema jetzt endlich auf die Tagesordnung kommt, lag auch daran, dass Erich Mory, Sprecher des Bürgerforums, die Kommunalpolitiker in der Februar-Sitzung verbal attackierte und damit zu einer Reaktion zwang. Auch wenn Bürgermeister Horst Krebs (CDU) die Notwendigkeit, das Thema auf die Tagesordnung zu setzen, zunächst nicht sah, korrigierte er sich einen Tag später und beauftragte die Verwaltung zu klären, ob Hitler und Lohse formal noch immer Ehrenbürger seien oder nicht. "Sollte dies tatsächlich der Fall sein, werde ich der Stadtverordnung vorschlagen, die Ehrenbürgerrechte nachträglich abzuerkennen", sagte Krebs am 1. März auf Nachfrage der Landeszeitung.

Dieter Schlüter zeigte sich gestern erleichtert. "Die Ehrenbürgerschaften werden dann hoffentlich endlich aberkannt. Das ist ein symbolischer und wertvoller Akt." Ein solcher Beschluss zeige auch die Distanzierung der Stadt zu diesem sensiblen Thema.

Erich Mory hingegen zeigte sich zurückhaltend. "Ich sehe das relativ emotionslos. Ein Genugtuungsgefühl habe ich nicht." Auf Nachfrage betonte Mory, dass die Ehrenbürgerschaften landesweit abgeschafft werden sollten. Nortorf sei ein kleines Stück vom Ganzen. Auch andere Gemeinden sollten sich mit dem Thema auseinandersetzen. Das Bürgerforum habe nicht vor, am 23. April noch einmal das Wort zu ergreifen, sagte Mory. In Albersdorf (die Dithmarscher Gemeinde entzog Hitler 2009 durch einen einstimmigen Beschluss die Ehrenbürgerwürde) wurden in der Fragestunde der Gemeindevertretersitzung jegliche Wortbeiträge der Bürger verboten. So werde es wohl auch in Nortorf ablaufen, vermutet Mory. "Mit einem entsprechenden Beschluss ist das Thema dann vom Tisch und gut ist."

Angelika Bretschneider (Bündnis 90/Die Grünen) ist froh über den anstehenden Beschluss: "Natürlich müssen die Ehrerbürgerschaften abgeschafft werden. Dafür haben wir uns in der Vergangenheit bereits deutlich ausgesprochen", erklärt die Stadtverordnete.

Innerhalb der SPD-Fraktion habe man sich ebenfalls geeinigt, berichtet Willi Gronewald (SPD). "Wir haben darüber gesprochen und sind einstimmig dafür, die Ehrenbürgerschaft zurückzunehmen."

Eine andere Position vertritt Rolf Jörs (FDP). "Mir liegt der genaue Wortlaut des Beschlusses noch nicht vor, wie wir in der Stadtverordnung über dieses Thema abstimmen sollen, aber ich werde mich enthalten, gegebenenfalls auch dagegen stimmen", so der Politiker. "Meiner Meinung nach erlischt die Ehrenbürgerschaft mit dem Tod. Das halte ich so auch für richtig. Ich lasse mich nicht von einer Gruppe zwingen, über so etwas abzustimmen."

Äußerst wortkarg gibt sich Bürgermeister Horst Krebs (CDU): "Dazu werde ich nichts sagen, auch wenn sich alle anderen Parteien dazu geäußert haben. Das ist mir egal." Er und seine Parteikollegen seien sich einig, bis zur Stadtverordnetenversammlung am 23. April sich nicht weiter zu dem Thema zu äußern.

"Besonders in Nortorf herrscht eine seltsame Zurückhaltung, was das Thema Nationalsozialismus angeht", diagnostiziert Dieter Schlüter und weist auf einen anderen Umstand hin: Im Rathaus hängen Bilder der ehemaligen Bürgermeister der Stadt. Auch das von Waldemar Hein, in dessen Amtszeit (1933 bis 1945) die Ernennung von Hitler und Lohse fiel. Das Bürgerforum fordere nicht das Entfernen des Bildes, wohl aber eine Verdeutlichung, was in Heins Amtszeit alles geschehen sei. "Dies ist ein Punkt, den man bei Gelegenheit ansprechen sollte", erklärte Dieter Schlüter.

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