Borgdorf-Seedorf : Historische Sachsen-Siedlung vereitelt Baupläne

Bürgermeister Achim Trede vergleicht die Bauplanung (links) mit der vom Landesamt untersuchten Fläche, die etwa deckungsgleich sind.
Bürgermeister Achim Trede vergleicht die Bauplanung (links) mit der vom Landesamt untersuchten Fläche, die etwa deckungsgleich sind.

Archäologen sprechen von einem bedeutenden Fund. Doch wie es mit dem dort geplanten Baugebiet weitergehen soll, ist unklar.

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01. Dezember 2017, 13:45 Uhr

Für Archäologen ist es ein spannender Fund, für die Gemeinde Borgdorf-Seedorf eine kleine Katastrophe. Bei Voruntersuchungen stießen Mitarbeiter des Archäologischen Landesamtes auf einer Koppel, die als Bauland gedacht war, Anfang des Monats auf die Überreste einer mittelalterlichen Siedlung. Nun geht die Behörde davon aus, dass es sich um die erste in Schleswig-Holstein nachgewiesene Siedlung der Sachsen handelt.

Die Voruntersuchungen hätten zahlreiche Befunde ergeben, sagt Ingo Clausen, der zuständige Dezernent beim Landesamt in Neumünster, alles deute auf eine größere Siedlung um das Jahr 1000 hin. Zu der Zeit lebten auch die Wikinger in Haithabu bei Schleswig. Die Sachsen, Gegner der Wikinger, errichten Burgwälle im Norden. Bisher konnten diese aber nie richtig verortet werden. Auch in Borgdorf, da im Namen auf einen Standort einer Befestigungsanlage schließen lasse, sei das der Fall. „Wir wussten, dass die Sachsen in der Region gesiedelt haben, bisher allerdings nicht wo.“

Man stoße in Borgdorf-Seedorf auf ein spannendes Feld – im doppelten Wortsinn. Denn es ist eine bisher unbebaute Fläche, auf der die ersten Grabungen erfolgten. Bei der Voruntersuchung wurde der schwarze Mutterboden bis zum gelblichen Untergrund der jüngsten Eiszeit abgetragen, erläuterte der Experte. Die Spuren menschlicher Besiedlung seien durch Feuerstellen oder Pfostengrabungen nachzuweisen. Diese Eingriffe in den Boden zeigten sich als dunkle Verfärbungen in der gelben Sandschicht. In Borgdorf hat das Landesamt auf acht Streifen zahlreiche dieser Anomalien gefunden. Da allerdings nur schmale Streifen untersucht wurden, kann die Form der Siedlung nicht genau rekonstruiert werden. Die ersten Untersuchungen ließen aber auf Grubenhäuser schließen, die ein Größe von etwa vier mal vier Meter gehabt haben.

Das Archäologische Landesamt würde der Gemeinde eine Genehmigung erteilen, das Land zu bebauen, dann müsste Borgdorf-Seedorf allerdings auch die Kosten für eine vorherige Ausgrabung tragen, erläuterte Clausen. Nun wird die Fläche explizit als Denkmalfläche gekennzeichnet. „Damit liegen unserer Planungen auf Eis“, sagt Bürgermeister Achim Trede. Die Kosten von 535 000 Euro könne weder die Gemeinde tragen, noch auf die 13 Bauherren der Grundstücke umgelegt werden. Der Haushalt der Gemeinde habe gerade einmal ein Volumen von rund einer halben Millionen Euro.

Dass in Borgdorf-Seedorf immer mal wieder Spuren von Menschen gefunden worden sind, sei bekannt, erklärt der Bürgermeister. So sind beim Pflügen Funde an die Erdoberfläche getragen worden. Auf der entsprechenden Koppel jedoch noch nicht. Bei dem Grundstück handele es sich um ein Sahnestück in der Gemeinde, sage der Bürgermeister. Von vier Flächen, die für Bauland in Borgdorf-Seedorf in Frage kämen, sei dieses Areal in den Fokus geraten, da es schon der Gemeinde gehört. Weiterhin liegt es gegenüber der Badeanstalt direkt am Naturschutzgebiet zum Bellerbek-Tal. Eigentlich sollten auf dem rund 20 000 Quadratmeter großen Grundstück 13 neue Häuser entstehen. Allerdings wurde die Planung immer wieder wegen Schwierigkeiten mit den Behörden verschoben. Im Frühjahr 2018 sollte das Baugebiet nun erschlossen werden, so Trede. „Daraus wird nun nichts.“

Es sei bedauerlich für die jungen Menschen, die man durch ein Baugrundstück in der Gemeinde habe halten wollen, erklärt der Bürgermeister. Und negativ für die Gemeinde. Im schlimmsten Fall werde das Gemeindeleben darunter leiden, wenn die jungen Leute wegziehen würden.

Was nun geschieht, ist unklar. „Wenn wir das Grundstück nicht anfassen, passiert nichts“, sagt Trede, dann bleibe es eine Koppel. Es steckten aber fünf Jahren Planungen und Geld in der Fläche, diese seien nun hinfällig. Aber auch die Suche nach neuem Bauland gestalte sich schwierig. Es gebe noch drei weitere Flächen, die geeignet wären, aber wer wisse, ob nicht darunter auch Siedlungsreste verborgen liegen. Kaufe man diese Flächen den Landwirten ab und die Archäologen würden erneut fündig, dann könne die Fläche höchsten als teures Pachtland genutzt werden – oder die Gemeinde müsste wieder Ausgrabungen finanzieren. Das Risiko sei sehr hoch, macht Trede deutlich. Ungewiss ist allerdings auch noch, was mit dem aktuellen Grundstück aus archäologischer Sicht geschehen wird. Vielleicht habe eine Universität oder Forschungseinrichtung Interesse daran, die Siedlung auszugraben und zu untersuchen, sagt Ingo Clasen.

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